Segways kurvten durch das Einkaufszentrum

Heidberg  Ein Projekt soll Senioren mobiler machen. Die Datenerfassung hat begonnen.

Viele Passanten im Einkaufszentrum schauen irritiert. „Ein seltsames Fahrzeug, mit dem Sie da zum Einsatz fahren“, meint eine ältere Dame zu einem Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe, der auf einem Segway an ihr vorbeirollt. Und in gewisser Weise ist es auch ein Einsatz: einer für Mobilität und Barrierefreiheit.

„Geniaal mobil“ heißt das Kooperationsprojekt, mit dem ein Ziel verfolgt wird: ein altersgerechtes Assistenzsystem zu entwickeln, das die Teilhabe älterer Menschen am öffentlichen Leben erhöht. Ob zu Fuß, mit Bus und Bahn, Taxi oder Begleitservice – die Senioren sollen später über ein Smartphone Informationen zu den verschiedenen Verkehrsträgern abrufen können.

Basis der in das System integrierten Fußgänger- und Nahverkehrsnavigation ist die elektronische Fahrplanauskunft (EFA) der Braunschweiger Verkehrs-AG. Im Laufe des Projektes wird sie um ein barrierefreies Fußgängerrouting ergänzt. Schließlich soll der Gesamtzweck des Projekts erfüllt werden: Ältere Menschen sollen sicher von der Haustür und wieder zurück gelangen.

Aus diesem Grund drehten mehrere Mitarbeiter ihre Runden auf dem Segway durch das Einkaufszentrum. „Wir nehmen Umgebungsdaten wie Rollstuhlrampen oder Sitzbänke im Heidberg auf“, klärte Daniel Helms, Fachbereichsleiter Hausnotruf und Fahrdienste der Johanniter-Unfall-Hilfe fragende Passanten auf. „Diese werden anschießend in ein System eingepflegt.“

Der Heidberg war der erste Stadtteil, in dem die Mitarbeiter auf den zweirädrigen Elektrofahrzeugen unterwegs waren. Schließlich ist der Altersdurchschnitt der dort lebenden Menschen überdurchschnittlich hoch. „Wir wollen uns eine Übersicht über die Fußwege im Heidberg verschaffen und relevante Daten mit einem GPS-Gerät erfassen“, erläuterte Helms, der sich über das Interesse der Passanten freute. Später würden die Daten dann in eine digitale Stadtkarte übertragen und im weiteren Projektfortschritt in die Fahrplanauskunft der Verkehrs-AG integriert.

GENIAAL MOBIL

Projektpartner sind Verkehrs-AG, Johanniter-Unfall-Hilfe, Oecon, TU Braunschweig mit dem Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik und dem Institut für Psychologie sowie das Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum (BITZ).

Unterstützt wird das Projekt seit Februar 2012 bis 2015 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).ht

Ein erster Testlauf des neuen Systems soll bis zum Spätsommer abgeschlossen sein. Für jedermann nutzbar wird es voraussichtlich ab Anfang 2015 sein.

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