Noch keine geplanten Eingriffe im Braunschweiger Klinikum

Braunschweig.  Betten und Personal werden zur Behandlung dringlicher Fälle und für Covid-19-Patienten gebraucht. Ein Regelbetrieb ist noch nicht möglich.

Unser Archivfoto zeigt den Blick ins Herzkatheterlabor des Klinikums. Auch Herzkatheteruntersuchungen werden vorerst weiterhin nur in dringlichen Fällen vorgenommen,elektive Eingriffe wurden zurückgestellt.

Unser Archivfoto zeigt den Blick ins Herzkatheterlabor des Klinikums. Auch Herzkatheteruntersuchungen werden vorerst weiterhin nur in dringlichen Fällen vorgenommen,elektive Eingriffe wurden zurückgestellt.

Foto: Peter Sierigk/Klinikum Braunschweig

Trotz der Corona-Lockerungen ist das Braunschweiger Klinikum von einer Rückkehr zum Normalbetrieb noch weit entfernt. Zwar dürfen Krankenhäuser in Niedersachsen nach einem generellen Stopp wieder elektive – also geplante und nicht dringliche – Behandlungen vornehmen, müssen aber gleichzeitig Behandlungskapazitäten für Covid-19-Patienten freihalten, und zwar jedes fünfte Bett auf Normalstation sowie jedes vierte Intensivbett mit Beatmungsmöglichkeit. Bei Bedarf müssen die Kapazitäten zur Behandlung von Covid-19-Patienten außerdem binnen 72 Stunden um weitere 20 Prozent hochgefahren werden können.

Die Folge für das 1500-Betten-Haus: „Uns fehlt das Personal, um Elektivpatienten zu behandeln“, erklärt Klinikum-Sprecherin Thu Trang Tran. „Deshalb werden wir nicht so schnell in den Regelbetrieb übergehen können.“ Als Maximalversorger für die Region sei das Klinikum vor allem Anlaufstelle für Patienten, deren Behandlungen unaufschiebbar sind. Bereits vor Covid-19 habe es sich bei zwei Dritteln der Patienten um Notfälle oder dringliche Fälle gehandelt. Zur Versorgung dieser Patienten reichten die Kapazitäten weiterhin problemlos. „Angesichts der Vorhaltequote bleibt uns aber nicht mehr viel Spielraum für Elektivpatienten.“

Ohnehin herrsche in der Pflege ein Fachkräftemangel. In Corona-Zeiten kommt dieser nun offenbar noch stärker zum Tragen. Denn Pflegekräfte könnten nicht je nach Bedarf flexibel auf Covid-19-Stationen und Normalstationen eingesetzt werden. „Wir haben feste Teams, die ausschließlich für Covid-19-Patienten zuständig sind“, erläutert Thu Trang Tran.

Seit Anfang März würden im Klinikum durchgehend Covid-19-Patienten und Verdachtsfälle betreut. In der bisherigen Spitze habe das Klinikum nach einem Stufenplan 93 Corona-Betten freigehalten. Mehr als 25 Betten seien zeitgleich nie belegt gewesen, sagt die Klinikum-Sprecherin. Nach dem aktuellen Erlass des Landes könne das Großkrankenhaus nun hunderte Betten nicht belegen. „Denn würden wir jetzt wieder in Volllast arbeiten, könnte uns das bei einer zweiten Corona-Welle auf die Füße fallen.“

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Systematische Corona-Tests für alle Beschäftigten und Patienten werden im Klinikum bislang nicht vorgenommen. „Dazu erwarten wir eine Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums“, so Tran. Nicht nur die Kostenfrage stehe im Raum. „Zum Beispiel müsste auch geklärt werden, wie schnell die Krankenhäuser die Testergebnisse erhalten und wie die Patienten isoliert werden könnten, bis das Ergebnis da ist.“

Unabhängig davon testet das Klinikum bereits Patienten, die zur Risiko-Gruppe zählen. Wer etwa in die Onkologie oder Geriatrie verlegt wird, wird laut Tran auf Corona getestet.

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Seit Ausbruch der Pandemie habe es einen statistisch deutlichen Rückgang von verschiedenen Erkrankungen in Deutschland gegeben. „Wir können nicht vorhersagen, ob diese als dringliche oder Notfälle auf uns nun wieder zukommen werden. Einen Aufstau von nicht behandelten Erkrankungen gibt es und wird es geben.“ Das Klinikum werde künftig größere Kapazitäten benötigen, um den zusätzlichen großen Rückstau an Elektivpatienten zu behandeln. „Dadurch wird es eventuell punktuell zu Wartezeiten kommen.“

In allen Kliniken müssten sich Patientinnen und Patienten auf verstärkte Hygienemaßnahmen einstellen, betont Thu Trang Tran. „ Als größtes Krankenhaus in Braunschweig sind wir bei einen größeren Ausbruch von Covid-19 das Haupthaus für die Versorgung dieser Patienten.“ Um die Nicht-Covid-Patienten und das Personal zu schützen, sei die Einhaltung der Hygienemaßnahmen zwingend notwendig.

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Seit dem 20. Mai dürfen Patienten wieder täglich für 30 Minuten einen Besuchskontakt haben. Die Unterstützung durch Angehörige sei wichtig für die Therapie und den Genesungsprozess, bestätigt Tran. Trotzdem appelliert die Krankenhaus-Sprecherin an Besucher und Patienten: Je weniger Besuchskontakte es gebe, desto geringer seien die Infektionsrisiken. Bei nur kurzen Krankenhausaufenthalten könnten Besuche vielleicht vermieden werden. „Denn wir haben die Pandemie noch nicht überstanden.“

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