Aufstieg in Braunschweig

Eintracht-Fans feiern friedlich, dann wird’s ruppiger

| Lesedauer: 5 Minuten
Hier ist der Marsch der Eintracht-Fans vom Stadion in die Innenstadt zu sehen - dieses Bild entstand am Bohlweg. Fotografen und Passanten mit Handykameras wurden kurz darauf aufgefordert, keine Bilder zu machen, und sogar tätlich angegriffen.

Hier ist der Marsch der Eintracht-Fans vom Stadion in die Innenstadt zu sehen - dieses Bild entstand am Bohlweg. Fotografen und Passanten mit Handykameras wurden kurz darauf aufgefordert, keine Bilder zu machen, und sogar tätlich angegriffen.

Foto: regios24

Braunschweig.  Friedlich wird in Sportkneipen und Gaststätten gefeiert. Als der Marsch der Fans einzieht, heizt sich die Stimmung auf.

Die Katze ist im Sack, der Aufstieg längst geregelt. Mit diesem Wissen und norddeutscher Gelassenheit verlief der letzte Spieltag der 3. Fußball-Liga mit Braunschweigs Eintracht außerhalb des Stadions – in den Kneipen der Innenstadt wie dem Movie in der Neuen Straße, im Hopfengärtchen am Schild, dem Lindi am Bohlweg oder dem My Way in der Schützenstraße. Nicht anders die Situation etwas weiter außen, in den Stadtteilen, zum Beispiel im Sportheim des FC Wenden.

„Auf die Aahntracht“, hob ein Mann mittleren Alters im Trikot beispielsweise an einem Tisch vor der Gaststätte Hopfengärtchen sein Bier in die Höhe, als der Schiedsrichter ein paar Kilometer weiter nördlich im Stadion abgepfiffen hatte. Hinterher murmelte er noch etwas von „Hanoi“ – dass sich der heimische BTSV im neuen Spieljahr wieder zweimal mit Erzrivale Hannover 96 messen – und womöglich gewinnen – kann, hat für viele eingefleischte Eintracht-Fans womöglich mindestens die gleiche Bedeutung wie der schon am Vorsonntag eingetütete Aufstieg in die 2. Liga. Nur wenn man gegen die Roten spielt, kann man sie auch schlagen – auf dem Rasen, versteht sich.

Marsch der Fans in die Innenstadt – Fotografen werden angegangen

Das Fernsehgerät in der Innenstadt, vor dem der Mann mit seiner ebenfalls in blau und gelb gekleideten Begleiterin saß und beide die zweite Eintracht-Niederlage in Folge locker wegsteckten, zeigte derweil einen mit Fans gefüllten Stadion-Innenraum und gelbe und weiße Rauchschwaden, die durch die Arena an der Hamburger Straße zogen.

In der City dagegen herrschte außerhalb der Sportkneipen am Samstagnachmittag weitgehend normales Einkaufstreiben. Eine Fahrradaktion vor dem Rathaus wurde schon mal abgebaut – Feierabend, bevor gegen 17.30 Uhr ein Marsch der Fans vom Stadion in Richtung Innenstadt angekündigt war. Fans hatten sich das überlegt, um die zunächst angesetzte Feier direkt im Stadion anschließend zünftig und feucht-fröhlich in der Innenstadt fortzusetzen. Mit einem Spruchband im Stadion hatten die Fußball-Anhänger auf der Tribüne die gemeinsame Aktion angekündigt.

Als der „Marsch“ in der Innenstadt Einzug hielt, wurde die Stimmung ruppiger, der Ton rauer. Fotografen und auch Privatpersonen, die Fans mit Handykameras filmen wollten, wurden bedroht und geschubst. „Es wurde versucht, mir die Kamera wegzureißen. Offenbar soll verhindert werden, dass Aufnahmen gemacht werden“, berichtet ein Fotograf.

In Wenden träumt man von Lewandowski – oder Lauberbach

Die während des Spiels in der Innenstadt postierten Polizeibeamten – mehrere Mannschaftswagen standen vor dem Schloss – hatten bis dahin nicht viel zu tun, es war ruhig. Auch die Aufstiegs-T-Shirts der Firma Meyne am Langen Hof fanden zu dieser Uhrzeit, kurz nach Spielschluss, gerade keinen reißenden Absatz. Obwohl der ein oder andere Fan in der City schon so ein Short trug. Oder war es das einer anderen Aufstiegsfeier...?

„Wegen des Heimspiels ist hier viel weniger los als bei Auswärtsspielen der Eintracht“, berichtete derweil Wirt Carsten Kurth im Sportheim des FC Wenden. Dort, wo gern gemeinsam Fußball geschaut wird, konzentrierten sich die Fans auf wenige Tische, plauderten, regten sich auf und ab, genossen Pommes und Bier. „Letzte Woche war hier Rambazamba“, sagte Kurth, erst bei der Übertragung des Meppen-Spiels am Samstag, dann aber auch am Sonntag, weil viele Kaiserslauterns Duell mit Viktoria Köln schauten, das letztendlich durch Lauterns Niederlage die Aaahntracht zum Aufsteiger machte.

Vier Fässer Bier wären danach leer geworden, „ich bin fast durchgedreht“, meinte der Wirt, der aber durchaus vorbereitet war. Oft sind ja die Feste, die spontan „fallen“, die besten. „Unsere 1. Herren hatte auch gespielt und 5:0 gewonnen und damit den Klassenerhalt so gut wie gesichert“, so Kurth, und dann auch noch Eintrachts Aufstieg als Sahnehäubchen – einfach perfekt!

Das 0:1 dann an diesem Sonntag hat niemanden gefreut, aber der Ärger hielt sich in Grenzen. „Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss...“ heißt es ja.

Indes wurde in Wenden scherzhaft über Verstärkungen nachgedacht: „Der Lewandowski will doch weg von den Bayern“, meinte einer, „vielleicht...“. Aber ob der Torschützenkönig des Meisters wirklich zu einem Tabellenzweiten geht? „Dann richtet’s für uns eben Lauberbach in der 2. Liga“, antwortete prompt ein anderer Fan des BTSV Eintracht. Hauptsache einer mit rotem Löwen auf der Brust – und im Herzen!

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