Dünger-Geruch verärgert Anwohner in Hülperode

Hülperode.  Seit Februar sind die Bauern wieder auf ihren Äckern unterwegs und düngen. Laut Landwirtschaftskammer müssen Anwohner den Geruch hinnehmen.

Hildegard Fricke (von links), Karlheinz Kubiak, Helga und Joachim Wedderkopf sowie Rocco Scavone wohnen am Grenzweg in Hülperode und fühlen sich von dem Gestank der als Gülle auf den Feldern verteilten Gärreste belästigt.

Hildegard Fricke (von links), Karlheinz Kubiak, Helga und Joachim Wedderkopf sowie Rocco Scavone wohnen am Grenzweg in Hülperode und fühlen sich von dem Gestank der als Gülle auf den Feldern verteilten Gärreste belästigt.

Foto: Daniela König

Helga und Ehemann Joachim Wedderkopf wohnten immer gern in Hülperode in der Gemeinde Schwülper. Seit mehr als 35 Jahren haben sie am Grenzweg ihr Zuhause. Doch vor ein paar Jahren kippte die Stimmung. So schlimm, dass die Hülperoderin sagt: „Unter diesen Voraussetzungen kann ich hier nicht leben!“

Gemeint sei der Gestank, der vom Düngen der Felder her rührt, die den Grenzweg ringsrum umschließen. So sei es auch Anfang Februar wieder kaum auszuhalten gewesen. Dort hat Bauer Torsten Noske Gülle auf die Ackerflächen verteilt, damit der Anbau wichtige Nährstoffe zum Wachsen bekommt.

Dass es beim Düngen mal unangenehm riecht, sei für die beiden völlig klar. So ist es eben auf dem Land. Schon von dem damaligen Bauern waren sie Güllegeruch gewohnt. „Aber dieser Gestank ist unmenschlich. Das heißt: man hält die Luft bis zur nächsten Räumlichkeit an.“ Fenster machen die Wedderkopfs in dieser Zeit gar nicht mehr auf. So sitzen die Senioren lieber im eigenen Essensgeruch. Auch den anderen Anwohnern des Grenzweges gehe es so. „Es roch schon mal wochenlang, weil die Gülle oben auf dem Acker liegen blieb und nicht richtig versickerte“, beklagt Rocco Scavone. Und Hildegard Fricke meint: „Die frisch gewaschene Wäsche riecht wie die Luft, die kann man nach dem Aufhängen sofort neu waschen.“

Sie wollen wissen, ob sie etwas gegen die Geruchsbelästigung tun können. Oder ob es heißt: Nase zu und durch? Zum jetzigen Zeitpunkt könne man jedenfalls wieder durchatmen, seit Ende vergangener Woche sei der Geruch verflogen.

Landwirt Torsten Noske kann die Aufregung überhaupt nicht nachvollziehen. Der Rothemühler verwendet zum Düngen seiner Felder in Peine, Braunschweig und Gifhorn, auf denen er unter anderem Mais, Zuckerrüben und Gerste anbaut, Gärreste aus einer Biogasanlage. Vor zwei Jahren hat er diese Methode weiter intensiviert. „Ich will gar nicht abstreiten, dass Gärreste stinken. Aber dass das wochenlang so ist, das stimmt nicht. Dann würde es ja jetzt immer noch riechen.“ Der zeitweise Geruch lasse sich eben nicht vermeiden, die Beschwerde darüber von den Anwohnern, die in unmittelbarer Nähe zum Klärwerk und der Mülldeponie in Braunschweig lebten, halte er für überzogen.

Dass er Gärreste verwendet, die per se strenger riechen als Mineraldünger, habe viele Gründe. Zum einen ist da der finanzielle Aspekt. Vor dem Hintergrund, dass die Verbraucherpreise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse so niedrig sind, verdienen Bauern kaum noch etwas an ihrer Arbeit. Viele Landwirte müssen gar um ihre Existenz bangen. Also wird geschaut, wo es Einsparpotenzial gibt. Gärreste seien im Vergleich zu anderen Düngemitteln extrem günstig, „Ich habe dadurch kaum Düngemittelkosten“, sagt Noske. Gleichzeitig handelt es sich um Naturdünger. „Alle thematisieren doch im Moment den Umweltschutz!“ Auf künstlichen Dünger könne er fast komplett verzichten.

Noske ist es Leid, dass Bauern ständig als Buhmänner hingestellt werden. Durch die neue Düngeverordnung hätten die Landwirte extrem viele Auflagen einzuhalten. „Was wir für einen Aufwand haben, das wissen die Leute gar nicht!“

Laut Christian Nortmann, der als stellvertretender Büroleiter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für Fragen rund um die Düngeverordnung und das Düngegesetz zuständig ist, erklärt zunächst Grundsätzliches: Demnach dürfen Bauern grundsätzlich zwischen dem 1. Oktober und dem 31. Januar des Folgejahres auf Ackerland nicht düngen. Folglich sind seit Anfang Februar die Landwirte auf den Feldern unterwegs und leeren ihre Güllelager. „Jetzt brauchen die Früchte die Nährstoffe auch zum Wachsen.“

Verteilt werden darf Gülle als Düngemittel nicht, wenn das Feld schneebedeckt, dauerhaft gefroren oder zu nass ist und sich schon Pfützen bilden. „Dann ist der Acker aber ohnehin für die Bauern nicht befahrbar“, so Nortmann.

Eine Handhabe gegen lästigen Gestank hat die Landwirtschaftskammer aber nicht, Vorschriften oder Abstandsregeln gibt es in der Düngeverordnung dazu nämlich nicht. „Als Anwohner in dörflicher Lage muss man dies hinnehmen, solange sich die Landwirte an die gesetzlichen Spielregeln halten“, bringt es Nortmann auf den Punkt. Ihm zufolge lässt sich die Geruchsintensität aber schon durch bodennahes Ausbringen von Gülle reduzieren. Weil die neue Düngeverordnung das seit diesem Jahr auch so vorsieht, haben einige Landwirte in entsprechende Technik investiert – aber nur für Ackerflächen, noch nicht für Grünland wie Wiesen und Weiden. Dass vermehrt Gülle ausgebracht wird, liege daran, dass die Bauern in den Ackerbauregionen Südniedersachsens häufiger Mineraldünger durch Gülle oder Gärreste aus Biogasanlagen ersetzen.

Die Landwirtschaftskammer könne nur eingreifen, wenn die Bauern beim Düngen gegen die Vorschriften der Verordnung verstoßen. Bedeutet: wenn mehr Dünger verteilt wird als die Pflanzen zum Wachsen brauchen oder beispielsweise Abstände zu Gewässern nicht eingehalten werden. Prinzipiell gilt: Die Landwirtschaftskammer führt auf Eigeninitiative stichprobenartige Kontrollen bei Betrieben durch und geht zudem konkreten Hinweisen auf Verstöße nach.

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