Mehr als 2000 Menschen in Braunschweiger Heimen bereits getestet

Braunschweig.  Beim PCR-Flächenscreening sind die großen Pflegeheime geschafft, jetzt folgen die kleineren. Etliche Corona-Fälle wurden festgestellt.

Drei solcher Fünferteams haben die Bewohner des Pflegewohnstifts in ihren Zimmern getestet.

Drei solcher Fünferteams haben die Bewohner des Pflegewohnstifts in ihren Zimmern getestet.

Foto: Stadt Braunschweig/Anke Scholz

Großaufgebote von Feuerwehr und Hilfsorganisationen waren in den vergangenen Tagen vor einigen Braunschweiger Alten- und Pflegeheimen zu sehen. Und so manch einer rätselte, ob dort ein Notfall vorlag. Die gute Nachricht: nein, kein Notfall. Stattdessen war das alles bis ins letzte Detail geplant und aufwendig organisiert. Es handelte sich um das „Corona-Flächen-Screening“: Seit Weihnachten werden bei möglichst allen Bewohnern und Mitarbeitern der Braunschweiger Alten- und Pflegeheime PCR-Tests durchgeführt – auf freiwilliger Basis.

Der Krisenstab hatte sich zu diesem Schritt entschieden, weil es insbesondere im Dezember in mehreren Heimen Infektionsfälle gegeben hatte – teilweise recht viele in einzelnen Einrichtungen. Auch die Zahl der corona-bedingten Todesfälle unter Heimbewohnern war gestiegen. Die Antigen-Schnelltests, die in den Heimen mittlerweile im Einsatz sind, konnten dies nicht verhindern. Sie sind nicht so verlässlich, wie die PCR-Tests und reagieren nur bei einer hohen Virusmenge. Das heißt: Bei Infizierten mit geringer Virusmenge, die in der Regel keine Symptome haben, das Virus aber trotzdem übertragen können, schlagen die Schnelltests nicht an.

Mehr als 40 Infizierte wurden bereits entdeckt

Mit dem einmaligen Flächen-Screening ist die Hoffnung verbunden, bislang verborgene Fälle festzustellen. Auch wenn es sich stets nur um eine Momentaufnahme handelt, so verspricht sich Braunschweigs Sozialdezernentin Christine Arbogast davon dennoch, hier und da Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und stoppen zu können. Mit Erfolg: Bislang wurden in 12 Heimen bereits 2122 Menschen getestet – 45 Infizierte wurden dabei entdeckt.

Bei diesen 12 Heimen handelte es sich um die größten Heime in Braunschweig. Um die Tests dort in einem überschaubaren Zeitraum durchführen zu können, musste jeweils ein Großaufgebot an Helfern anrücken. Am Sonntag war als letztes dieser großen Heime das Pflegewohnstift am Ringgleis (Deutsche Seniorenstift Gesellschaft) im Westlichen Ringgebiet an der Reihe: Rund 150 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 95 Beschäftigte. Der Großteil von ihnen ließ sich zwischen 10 und 15 Uhr testen.

Mehr als 30 ehrenamtliche Helfer

Wie Einsatzleiter Niklas Kühlborn von den Maltesern berichtete, waren 32 ehrenamtliche Einsatzkräfte vor Ort – und außerdem noch 14 weitere Helfer vom Verpflegungszug der Feuerwehr, die fürs Mittagessen sorgten. Schon am Samstagabend habe man im Lagezentrum an der Eisenbütteler Straße vieles für den Einsatz vorbereitet. Um 7.30 Uhr am Sonntagmorgen war dann das Treffen angesagt. Letzte Detailplanung, alles packen, Abfahrt zum Heim – und kurz vor 9 Uhr begann der Aufbau einer Sanitätsstation im Hof des Pflegewohnstifts am Ringgleis. In dieser Station wurden die Beschäftigten getestet.

Die Bewohner hingegen konnten drinnen bleiben. Drei Teams waren im Heim unterwegs und gingen von Zimmer zu Zimmer. Das Wichtigste dabei: Eventuelle Corona-Viren dürfen nicht verschleppt werden. Höchste Sorgfalt bei den Abstrichen ist angesagt. Hinzu kommt die Dokumentation – jede Probe muss der richtigen Person zugeordnet werden.

Niklas Kühlborn spricht mit Blick auf die Tests in den zwölf großen Heimen einerseits von einer Mammutaufgabe mit teils kräftezehrenden Einsätzen für etliche Helfer, zuletzt acht Tage am Stück. Einer der größten Einsätze für die Braunschweiger Malteser überhaupt. Andererseits sei die Aktion ein Erfolg: Mehrere Fälle konnten festgestellt und damit schlimmere Ausbrüche verhindert werden. „Und es war großartig, welche Unterstützung es gegeben hat“, sagt er. So waren zum Beispiel auch Malteser aus Buxtehude, Hildesheim, Göttingen, Celle, Wolfsburg und Magdeburg in Braunschweig mit im Einsatz, außerdem der ABC-Zug und der Verpflegungszug der Feuerwehr sowie Helfer der Ortsfeuerwehr Thune.

Zwei positive Fälle festgestellt

Heimleiter Tim Blechinger findet das Flächen-Screening sehr gut. Es gebe immer eine gewisse Unsicherheit, ob nicht doch jemand das Virus ins Heim hereintrage. „Mit den Schnelltests testen wir einmal pro Woche alle Bewohner und täglich vor Dienstbeginn alle Mitarbeiter“, sagt er. Das ist mehr, als das Land vorschreibt. „Wir wollen einfach so viel Sicherheit wie möglich, auch wenn das eine personelle Herausforderung ist.“ Das PCR-Screening vom Sonntag ist aus seiner Sicht eine sehr gute Ergänzung zu den regulären Schnelltests, weil damit ein noch verlässlicherer Ist-Stand erhoben werde.

Das Ergebnis: Zwei positive Fälle wurden festgestellt. Die Betroffenen haben ihm zufolge keine Symptome und wurden sofort isoliert. „Wir haben daraufhin sofort entschieden, dass wir jetzt in Eigenregie noch PCR-Tests bei allen Mitarbeitern durchführen, die am Sonntag nicht dabei sein konnten“, so Blechinger.

Ende Januar sollen die Tests abgeschlossen sein

Die Koordination des Corona-Flächen-Screenings liegt beim Gesundheitsamt. Die Mitarbeiter halten den ständigen Kontakt zu den Heimen, nehmen die Anmeldungen für die Tests entgegen, melden die Testergebnisse zurück... Wie Fachberaterin Anke Scholz erläutert, haben bislang 28 der 34 Braunschweiger Heime Interesse an den Tests bekundet. Sie war bei den 12 großen Heimen jeweils mit vor Ort und betont: „Ohne die großartige Unterstützung durch die Feuerwehr und die Hilfsorganisationen wären diese Massentests nie möglich gewesen.“

Für die nun anstehenden Tests in den übrigen, etwas kleineren Pflegeheimen ist ein derart großes Aufgebot nicht mehr nötig. Stattdessen werden drei Bundeswehrsoldaten die Heime aufsuchen und die Abstriche durchführen. Sie unterstützen zurzeit das Gesundheitsamt. Anke Scholz geht davon aus, dass die Tests Ende Januar abgeschlossen sein werden. Dann werden auch die mobilen Impfteams schon in vielen Heimen gewesen sein. Seit Silvester laufen die Erstimpfungen. Nach drei Wochen muss eine Zweitimpfung erfolgen, damit ein ausreichender Schutz gegen das Virus aufgebaut wird.

Nach wie vor gilt: Das Impfzentrum in der Stadthalle kann mangels Impfstoff noch nicht öffnen, auch eine Terminvergabe ist noch nicht möglich. Das Land wird darüber informieren, sobald Termine vereinbart werden können. Vor wenigen Tagen hieß es aus dem niedersächsischen Gesundheitsministerium, dass dies voraussichtlich ab dem 28. Januar möglich sein soll. Zunächst könnten sich dann Menschen über 80 impfen lassen.

Die aktuellen Zahlen in Braunschweig

Laut dem Landesgesundheitsamt wurden seit März 2020 insgesamt 2754 Corona-Infektionen in Braunschweig nachgewiesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 93,8. Im Zusammenhang mit Corona sind bislang 52 Menschen gestorben, davon 28 seit Anfang Dezember. Alle bisher Verstorbenen waren im Alter von 54 bis 96 Jahren. In Braunschweigs Krankenhäusern werden zurzeit 59 Corona-Patienten behandelt. Dabei kann es sich auch um Patienten aus der Region handeln.

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