So kann Gifhorns Landwirtschaft Wasser sparen

Wasbüttel.  Wasser ist knapp – die landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft Gaus-Lütje testet alternative Beregnungsanlagen und Ideen gegen Trockenheit.

Ernst Lütje, Landwirt aus Wasbüttel, experimentiert in der Betriebsgemeinschaft Gaus-Lütje mit verschiedenen Beregnungsmöglichkeiten auf den Feldern.

Ernst Lütje, Landwirt aus Wasbüttel, experimentiert in der Betriebsgemeinschaft Gaus-Lütje mit verschiedenen Beregnungsmöglichkeiten auf den Feldern.

Foto: Reiner Silberstein

Schon wieder ein trockener Sommer, und sicher nicht der letzte. Landwirte wie Ernst Lütje aus Wasbüttel stehen fast täglich vor der schwierigen Entscheidung: Teuer beregnen oder weiter auf Regen hoffen? Erst recht, wenn die Kontingente aus Brunnen und Elbe-Seiten-Kanal beschränkt sind. Deshalb testen er und seine Partner Jochen Gaus und Ulrich Behrens Alternative Anlagen.

Die Betriebsgemeinschaft Gaus-Lütje hat verschiedene Getreidesorten auf den Feldern stehen, Zuckerrüben, Raps und Zwiebeln. Vor allem aber Kartoffeln, auf die sie sich spezialisiert hat. „Und diese Frucht kann am schlechtesten mit Wassernot umgehen“, sagt Lütje. Hat die Kartoffel zuwenig, bleibt sie nicht nur zu klein, sondern lässt auch in der Qualität nach. „Wir fangen früh an zu beregnen, um die Schorfbildung zu vermeiden.“

Dafür stehen dem Beregnungsverband traditionell Anlagen mit Weitwurfdüsen zur Verfügung, die automatisch über das Feld gezogen werden. Nachteil: Große Mengen Wasser verdunsten bei Hitze schon in der Luft, bevor sie den Boden erreichen. Das ist nicht nur teuer, weil jeder Kubikmeter, den die Gemeinschaft aus der Erde oder aus dem Kanal pumpt, bezahlt werden muss: „Wir verbrauchen jetzt schon das Wasser der kommenden Jahre.“ Denn die Kontingente habe der Landkreis für zehn Jahre festgelegt, und zwar nach den Verbrauchswerten aus den 80er Jahren. Kommen weitere trockene Jahre, sind die Kontingente weit vor der Zehnjahresfrist erschöpft. „Und dann?“, fragt sich Lütje selbst.

Also lieber Wasser sparen. Oder: „Effektiver einsetzen“, wie es der Wasbütteler nennt. Seit Juli sei in Martinsbüttel ein stationärer Kreisregner im Einsatz, wie man ihn von Feldern in den USA kennt. Dabei werden die Pflanzen aus gerade mal 1,50 Metern Höhe berieselt. Die gleiche Technik wendet der mobile, 45 Meter breite Regnerwagen von Gaus-Lütje an, der zurzeit auf einem Feld Richtung Wasbüttel steht und wie die Sprenkler von einer Schlauchtrommel gezogen wird. „Den verwenden wir hauptsächlich fürs Gemüse wie Zwiebeln.“ Die größeren Tropfen kämen diesen Pflanzen entgegen. „Außerdem ist er weniger Windanfällig und braucht weniger Wasserdruck“ – also weniger Energie.

Doch das Gerät hat seine Schattenseiten: „Es macht doppelte Arbeit und bereitet uns mehr Stress.“ Beim Umzug muss es zusammen-, auseinandergeklappt und zusätzlich zur Trommel transportiert werden. Deshalb gibt es bei Ohnhorst noch einen weiteren Test auf dem Feld mit den Süßkartoffeln: Tropfschläuche lassen das Wasser direkt in den Boden träufeln – „das haben wir uns von den Spargelfeldern des Eickenhofs abgeschaut“, so Lütje. Bei dem Verfahren aus Israel verdunste am wenigsten – Lütje schätzt nach ersten Versuchen eine Wasserersparnis von 20 bis 30 Prozent.

Aber auch hier gibt es nicht nur Positives zu berichten: „Es ist relativ viel Arbeit, das System aufzubauen und zu betreiben.“ Denn für die Ernte müssen alle Schläuche wieder abgeräumt und auf Leckagen überprüft werden: „Wir haben gemerkt, dass einige Krähen sie gern mal anpicken.“ Außerdem sei das Wasser im Beregnungsverband Meine recht eisenhaltig – „das setzt die Membranen schnell zu“.

Damit sind die Sparmöglichkeiten aber noch nicht erschöpft. So versucht die Betriebsgemeinschaft schon seit jeher, möglichst nachts zu beregnen – je kühler es ist, desto weniger verdunstet. Nur schaffen die Beregnungsanlagen bei Weitem nicht alle Flächen nur nachts. Daher hat Gaus-Lütje bei Wasbüttel schon vor Jahren größere Leitungen legen lassen, um in kürzerer Zeit mehr Fläche beregnen zu können.

Vor allem komme es laut Ernst Lütje aber auf das Timing und genaue Wetterprognosen an: In Wasbüttel könne man nun länger abwarten, ob nicht doch noch ein Regenschauer kommt. Denn doppelt – also Beregnung plus Schauer – hält in diesem Fall nicht besser: „Zu viel Wasser wäscht die Nährstoffe aus dem Boden heraus.“

Es kommt also auf die richtige Beregnungsmenge an: Zusammen mit Beratern hat Gaus-Lütje eine Wetterstation in Ohnhorst und an verschiedenen Punkten Messsonden im Boden installiert. „Die messen den Wassergehalt in verschiedenen Tiefen“ – Ernst Lütje kann die Werte bequem zuhause am PC abrufen.

Die Zeiten der Bauernweisheiten in Sachen Wetter sind wohl vorbei. Dennoch warnt Lütje vor zu viel Technikgläubigkeit und setzt ebenfalls auf Erfahrung: „Wir graben auch noch mit dem Spaten und schauen, wie die Wurzeln wachsen.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder