Sonderblatt des Stadtarchivs: Feuerordnung für die Stadt

Peine  Aus den Unterlagen geht hervor, dass der Brandschutz ein ganz wichtige Rolle spielte. Heiße Steine im Bett waren verboten.

Aus dem Stadtarchiv Peine: eine Gemeindespritze zum Löschen.

Aus dem Stadtarchiv Peine: eine Gemeindespritze zum Löschen.

Brandkatastrophen hat die Stadt Peine in ihrer Geschichte mehrfach erlebt, die folgenreichste im Jahre 1557, als fast die ganze Stadt nieder brannte. Auch das Rathaus mit sämtlichen dort aufbewahrten städtischen Urkunden und Dokumenten ging in Flammen auf.

Zur Brandverhütung gab es daher schon früh penible Bestimmungen, die von Zeit zu Zeit aktualisiert und verfeinert wurden. Im Jahre 1825 erschien „unter der ausdrücklichen Genehmigung der königlichen Landdrostei zu Hildesheim [...] folgende neue und verbesserte Feuerordnung für die Stadt Peine“.

Oberstes Gebot: „Jeder Bürger und Einwohner hat sowohl Tages als Nachts auf Feuer und Licht gute Aufsicht zu halten“. Freilich bedurfte dies näherer Erläuterungen. Insgesamt 73 Paragraphen reglementierten im Einzelnen die Vorschriften zur Brandvermeidung, sowie das Verhalten bei ausgebrochenem Feuer.

Keinesfalls durfte man „mit bloßem Lichte oder Lampen, auch unverschlossener Laterne in die Ställe und Scheunen oder an andere Orte, wo [...] feuerfangende Sachen liegen, gehen“. Das hatten auch passionierte Raucher zu beherzigen, denen es untersagt war, solche Lokalitäten „mit brennenden Pfeifen“ aufzusuchen, „wenn gleich die Pfeife mit einer Kapsel versehen seyn sollte“ – letzteres ohnehin grundsätzlich vorgeschrieben.

Leichtfertigkeit schien sich bei den Peinern im Umgang mit dem Gewehr eingeschlichen zu haben, wie aus § 7 ersichtlich wird: „Es ist verboten, Feuer-Gewehr in der Stadt, in den Gärten, bei den Häusern und auf den Wällen abzuschießen.“

Kaufleuten, die das hierfür erforderliche Schießpulver bereit hielten, war große Sorgfalt aufgegeben und nicht gestattet, größere Mengen des brisanten Stoffes zu horten. Maximal „4 Pfund Schießpulver“ waren zulässig, strikt verboten dagegen, die explosive Substanz „an Kinder und bei Lichte zu verkaufen“.

Beim Hausbau gab es vielfältige Brandschutz-Auflagen zu beachten, insbesondere bei der Anlage von Öfen, Feuerstellen und Schornsteinen. Grundlegendes war bauwilligen Peinern anscheinend geläufig, etwa der Hinweis: „Es versteht sich übrigens von selbst, daß Niemanden in der Stadt erlaubt sey, die Dächer mit Stroh zu decken.“

Hausbesitz war mit der Verpflichtung verbunden, „außer den auf dem Rathause befindlichen Feuer-Eimern, einen besondern ledernen oder segeltuchenen wohlverpichten Feuer-Eimer, mit seiner Haus-Nummer versehen, zu halten, und auf der Hausflur aufzuhängen.“ Sollte jemand „wider Verhoffen den Vorschriften in dem einen oder andern Punkte zuwiderhandeln“, wurde eine Strafe in Höhe von 16 guten Groschen bis 5 Taler fällig.

In der kalten Jahreszeit gehörte die Erwärmung des Bettes vor dem Schlafengehen auch in Peine zu den beliebten Gepflogenheiten; an probaten Mitteln fehlte es nicht, nur war nicht alles erlaubt: „Glühende Kohlen in Töpfen dürfen nicht auf Schlafkammern gebracht, auch die Betten nicht mit heißgemachten Steinen gewärmt werden.“

Um die neu aufgestellte „Feuer-Ordnung“ der Peiner Bürgerschaft zur Kenntnis zu bringen, scheute der städtische Magistrat keine Kosten, wie aus dem letzten Paragraphen hervorgeht: „Damit nun diese Feuer-Verordnung zu aller Einwohner Wissenschaft gelangen möge, so soll dieselbe auf Kosten der Kämmerei gedruckt und jedem Haushalt ein Exemplar unentgeltlich ertheilt werden. Gegeben Peine, den 15ten November 1824. Der Magistrat hieselbst A. Linck.“

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