Braunschweiger Propst stellt täglich „Mutworte“ ins Netz

Braunschweig.  Lars Dedekind probiert in Corona-Zeiten eine neue Form aus, Botschaften über ein Videoportal zu verbreiten

Propst Lars Dedekind sendet seit Montag täglich im Internet "Mutworte". Die extra angeschaffte Filmausrüstung wird anschließend auch anderweitig genutzt

Propst Lars Dedekind sendet seit Montag täglich im Internet "Mutworte". Die extra angeschaffte Filmausrüstung wird anschließend auch anderweitig genutzt

Foto: Karsten Mentasti

Am liebsten würde Lars Dedekind in seiner neuen Funktion von Angesicht zu Angesicht Gespräche mit ganz vielen Menschen führen. Der gerade erst ins Amt eingeführte Propst in der Propstei Braunschweig der evangelisch-lutherischen Landeskirche würde mit ihnen über Gott und die Welt plaudern, seelsorgerische Begleitung leisten, den Menschen nach Gottesdiensten die Hand schütteln, um Kirche im doppelten Sinn erleb- und begreifbar zu machen. Aber aus bekannten Gründen klappt das nicht wie gewünscht.

Jeder kann mitmachen

Aber der 52-Jährige hat sich etwas überlegt, wie er in dieser surrealen Zeit leerer Fußgängerzonen, Stadtteilzentren, Kirchen und Gemeindehäuser dennoch die Christen in der Stadt und darüber hinaus alle Menschen erreichen und ihnen Mut zusprechen kann. Seit Montag stellt Dedekind täglich „Mutworte“ ins Internet, kleine Videos, abrufbar über das Videoportal Youtube.

Drei persönliche Mutworte, dazu ein Pilotvideo und eine Auftakt-Botschaft sind bereits hochgeladen und können jederzeit abgerufen werden. Am Donnerstag kommt wieder ein Video dazu. Bis spätestens 12 Uhr soll es hochgeladen sein, also vor dem Zeitpunkt, an dem viele Kirchen die Glocken läuten, um zum gleichzeitigen Gebet zu ermuntern.

Dabei ist es nicht der Propst selber, der Tag für Tag vor der Kamera steht. Er hat die Ausrüstung besorgt, sich von einer Studentin der Ostfalia-Hochschule die technische Bedienung erklären lassen und den filmischen Auftakt gemacht. Jetzt sucht er nach Braunschweigern, die sich bei einer mutmachenden Ansprache filmen lassen wollen oder über ihr Smartphone oder ihre Kamera selbst ihre eigenen Gedanken aufnehmen.

Zwischen 90 und 120 Sekunden sollten die kleinen Filme sein, dazu kommen jeweils ein vorgefertigter Vor- und Abspann. Den Schnitt übernimmt ein Mitarbeiter aus dem Arbeitsbereich Religions- und Medienpädagogik der Landeskirche.

Wer seine eigenen Gedanken in einem Mutworte-Video mitteilen möchte, kann sich an Lars Dedekind per Mail (braunschweig.pr@lk-bs.de) wenden und sich auf der Liste der Redner eintragen lassen – oder ihm über eine geeignete Plattform (wie wetransfer.com) den selbst aufgenommenen Film schicken. „Derzeit mache ich die Aufnahmen noch selbst, es gibt aber schon einige Helfer, die mich unterstützen wollen“, sagt der Propst. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass sich nicht nur Kirchenmitarbeiter, sondern Interessenten auch aus weltlichen Bereichen beteiligen können. „Je vielseitiger das wird, desto größer die Reichweite“, hofft Dedekind.

Diese sicherlich für viele Kirchgänger neue und ungewöhnliche Form der Kontaktaufnahme will er fortführen, bis die heftigen Auswirkungen der Corona-Krise ein Ende finden. Er ist sich sicher, dass viele Menschen in dieser Zeit tröstende und mutmachende Worte brauchen – „Worte, die aufbauen sollen, die Perspektive und Orientierung geben“, zählt er auf.

„Auf die Idee hat mich ein Telefonat mit einem durch die Corona-Gefahren sehr verängstigten Menschen gebracht“, erläutert Dedekind. Ihm sei bewusst geworden, dass sich gerade jetzt viele sehr verschließen und dabei existenzielle Ängste entwickeln würden. Andere seien ohnehin einsam und hätten jetzt, da das Leben sehr eingeschränkt stattfinde, noch weniger Kontakte als sonst. „Ich hoffe, dass wir nach der Corona-Zeit die richtigen Lehren aus den Erfahrungen ziehen und sich das Leben etwas ändern wird“, betont der Propst.

Dass der Begriff „Mutworte“ an die „Kraftworte“ eines seiner Vorgänger, Armin Kraft, erinnern könnte, sei ihm erst später aufgefallen. „Das ist keine beabsichtigte Ähnlichkeit“, betont Lars Dedekind.

Den Begriff setzt er vielmehr mit der Bibel in Bezug – „das sind ja eigentlich die ersten Mutworte“. In der Bibel hätten die Autoren ihre Einschätzungen zu Leben und Religion niedergeschrieben. Die aktuelle Aktion sehe er als Möglichkeit, das heutige Leben einzuordnen und dabei „ermutigende Worte und Hoffnungen zu formulieren“, die anderen helfen können, ihre Ängste zu mindern oder zu überwinden.

So finden Sie die „Mutworte“

Einen Link zum Youtube-Kanal „Mutworte für Braunschweig“ gibt es auf der Internetseite propstei-braunschweig.de. Die Beiträge sind auch zu finden unter youtube.com, Suchbegriff „Lars Dedekind“.

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