Starkes Engagement in Braunschweig gegen das Vergessen

Braunschweig.  Sie sind Kandidaten für den Gemeinsam-Preis 2020: Die „Brunswick Wheelers“ treten in die Pedale für eine andere Erinnerungskultur.

„Memorial Ride“ nach Auschwitz – die Mannschaft der „Brunswick Wheelers“.

„Memorial Ride“ nach Auschwitz – die Mannschaft der „Brunswick Wheelers“.

Foto: Henning Noske

Als sich am 27. Januar 2020 die Befreiung des Lagerkomplexes Auschwitz durch sowjetische Truppen zum 75. Mal jährte, rückte ein unvorstellbares Geschehen und Verbrechen in den Blickpunkt. Die systematische Vernichtung von rund eineinhalb Millionen Menschen allein an dieser Stelle markiert den Höhepunkt des nationalsozialistischen Völkermordes und einen beispiellosen Zivilisationsbruch.

Eine Initiative von Freizeit-Radsportlern aus Braunschweig hat daran in einer einzigartigen Aktion erinnert – und wird auch künftig auf den Rädern und mit Spendenmarathons für die Erinnerungskultur unterwegs sein.

Das sind die „Brunswick Wheelers“ – ausdrücklich „Gegen das Vergessen!“ jagten sie beim „Memorial Ride“ zum Jahrestag mit ihren Rennrädern in nicht einmal zwei Tagen über 850 Kilometer nach Auschwitz in Polen. Dort wurden sie vom Vizedirektor der Staatlichen Gedenkstätte, Andrzej Kacorzyk, begrüßt und trafen die Auschwitz-Überlebende Bat-Sheva Dagan.

Und weil es ein Spendenprojekt ist, konnten sie am Ende der Gedenkstätte insgesamt 8500 Euro zur Verfügung stellen.

Ein sportliches Projekt und eine Idee des Bürgerengagements für die Erinnerungskultur, die für den Gemeinsam-Preis geradezu prädestiniert scheint. Nach dem Erfolg soll es weitergehen – als nächstes Projekt der Braunschweiger wird jetzt ein „Memorial Ride“ nach Bergen-Belsen zur Unterstützung der dortigen Gedenkstätte geplant.

Die „Brunswick Wheelers“, Zusammenschluss von Radsportbegeisterten aus der Region, sprechen sich angesichts des immer weiter um sich greifenden Rechtspopulismus, des zunehmenden Nationalismus und vor allem des Wiedererwachens von Antisemitismus mit ihren Aktionen ausdrücklich gegen Ausgrenzung jeglicher Art aus.

Dabei waren im Sattel unterwegs nach Polen ein Team mit Ulf Rogass, Jörg Kühn, Torsten Bierwisch, Holger Droste, Christian Rau, Henning Kuczewski, Philipp Krainick und Ulf-Christian Blume.

Diese Fahrer wurden logistisch unterstützt vom Support-Team mit Oliver Pietsch, Manfred Schinke, Gerd Ohlendorf, Michael Kumpe, und Christian Ciecior. Insgesamt hat die Brunswick-Wheelers-Truppe 30 Mitglieder.

Sie werden von Renate Wagner-Redding, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Braunschweig, unterstützt. „Diese Idee ist außergewöhnlich und bewundernswert. Denn wir brauchen eine andere Erinnerungskultur – und hier ist ein Beispiel dafür. Man kann das alles nicht vergessen – und man darf das nicht vergessen“, erklärt sie.

Gemeinsam-Preis:

Am 16. November ehrt unsere Zeitung mit dem Braunschweiger Dom zum 17. Mal Menschen für ihr Bürgerengagement. In den nächsten Wochen stellen wir hier täglich die Kandidaten für den Preis vor.

Heute:

Name „Brunswick Wheelers“ mit dem „Memorial Ride“.

Das Ziel: Freizeit-Radsportler starten anspruchsvolle Touren und Spendenmarathons für die Erinnerungskultur, so nach Auschwitz und Bergen-Belsen.

Kontakt: Jörg Kühn,
Telefon (0174) 1854219.


Zum Hintergrund des Gemeinsam-Preises:

Zum 17. Mal verleiht unsere Zeitung Anfang Juni zusammen mit dem Braunschweiger Dom den Gemeinsam-Preis und zeichnet damit engagierte Bürger aus der Region aus. Ausgelobt sind Preise in drei Kategorien: Gemeinsam-Preis für bürgerschaftliches Engagement, Jugendpreis des Braunschweiger Doms sowie der „Rückenwind“-Preis für Unternehmen und Institutionen, die das Ehrenamt von Mitarbeitern fördern.

Zahlreiche Leser-Vorschläge haben die Redaktion erreicht, so dass es keine leichte Entscheidung für die Jury war. 24 Kandidaten hat sie ausgewählt. Sie stehen stellvertretend für alle, die sich ehrenamtlich für andere einsetzen und damit Vorbilder in unserer Gesellschaft sind.

Zudem werden vier weitere Kandidaten um den „Rückenwind“-Preis für Unternehmen ins Rennen gehen. In den nächsten Wochen stellen wir alle Kandidaten ausführlich vor, bevor die Leser sowie die Jury die Preisträger wählen. Am Montag, 16. November, werden diese beim Festakt im Braunschweiger Dom verkündet und geehrt. Im vergangenen Jahr wurden gleich zwei Kandidaten – Niclas Lampe und Inge Grasenick – von den Lesern unserer Zeitung auf den ersten Platz gewählt.

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