Die Stein-Schule ist auf gutem Wege

„Wer etwas vermeiden will, sucht Gründe. Wer etwas erreichen will, sucht Wege.“

Ob Preußens Gloria, Yorkscher Marsch oder das Niedersachsenlied – nach zwei Tagen Gifhorner Schützenfest klingt die Marschmusik tief in meinen Ohren. Kennen Sie das, wenn Sie beginnen, eine Melodie vor sich hin zu summen oder zu pfeifen oder zu singen, die Ihnen nicht mehr aus dem Kopf geht? Meine Frau hat mich Freitagabend schräg gemustert, als ich auf Youtube mal kurz den „Dessauer Marsch“ angespielt habe. Tja, es muss der Schützenfestvirus sein, der mich seit Donnerstagmorgen nicht mehr los lässt. Da sind selbst Journalisten offensichtlich nicht ganz immun. Dem Rundschau-Team jedenfalls macht es großen Spaß, über das Gifhorner Schützenfest zu berichten – mit Texten und Bildern und auf www.gifhorner-rundschau.de mit Bildergalerien und Videoclips. Und bei aller Distanz, die Journalisten von Berufs wegen stets wahren, das Gifhorner Schützenfest ist schon etwas Besonders. Wer es noch nicht erlebt hat, dem sei der Bunte Umzug am Sonntag empfohlen, der bekanntermaßen besonders ausgelassen und stimmungsvoll ist.

Weniger euphorisch war in dieser Woche die Stimmung an der Gifhorner Freiherr-vom-Stein-Schule. Dort hatten sich bei einer Sportveranstaltung sieben Schüler eine üble Schlägerei geliefert. Schlimm genug. Sie werden die Konsequenzen tragen müssen, so wie es schon bei Prügeleien zu meiner Schulzeit war. Richtig ätzend aber waren die Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Ein Satz wie „Schade das so etwas passiert, aber kommt leider nicht unerwartet“ lässt sich zunächst, ungeachtet der Mängel in Zeichensetzung und Rechtschreibung, vielleicht noch als mitfühlend interpretieren, doch wenn als Autor dahinter ein AfD-Kreistagsabgeordneter und Mitglied im Rat der Stadt Gifhorn steht, dann bekommt er durchaus eine andere Bedeutung. Dann kann er leicht als voller Häme und Verachtung verstanden werden. Ganz und gar unterirdisch wird die Diskussion, wenn ihm dann ein Parteimitglied zur Seite springt mit Sätzen wie „Warum glauben Sie eigentlich, dass Sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben? Weil Ihnen und Ihrer Links-Grünen Ideologie von fast allen Medien und den Altparteien der Arsch gepudert wird?“ Ehrlich gesagt, wir haben gar keinen Puder in der Redaktion. Brauchen wir auch nicht. Wir schreiben und berichten. Beispielsweise in dieser Ausgabe über die Reaktion des Schulleiters der Stein-Schule. Detlef Eichner hat auf der Entlassungsfeier Klartext gesprochen. Er hat all jenen die rote Karte gezeigt, deren Äußerungen von Hass und Hetze geprägt waren. Vor allem aber hat Eichner deutlich gemacht, dass es nicht um 7, sondern um 700 Schüler und deren Zukunft geht. Und die große Mehrheit arbeitet erfolgreich an einer positiven Zukunft. Das zeigen allein die Leistungen des Entlassungsjahrgangs. Den besten Beitrag dieser Entlassungsfeier lieferten die Schülersprecher Fatime Shala und Tim Fait: „Wer etwas vermeiden will, sucht Gründe. Wer etwas erreichen will, sucht Wege.“ Die Stein-Schule jedenfalls ist auf gutem Wege!

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder