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Peine

Stadtrat wird über Umbenennung der Langeheine-Straße beraten

Peine Der Peiner Stadtrat wird sich auf Antrag von Ratsherr Jürgen Eggers (Linke) mit der Umbenennung der Richard-Langeheine-Straße beschäftigen.

Von Jens Radulovic

Der Hintergrund: Laut „Spiegel“-Bericht soll Langeheine 1934 nationalsozialistische Schläger geschützt haben.

Die Landes-Linke hatte bereits nach Vorlage eines Berichtes der Historischen Kommission für Niedersachsen/Bremen zur NS-Vergangenheit früherer Landtagsabgeordneter eine Umbenennung gefordert. Dort waren allerdings nur seine Funktionen in der NSDAP aufgeführt. Ein Leser hatte unsere Zeitung anschließend auf die Berichterstattung des Magazins „Der Spiegel“ über Langeheine (abrufbar im Archiv unter www.spiegel.de) hingewiesen.

Im Artikel „Prügel im Wald“ (Ausgabe 39/1965) schreibt das Magazin, Langeheine habe Nazi-Schlägern geholfen, die deutschnationale Großgrundbesitzer in einem Wald verprügelten. „Die Sünde: Als Oberbürgermeister der pommerschen Stadt Stolp hatte es Langeheine 1934 unterlassen, nationalsozialistische Untaten gesetzmäßig zu ahnden. Wegen Begünstigung im Amt wurde ihm deshalb damals der Prozess gemacht.“ Langeheine habe damals dazu notiert: „Ich habe mich bei den zuständigen Behörden für die Beilegung der Verfahren eingesetzt. Beide Verfahren wurden auch wegen Geringfügigkeit eingestellt.“ Im Spiegel-Artikel wird Langeheine zitiert: „Das mag eine Fehlhandlung gewesen sein. Ich habe damals gedacht: Was passiert ist, das ist passiert, aber in Zukunft wird durchgegriffen, so etwas gibt es jetzt nicht mehr.“ Zu einer Verurteilung sei es durch die „Hindenburg-Amnestie“ nicht gekommen, so der Spiegel.

Im Artikel „Unser Handwerk“ (Ausgabe 6/1969) geht es um einen Erlass-Entwurf Langeheines als Niedersächsischer Kultusminister zu einer „Unterrichtung über Aufgaben der militärischen und zivilen Verteidigung“ an den Schulen Niedersachsens. Spiegel: „...in dem Erlass-Entwurf wird gefordert, Niedersachsens Schüler sollten fortan ’mit den Einrichtungen der Gesamtverteidigung und den Fragen der Wehr- und Dienstpflicht in ihrer Bedeutung für die Existenz unseres Staates vertraut gemacht werden‘.“ Dazu sollten Militärs in Schulen die Aufgabe der Landesverteidigung erläutern, schreibt das Magazin weiter.

Aus den Artikeln sprächen Obrigkeitshörigkeit, Handeln aus Parteiräson und Militarismus Langeheines, meint Eggers. „Das spricht stark dafür, dass Langeheine als Teil des Systems gehandelt hat“, sagt der Linke-Ratsherr über Langeheines Verhalten als Oberbürgermeister von Stolp. „Daher werde ich eine Umbennung der Richard-Langeheine-Straße beantragen“, so Eggers. Einen solchen Antrag werde er noch diese Woche losschicken und könne dann in der nächsten Ratssitzung am 22. März beraten werden.

Nach Informationen unserer Zeitung wird der Grünen-Ortsverband heute über eine eigene Initiative zur Umbenennung beraten. Mit Hinweis auf die Sitzung wollte Grünen-Stadtrats-Fraktionsvorsitzender Günter Miehe sich nicht näher zu dem Thema äußern. SPD-Stadtrats-Fraktionsvorsitzender Bernd-Detlef Mau verweist auf die nächste Sitzung der Fraktion Mitte März. Christoph Plett, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt, teilt auf Anfrage mit, seine Fraktion habe sich derzeit noch keine Meinung bilden können. „Im Augenblick stehen aber die Haushaltsberatungen im Vordergrund“

Horst Horrmann (CDU), als Ex-Kultusminister einer von Langeheines Nachfolgern, meint, der Spiegel habe Langeheine 1965 eine Affäre anhängen wollen. „Er war in der Großen Koalition unter Georg Diedrichs (SPD) stellvertretender Ministerpräsident in Niedersachsen, und dieser erklärte die Angelegenheit für erledigt mit dem Hinweis, ‚Dass es zum gerechten Urteil über das Verhalten eines Menschen unter dem nationalsozialistischen Regimes gehörte, dass man die Zeitumstände nach 1933 aus eigener Erfahrung kennt und zu wägen vermag‘“, zitiert Horrmann. „Richard Langeheines politische Lebensleistung sollte gemessen werden an seiner nahezu 40-jährigen kommunalpolitischen und 20-jährigen landespolitischen Tätigkeit.“ Insofern stelle sich für ihn die Frage nach einer Straßenumbenennung in Peine nicht. „Diese Forderung ist geradezu abwegig.“

Richard Langeheines Enkel Günter Langeheine sagt: „Wenn man erlebt hat, was für ein prächtiger Mensch mein Onkel war, weiß man, dass er diese Diskussion nicht verdient hat.“ Aus den Artikeln ergäben sich keine juristisch nachprüfbaren Fakten, die ein neues Licht auf Richard Langeheine würfen.

Erster Stadtrat Hans-Jürgen Tarrey erklärt als Vertreter von Bürgermeister Michael Kessler: „Der Bürgermeister hat im Runden Tisch die Ratsfraktionen gefragt, ob weitere umstrittene Straßennamen in Peine gesehen werden. Die Verwaltung wird anschließend den aktuellen Diskussions- oder Handlungsbedarf dazu in einer Vorlage für den Rat zusammentragen.“ Ziel sei, eine zusammenhängende Aufbereitung vorzunehmen und diese dem Rat zur Entscheidung vorzulegen, nachdem nochmals eine fundierte Einordnung und Bewertung erfolgt sei. „Die Zuständigkeit bei der Benennung und Umbenennung von Straßen liegt beim Rat der Stadt“, erklärt Tarrey.

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Veröffentlicht: 21.02.2012 - 07:38 Uhr
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