Warum Mörder ihre Opfer zerstückeln

Brutale Torso-Morde im Braunschweiger Land – Psychologin nennt Täterprofile und typische Motive

Mit einer außergewöhnlichen Plakataktion hat die Peiner Polizei vor elf Jahren nach dem Mörder der 18-jährigen Yasmin Stieler gefahndet – trotz zahlreicher Hinweise aus der Bevölkerung ohne Erfolg.   

Mit einer außergewöhnlichen Plakataktion hat die Peiner Polizei vor elf Jahren nach dem Mörder der 18-jährigen Yasmin Stieler gefahndet – trotz zahlreicher Hinweise aus der Bevölkerung ohne Erfolg.   

Foto: Archivfoto: dpa

BRAUNSCHWEIG. Die Namen Yasmin Stieler und Markus Wachtel wird im Braunschweiger Land so schnell niemand vergessen. Zu brutal ist das, was ihnen wiederfahren ist: Sie wurden umgebracht, ihre Leichen zerstückelt.

Es sind Einzelfälle, aber sie prägen sich ob ihrer Brutalität ein. In Braunschweig hat sich vorige Woche der jüngste "Torso-Mord" ereignet. Was treibt die Täter an? Gibt es eine Häufung im Braunschweiger Land?

Von einer Häufung könne man angesichts der niedrigen Fallzahlen bundesweit nicht sprechen, sagt Sibylle Dörflinger, Psychologin beim Landeskriminalamt in Hannover. Was Täterprofile und Motive angeht, verweist sie auf eine internationale Studie. Daraus geht hervor: Die meisten Täter sind männlich, häufig zwischen 30 und 40 Jahre alt, alle Bildungsschichten sind vertreten. "Häufig stehen die Taten im Zusammenhang mit Alkohol- oder Drogenkonsum, da dann die Hemmschwelle niedriger ist. Psychotische Störungen liegen nur in Ausnahmefällen vor", sagt Sibylle Dörflinger.

Täter und Opfer kennen sich in der Regel: In jedem dritten Fall konnte der Ehepartner als Täter überführt werden. Die Opfer sind meistens Frauen. In zwei Dritteln der Fälle wird der Tote aus "praktischen" Gründen zerlegt: Weil die Leiche zu schwer oder zu sperrig ist, weil Spuren verwischt oder eine Identifizierung erschwert werden soll. "Ein Indiz dafür ist, wenn die Leiche ausschließlich zerlegt wurde, aber keine weiteren Zerstörungen oder Verstümmelungen vorliegen", sagt Dörflinger.

In anderen Fällen, wenn zum Beispiel ein Täter mit der Axt zuschlägt, werde die Zerstümmelung bewusst in Kauf genommen. "Nur in fünf Prozent der Fälle spricht man von aggressiver Mutilation, bei der die Zerstörung des Körpers vordergründiges Ziel ist", erklärt die Psychologin. Oft spielten Wut und Hass auf das Opfer dabei eine Rolle.

Der "Koffer-Mord"

Vorige Woche wurde in einem Braunschweiger Mietshaus ein Koffer mit dem Torso einer Frau gefunden. Gestank und Madenbefall hatten die Ermittler auf die Spur gebracht. Einen Tag nach dem Fund gesteht der 42-jährige Lebensgefährte der Toten, sie im Streit bei einem Trinkgelage erschlagen und anschließend im Bad zerstückelt zu haben.

Der Fleischer aus Vienenburg

Ein 46-jähriger Fleischermeister aus Vienenburg wurde im Herbst 2007 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte einen türkischen Bordellbesitzer im Streit um 300 000 Euro Bordell-Einnahmen angeschossen und erstochen. Dann hatte er das Opfer ausgeweidet und die Leiche zerstückelte. Die Organe entsorgte er zusammen mit Schlachtabfällen, weitere Leichenteile versenkte er im Oker-Stausee.

Der Hammer-Mörder

Im Herbst 2001 schlägt ein 33-jähriger Maurer aus Abbensen im Kreis Peine mit einem Hammer auf seine schlafende Frau ein. Durch das Zimmer der schlafenden Tochter schleift er die Tote zur Scheune, sägt ihr die Beine ab, weil er sie sonst nicht ins Auto heben kann. Die Leiche verbrennt er am Eixer See.

Die Tote im Elbe-Seitenkanal

Die 60 Jahre alte Ruth Buchelt aus Celle wird im März 1999 vergewaltigt, brutal getötet, zerstümmelt. Der Täter, ein Schlachter aus Celle, versenkt ihre Leichenteile im Elbe-Seitenkanal bei Isenbüttel. Zwischenzeitlich vermutet die Polizei, er könne für weitere Morde im Braunschweiger Land verantwortlich sein. Es folgen jahrelange Ermittlungen.

Das jüngste Opfer

In einem Kiesteich im Kreis Peine wird im März 1998 die zerstückelte Leiche des 13-jährigen Markus Wachtel gefunden. Er wurde erwürgt. Der Täter: ein 18-jähriger Berufsschüler. Täter und Opfer sollen über Zigaretten und Mädchen gestritten haben. Doch vieles bleibt im Indizien-Prozess unklar: Wer hat die Leiche zerteilt? Wer hat das Grab von Markus Wachtel geschändet und den Schädel geklaut?

Der Mord an Yasmin Stieler

Der einzige "Torso-Fall", der bis heute nicht aufgeklärt wurde: Im Jahr 1996 kommt die 18-jährige Yasmin Stieler von einem Diskobesuch in Braunschweig nicht nach Hause. Tage später wird ihr vergrabener Torso am Bahndamm in Vechelde gefunden. Bei Hämelerwald wird später ihr Kopf gefunden, die Beine entdecken Spaziergänger in einem Badeteich bei Ricklingen. Ihre Hände fehlen bis heute. Der Täter, wird vermutet, kommt aus dem Braunschweiger Land.

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