So hilft das APZ in Königslutter bei Essstörungen

Königslutter.  Das Awo-Psychiatriezentrum in Königslutter hat ihr neues Konzept für Patienten mit Essstörungen präsentiert. Das Team ist speziell geschult.

Helfen im APZ in Königslutter Patienten mit Essstörungen (von links): Dr. Elena Pannenborg, Chefarzt Dr. Michael Winkler und Marie-Caroline Hammerer.

Helfen im APZ in Königslutter Patienten mit Essstörungen (von links): Dr. Elena Pannenborg, Chefarzt Dr. Michael Winkler und Marie-Caroline Hammerer.

Foto: Privat

Nach gut sechs Monaten Vorbereitungszeit hat die Klinik für Psychosomatische Medizin (PSM) des Awo-Psychiatriezentrums Königslutter (APZ) ihr neues Konzept für Patienten mit Essstörungen vorgestellt. Ab sofort halte die Klinik von den 61 Betten vorerst sechs, langfristig zwölf Betten für betroffene Patienten vor, wie es in einer Mitteilung der Klinik heißt. „Schon seit Eröffnung der Klinik 2011 behandeln wir immer wieder auch Patienten mit Essstörungen psychotherapeutisch“, wird PSM-Chefarzt Dr. Michael Winkler in der Mitteilung zitiert. „Doch wir haben gemerkt, dass dies für die Patienten nicht reicht, sie brauchen mehr Kontakte, andere Themen müssen besprochen werden, wie zum Beispiel das Gewicht und der Umgang damit.“ Jeder Fall wurde individuell betrachtet. „Aber jetzt werden wir mehr konzeptionell arbeiten“, ergänzt Dr. Winkler.

Die leitende Oberärztin der Klinik, Marie-Caroline Hammerer, erklärt: „Das neue Konzept umfasst drei wesentliche Bausteine: die Einzel- und Gruppenpsychotherapie sowie die Körpertherapie. Die spezielle Einzel- und Gruppentherapie für Patienten mit Essstörungen führen wir mit den Betroffenen direkt nach den Mahlzeiten. In den für sie schwierigen Phasen besprechen wir, wie es ihnen geht, welche Ängste sie haben.“

Auch die Körpertherapie wurde im Konzept verankert. „Das eigene Körperbild sowie Bewegung spielen bei unseren Patienten eine besondere Rolle“, erklärt Hammerer. Zum Angebot gehören Entspannungsübungen, Physio- und Kunsttherapie, aber auch Atemtherapie. Auch die Psychoedukation ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. „Dabei vermitteln wir unseren Patienten Störungswissen“, erklärt Psychologin Dr. Elena Pannenborg. „Wir vermitteln Wissen über ihre Erkrankung: Wo kommt das her? Wie gehe ich zum Beispiel mit sogenannten Essanfällen um?“

Zusätzlich gibt es ein ernährungsspezifisches Angebot. „Dabei geht es unter anderem darum, wie bereite ich meine Mahlzeiten zu, was benötige ich dazu, was und wie esse ich“, so Hammerer weiter. Langfristig wird in der Klinik noch eine Lehrküche für die Patienten eingerichtet, bisher finde das Kochtraining in der Patientenküche statt.

Auf ihrem Weg werden die Patienten von einem multiprofessionellen Team unterstützt und betreut. Dieses besteht aus Internisten, psychotherapeutischen Fachärzten, psychologischen Psychotherapeuten, Sozialarbeitern, Diätassistenten sowie aus einem in Essstörungen geschulten Pflegeteam. Patienten profitieren zudem davon, dass die PSM-Klinik ein Akutkrankenhaus ist, „das bedeutet, dass wir auch kurzfristig, ohne größeren bürokratischen Aufwand, Patienten aufnehmen können“, hebt Dr. Winkler hervor.

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