Ekis bringt urbane Kultur aufs Land

Jerxheim.  Junge Kreative aus dem Helmstedter Südkreis räumen auf mit dem Voruteil, im ländlichen Raum sei nichts los.

Das ekis-Team sprüht vor kreativer Energier, hier bei der Organisation des „Turm und Drang“-Festivals am Heeseberg.

Das ekis-Team sprüht vor kreativer Energier, hier bei der Organisation des „Turm und Drang“-Festivals am Heeseberg.

Foto: privat/ekis

Als Single heißt er „ekis e.V.“, als Langspielplatte „Verein zur Erhaltung alternativer Kultur in und um Schöningen“. Was anfänglich etwas sperrig, sogar etwas bieder klingen mag, hat beim Hineinhören einen ähnlichen Effekt wie Haydns Symphonie „Surprise“. Wobei es bei ekis nicht ein Paukenschlag, sondern die Vielfalt an innovativen Kulturkonzepten ist, die begeistert.

Mittlerweile ist die Liste der von den jungen Kreativen initiierten Kulturformate lang und sie führt manches auf, was in Metropolen angesagt ist. Wobei es den jungen Kulturschaffenden, die aus dem Raum Schöningen stammen, in ihrer Herangehensweise vor allem um Dörfer der als verschlafen geltenden Südkreis-Region geht, die mit zeitgenössischen Mitteln neu in Szene gesetzt werden. Das Event als Mittel zum Zweck. Musikfestivals auf dem Heeseberg, Poetry-Slam Führungen durch den Elm oder Performancekunst im Elmhaus: ekis denkt den ländlichen Raum neu und bringt so den Kreativtourismus auf den Weg.

Ideen für die etwas anderen Kulturformate bringen die Mitglieder häufig aus ihrem beruflichen Umfeld mit. Viele sind in der kreativen Szene unterwegs. Philipp Hecht zum Beispiel, Vorstandsmitglied des Vereins. Entsprechend stark ist ekis mit anderen Kulturschaffenden oder Künstlern vernetzt. Doch auch andere Berufssparten sind bei ekis vertreten und greifen mit ihrem jeweiligen Know-How wie gut geölte Zahnräder ineinander.

Ein weiterer Vorteil bei der Projektumsetzung dürfte die Heimatverbundenheit sein. Viele ekis-Leute kennen sich seit Kindheitstagen, sind auf dem Lande groß geworden und mit den örtlichen Strukturen bestens vertraut. Man könne sich aufeinander verlassen, weiß Timothy Reeve, Vorsitzender von ekis. Ohne diese Vernetzung und ohne das Miteinander der Menschen vor Ort hätte ekis Formate wie das „Turm und Drang-Festival“ oder den „Lichtspiel-Acker“ nicht realisieren können, ergänzt Tanja Reeve. „Es geht nur, wenn die Gemeinschaft an einem Strang zieht“, weiß die Söllingerin, die davon überzeugt ist, dass es dem ländlichen Raum weder an Ideen noch an Machern, geschweige denn an Platz mangelt.

Ekis schafft Synergien – mit den hiesigen Vereinen oder mit anderen Kulturschaffenden wie der Fux-Stiftung oder dem Jugendcafé Pferdestall in Helmstedt. Was jetzt noch fehle, seien Orte, wo Menschen zusammenkommen könnten, um Projekte zu erdenken, zu entwickeln und auszuprobieren. Labor- oder Open-Space-Orte, wo sich jeder frei entfalten könne.

An diesem Punkt setzt eine neue Idee des Vereins an, verrät Timothy Reeve. „Ziel ist es, leerstehende Gebäude oder Räume in Werkstätten, Ateliers oder Büroflächen zu verwandeln.“ Orte, wo junge Bands ungestört proben oder der Opa mit dem Enkel an technischen Geräten tüfteln könne. Leerstandmanagement kreativ gedacht. Mit der Herrichtung einer Scheune auf dem Hof der Familie Reeve hat ekis damit begonnen, diese Vision in Eigenregie umzusetzen. Man sei sich jedoch bewusst, dass der Erfolg eines solchen Vorhabens von vielen Faktoren abhänge, „unter anderem von der Finanzierung“. Doch mit dem nötigen Engagement und der Unterstützung der Gemeinschaft werde man Fortschritte erzielen, ist Reeve überzeugt.

Bliebe am Ende nur die Frage, was „ekis“ bedeutet? Tatsächlich handelt es sich um die Abkürzung der allerersten Veranstaltung des Vereins. Im Wortlaut spricht sie das aus, was der Verein mit seinen Veranstaltungen schaffen will: „Es Kracht Im Schacht.“ Wir dürfen gespannt sein auf das kulturelle Experiment im ländlichen Raum.

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