Ausstellung: Was es heißt, auf der Flucht zu sein

Braunschweig  Die Landesaufnahmebehörde für Asylbewerber in Kralenriede lädt zu einer beeindruckenden Ausstellung mit Fotos, Gemälden und Erlebnisraum ein.

Jens Grote (links), Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen, und Michael Lewin, Standortleiter der LAB in Braunschweig-Kralenriede, stehen in der Ausstellung „Auf der Flucht“ vor einem Foto, das einen geflüchteten Iraker zeigt, der in Deutschland Asyl gefunden hat.

Jens Grote (links), Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen, und Michael Lewin, Standortleiter der LAB in Braunschweig-Kralenriede, stehen in der Ausstellung „Auf der Flucht“ vor einem Foto, das einen geflüchteten Iraker zeigt, der in Deutschland Asyl gefunden hat.

Foto: Karsten Mentasti

Mit einem außergewöhnlichen Projekt geht die Landesaufnahmebehörde (LAB) Niedersachsen in ihrem Standort Braunschweig-Kralenriede auf die Öffentlichkeit zu: Sie eröffnet am Montag zunächst vor geladenen Gästen die Ausstellung „Auf der Flucht“.

Diese Fotoausstellung der Uno-Flüchtlingshilfe UNHCR wird in Braunschweig noch ergänzt durch Gemälde eines derzeit in der LAB wohnenden Syrers, Dokumentationsfotos von nachdenklich machenden Wandkritzeleien früherer Bewohner sowie Leihgaben aus dem Museum Friedland, einem der bekanntesten Grenzdurchgangslager in Deutschland.

Von Mitarbeitern der LAB, unter anderem aus dem Sozialdienst, wurde außerdem ein Erlebnisraum konzipiert, in dem es Schülern der Sekundarstufe II ermöglicht werden soll, sich in die vertrackte Situation flüchtender Menschen einzufühlen. So können sich alle Schüler in ein wackeliges Boot setzen oder müssen Anweisungen eines Grenzbeamten in einer Sprache befolgen, die sie nicht verstehen. „Wir hoffen, dass sich Schulklassen für die Ausstellung interessieren“, betont Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen.

Zur Besichtigung der erstmals in dieser Komplexität gezeigten Ausstellung sind eine Anmeldung und Terminabsprachen nötig, da die LAB zum Schutz der Bewohner nach wie vor nicht frei besichtigt werden kann. Führungen sollen so organisiert werden, dass einzelne Interessenten sich einer Gruppe anschließen können. LAB-Mitarbeiter begleiten die Gruppen durch die Schau.

Die auf der Flucht entstandenen Bilder des Syrers hängen an den Wänden eines langen Flurs im Verwaltungstrakt. Der Hauptteil in einem Ausstellungsraum zeigt professionelle Fotografien, bei denen Menschen im Vordergrund stehen – egal ob die Aufnahmen in Europa, Asien oder Afrika entstanden sind. Gezeigt werden Fotos von den 1950er-Jahren bis 2002. „Weltweit sind derzeit rund 66 Millionen Menschen auf der Flucht“, berichtet Grote.

„Der abstrakte Begriff Flucht bekommt hier ein Gesicht“, ergänzt LAB-Standortleiter Michael Lewin. „Die Fotos lassen den Betrachter hineinfühlen in die Angst, Strapazen und Hoffnung eines Flüchtenden und laden zur Selbstreflexion ein.“

Die LAB als Erstaufnahmeeinrichtung für angehende Asylbewerber stand im zweiten Halbjahr 2015 und im gesamten Jahr 2016 im Fokus, als während der großen Flüchtlingswelle täglich Hunderte Menschen aufgenommen wurden und die Einrichtung bald aus allen Nähten platzte. Das gefiel weder der Behörde noch den Geflüchteten und den Anwohnern. Längst hat sich die Lage beruhigt.

Die LAB ist mit 690 Personen aus 39 Ländern derzeit fast ausgelastet, ohne überlastet zu sein. Unter anderem leben dort 165 Menschen, die nach einem Feuer in der Außenstelle Celle schnell eine neue Unterkunft brauchten.

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