Masken statt Koffer – Braunschweiger Firma denkt um

Braunschweig.  Torsten Eckolts Firma Case-it stand mit Koffern für Musikinstrumente kurz vor dem Aus. Dann sattelte er auf die Herstellung von Masken um.

Torsten Eckolt (links) und Alexander Süllau reißen sich um die Kunden am Masken-Markt. 300.000 produziert das Unternehmen Mamig am Standort Stöckheim.

Torsten Eckolt (links) und Alexander Süllau reißen sich um die Kunden am Masken-Markt. 300.000 produziert das Unternehmen Mamig am Standort Stöckheim.

Foto: Peter Sierigk

Koffer für Gitarren mit platinfarbener Plüsch-Auskleidung, zwei Laufrollen und drei Handgriffen wollte niemand mehr, als Mitte März die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie auch die Veranstaltungsbranche lahmlegte. Masken aber, die waren Mangelware. Sie kamen vornehmlich aus China, wo laut Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums aus dem Monat April vier Fünftel aller Schutzkleidung weltweit hergestellt wird. Der plötzlichen Nachfrage nach Masken war kaum Herr zu werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verhandelte mit Chinas Staatspräsident Xi, die Lufthansa richtete eine Luftbrücke ein. Und Torsten Eckolt dachte um.

„Ich stand mit meiner Firma Case-it kurz vor dem Aus“, sagt Eckolt. „Ich hatte einen Umsatzeinbruch von 95 Prozent.“ Rund 20 Jahre habe er sich mit individuell gestalteten Koffern für Musikinstrumente eine Nische erobert. „Wir hatten immer zu tun.“ Eine Verbesserung der Lage sei im Frühjahr dann aber nicht in Sicht gewesen. Und so beschloss Eckolt, seine Firma im Stöckheimer Süden mit damals zwei Mitarbeitern umzustrukturieren.

„Der Markt war wie leer gefegt“

Aus der Werkstatt wurde ein Reinraum, den OP-Boden verlegte Eckolt selbst. Auch die Maschine, eine Fertigungslinie für OP-Masken aus dem Ausland baute er selber um, damit sie deutschen Standards entspricht. Alexander Süllau stieg als Gesellschafter mit ein, zwei weitere Mitarbeiter wurden eingestellt. Und das Unternehmen, das unter dem Namen Mamig – eine Abkürzung für „Masken Made in Germany“ – im Juni gegründet wurde, will zwei bis drei weitere Mitarbeiter für die Produktion einstellen.

Seit Oktober sind ihre zweilagigen Masken für den Alltagsgebrauch nach einer europäischen Norm zertifiziert. 300.000 produziert Mamig derzeit im Monat. An die Stoffe zu kommen, sei am Anfang besonders schwierig gewesen. „Der Markt war wie leer gefegt“, sagt Eckolt. Jetzt laufe es stabil. Die Vliese und Gummibänder kommen aus Dresden, die Verpackungen werden in Braunschweig hergestellt und gedruckt.

Masken für den Alltag, nicht den OP

Es ist ein neuer Geschäftszweig, den so einige Unternehmen für dich entdeckt haben, im kleinen und größeren Maßstab. Auf der Internetseite Braunschweigzeigtmaske.de informieren sechs Studenten der TU Braunschweig darüber, wo in Braunschweig Masken erhältlich sind. Darunter sind Unternehmen, die die Masken einfach vertreiben, aber auch Änderungsschneidereien, die Stoffmasken herstellen. Auch Ethrotec aus Stöckheim ist darunter, die dreilagige Schutzmasken aus Stoff mit integriertem Vlies anbietet.

Den Schritt in die Herstellung von medizinischen Masken wollen Eckolt und Süllau nicht gehen. „Da ist der Wettbewerb zu groß. Es gibt genügend große Produzenten, da können wir nicht mithalten“, sagt Süllau. Für ihre zweilagigen Masken haben sie vor allem Kunden aus der Region, 40 Prozent gehe an den Endkunden, 40 Prozent an mittelständische und kleine Unternehmen, der Rest an den Großhandel. Liefern wollen sie in Zukunft deutschlandweit.

„Masken behalten ihre Berechtigung“

Und sie haben weitere Pläne, wollen ihre wiederverwendbaren Masken weiterentwickeln. Derzeit arbeiten sie an einer Maske, die ohne Gummibänder auskommt und beispielsweise beim Friseurbesuch gut verwendet werden kann. Sie funktioniert mit Klebepunkten, auch sie soll wiederverwendet werden können. Und sie schließen derzeit eine Vertriebskooperation mit einem anderen deutschen Hersteller von FFP2- und FFP3-Masken, um ihr Produktportfolio zu erweitern.

Wie es mit Case-it weitergehe, sei ungewiss, sagt Eckolt. Selbst wenn die Veranstaltungsbranche wieder in Schwung komme, Konzerte wieder stattfänden, hätten die Musiker zuerst andere Sorgen, als sich neue Koffer zu kaufen. Masken hingegen, da ist sich Süllau sicher, würden auch in Zukunft Teil unseres Lebens bleiben. „Im öffentlichen Nahverkehr, beim Arztbesuch behalten sie ihre Berechtigung.“

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