Ortsrat Gamsen verkleinert Ambulantes Zentrum

Gamsen.  Die Politik gibt das Leitbild Mobilität frei trotz Bedenken: Woher kommen all die radelnden Studenten?

Seit der Projektvorstellung des Ambulanten Hauses Gamsen mit Kindergarten, Alten-Tagespflege, Pflege-Wohngemeinschaft und Senioren-Servicewohnungen im November 2019 mussten die Investoren Katrin und Heiko Mennenga den Bauentwurf auf Drängen des Ortsrates noch einmal stark überarbeiten.

Seit der Projektvorstellung des Ambulanten Hauses Gamsen mit Kindergarten, Alten-Tagespflege, Pflege-Wohngemeinschaft und Senioren-Servicewohnungen im November 2019 mussten die Investoren Katrin und Heiko Mennenga den Bauentwurf auf Drängen des Ortsrates noch einmal stark überarbeiten.

Foto: Christian Franz

Das Ambulante Zentrum Gamsen auf dem alten Volksbank-Grundstück an der Hamburger Straße kann gebaut werden. Der Ortsrat gab am Dienstag im zweiten Anlauf grünes Licht für das Millionenprojekt der Investoren Katrin und Heiko Mennenga, die an dem Standort Kindergarten, Altenpflege, Senioren-Servicewohnen und eine Pflege-Wohngemeinschaft bündeln wollen.

Allerdings musste das Vorhaben auf Drängen der Politik seit November 2019 noch einmal kräftig überarbeitet werden, damit es annähernd ins Dorfbild passt. Aus dem geplanten Flachdach wurde ein Satteldach, statt sieben gibt es fünf Seniorenwohnungen. Das 1200-Quadratmeter-Objekt würde die Kriterien der gleichfalls beschlossenen örtlichen Bauvorschrift erfüllen, die Gamsen dörflichen Charakter halbwegs für die Zukunft sichern soll.

Wie kommen die Bauern zu den Äckern?

Gar nicht durchsetzen konnte sich der Ortsrat mit seine Bedenken, das verkehrsträchtige Zentrum stehe Landwirten auf dem einzig verbliebenen Weg zu den Feldern in der Iseaue im Weg. Da brauche es eben gegenseitige Rücksichtnahme, beharrte die Stadtverwaltung. In engen Kurven müssten Bauern mit ihren Feldmaschinen auch mal auf die Gegenfahrbahn ausweichen.

Die besagte örtliche Bauvorschrift war ebenfalls der zweite Anlauf. Die neue Version nimmt Bauern von der Gestaltungsvorgaben für Dächer bei Wirtschaftsgebäuden aus, um „Härten“ zu vermeiden. Dabei ist das Ziel der Bauvorschrift gerade, die von alten landwirtschaftlichen Hofstellen geprägten Ortskerne von Gamsen und Kästorf zu schützen. Deswegen pochte der Ortsrat darauf, zumindest für Gebäudewände industrielle Bauweisen auszuschließen. „Wir wollen keine Wellblechscheunen. Wenn schon, dann machen wir es jetzt richtig“, sagte CDU-Ratsherr Mario Coling. Ortsbürgermeister Dirk Reuß schloss sich an: „Wir wollen nicht überregulieren. Aber andere Gemeinden schreiben Fachwerk und Klinkerfarben vor.“ Gamsen lässt nun Fassengestaltung aus Klinker, Putz und Holz zu.

Verkehrsplaner sehen Gifhorn als Hochschulstandort

Das Leitbild Mobilität billigte der Ortsrat im zweiten Anlauf ebenfalls. In der ersten Beratung hatte der Verkehrsentwicklungsplan speziell mit der im Rathaus bevorzugten „Klimaschutzvariante“ harsche Kritik auf sich gezogen, die gezielt Verkehr aus der Innenstadt verdrängen soll. Stadtplanerin Meike Klesen sicherte den Gamsenern daher zu, sie bei jedem Einzelprojekt bis 2030 erneut zu fragen. Vorbehalte blieben, weil das Konzept aus Sicht des Ortsrates in weiten Teilen an der Realität vorbeigeht. Ratsherr Coling deckte auf, dass die Planer Gifhorn als „Hochschulstandort“ sehen, wo Studenten bevorzugt mit dem Rad unterwegs seien, was die Zweiradquote der Planungsannahmen um zehn Prozent erhöht: „Diese Ansätze sind geschönt, das ist unrealistisch.“ Andreas Katsch-Herke (Unabhängige) kritisierte fehlende Vorschläge für den Verkehr in den wachsenden Dörfern, wo die eigentlichen Probleme lägen: „Wachstum wird in den Ortsteilen stattfinden. Gamsen muss den Verkehr aus Wilsche und Kästorf schlucken. Wie sieht das in zehn Jahren aus?“

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