Anklage: Flüchtlingshelfer betrog mit Daten von Asylbewerbern

Braunschweig.   Der 46-Jährige aus unserer Region soll so etwa Mobilfunkgeräte ergaunert und weiterverkauft haben.

Flüchtlinge laufen mit Koffern bepackt auf einem Weg einer Erstaufnahmeeinrichtung. In unserer Region soll ein ehemaliger Flüchtlingshelfer das Vertrauen mehrerer Asylbewerber ausgenutzt haben. Laut Anklage verwendete er ihre Daten für betrügerische Geschäfte.

Flüchtlinge laufen mit Koffern bepackt auf einem Weg einer Erstaufnahmeeinrichtung. In unserer Region soll ein ehemaliger Flüchtlingshelfer das Vertrauen mehrerer Asylbewerber ausgenutzt haben. Laut Anklage verwendete er ihre Daten für betrügerische Geschäfte.

Foto: Foto: Christoph Schmidt / picture alliance/dpa

Ein ehemaliger Flüchtlingshelfer aus unserer Region soll Daten von arglosen Asylbewerbern genutzt haben, um betrügerische Geschäfte abzuwickeln. Gegen den 46-Jährigen sei Anklage erhoben worden, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Braunschweig am Mittwoch auf Anfrage. Ihm wird gewerbsmäßiger Betrug, Urkundenfälschung und Fälschung beweiserheblicher Daten in insgesamt 49 Fällen vorgeworfen.

Nach Informationen unserer Zeitung war der Mann, der ursprünglich aus Südosteuropa stammt, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015/2016 in unserer Region als Dolmetscher angestellt. Einigen Asylbewerbern soll er bei der Erstaufnahme mit Ratschlägen und Übersetzungen geholfen – und in der Folge ein besonderes Vertrauensverhältnis zu ihnen aufgebaut haben. Diese Kontakte nutzte er offenbar für seine Betrügereien. Nicht immer soll er dabei allein gehandelt haben. In vielen Fällen standen ihm der Anklage zufolge Komplizen zur Seite, gegen die gesondert ermittelt wird.

Die ihm zur Last gelegten Betrugsfälle liefen nach einem ähnlichen Muster: Mehrfach missbrauchten er und weitere Helfer demnach die Daten von Unbeteiligten, um unter anderem Handys, Tablets und Router bei Telekommunikations-Unternehmen zu bestellen und diese mit Gewinn weiterzuverkaufen oder für sich selbst zu nutzen. Konkret soll er zum Beispiel für eine Asylbewerberin einen Internet-Anschluss bestellt haben. Anschließend schloss er den Informationen zufolge ohne deren Wissen einen weiteren Vertrag und ließ eine damit einhergehende Spielkonsole an einen Komplizen ausliefern. Die Unternehmen blieben auf den Kosten sitzen.

Außerdem soll der Angeschuldigte ab November 2015 zusammen mit einem bislang nicht identifizierten Mittäter im Internet über Ebay-Kleinanzeigen Waren verkauft haben, die es gar nicht gab: eine Goldsammelmünze etwa, ein Tablet, eine Digitalkamera oder einen Roboter-Staubsauger. Damit der Betrug nicht auffliegt, hackten die mutmaßlichen Täter auch E-Mail-Accounts von seriösen Verkäufern. Das überwiesene Geld schöpfte der ehemalige Flüchtlingshelfer laut Anklage über eigens eingerichtete Konten bei verschiedenen Banken ab. Zur Eröffnung der Konten sollen er und sein Helfer gefälschte Pässe vorgelegt haben, die sie sich im Darknet beschafften, im versteckten Teil des Internets.

Letztlich soll sich der Angeschuldigte widerrechtlich auch Bahntickets bei der Deutschen Bahn beschafft haben, die er für sich, seine Familie oder Mittäter verwendete. Bei der Bestellung im Online-Verfahren nutzte er überwiegend gehackte oder selbst eingerichtete E-Mail-Accounts. Dabei habe er auch Daten von ihm bekannten, arglosen Asylbewerbern genutzt, heißt es. Nach Informationen unserer Zeitung wurde ihm als Flüchtlingshelfer im Zuge der Ermittlungen gekündigt.

Das für den Fall zuständige Amtsgericht in unserer Region bestätigt, dass die Anklage im April eingegangen ist. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens sei aber noch nicht entschieden worden.

Der Anwalt des 46-Jährigen, Burkhard Benecken aus Marl, will sich nicht zu den Fall äußern: „Im Hinblick auf das laufende Verfahren kein Kommentar“, sagt er.

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