Flüssiggas-Tankstelle entsteht auf dem Autohof Wendhausen

Wendhausen.  Ab Mitte August kann auf dem Autohof Wendhausen LNG getankt werden. Es ist die erste Tankstelle dieser Art in Niedersachsen.

Auf dem Wendhausener Autohof baut die Shell AG die erste öffentliche Tankstelle für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Niedersachsen. Autohof-Leiterin Sabrina Liebig präsentiert das Projekt.

Auf dem Wendhausener Autohof baut die Shell AG die erste öffentliche Tankstelle für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Niedersachsen. Autohof-Leiterin Sabrina Liebig präsentiert das Projekt.

Foto: Dirk Fochler / regios24

Auf dem Wendhausener Autohof baut die Shell AG derzeit die erste öffentliche Lkw-Tankstelle für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Niedersachsen. Wir waren am Donnerstag vor Ort und ließen uns das Projekt vom Autohof-Betreiber sowie der Shell AG erläutern.

An drei Tankplätzen können ab Mitte August Lkw mit LNG – Liquefied Natural Gas – betankt werden. Verflüssigt wird das Erdgas, in der Regel Methan, durch das Abkühlen auf Minus 162 Grad Celsius. In diesem Zustand wird das Gas auch transportiert. Wird es als Brennstoff zum Antrieb eines Lkw benutzt, wird das LNG dann regasifiziert. „Die gesamte Liefer-, Lager und Nutzungstechnik ist erprobt und im Ausland schon länger erfolgreich im Einsatz“, berichtete Autohof-Leiterin Sabrina Liebig, Mitgesellschafterin der gleichnamigen GmbH, die unter anderem den Autohof in Wendhausen betreibt.

Doch EU-weit sind derzeit nur 4000 von gut zwei Millionen schweren Lastwagen mit LNG-Antrieb unterwegs. Was veranlasst also die Shell AG, in Wendhausen auf dem Autohof rund 1,5 Millionen Euro in die neue LNG-Tankanlage zu investieren? „Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Lkw mit LNG-Antrieb innerhalb der EU bis zum Jahr 2040 auf knapp 500.000 steigen wird. Somit hat LNG ein großes Marktpotenzial. Ganz klar: wir erhoffen uns wirtschaftliche Vorteile", erklärte Katrin Satizabal aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Shell AG.

Die bisher erste und einzige öffentliche LNG-Tankstelle betreibt die Shell AG in Hamburg – und nun also Wendhausen. „Wir liegen direkt an einer der wichtigsten Routen in Europa, die A2 verbindet Ost- und Mitteleuropa. Außerdem haben wir hier auf dem Gelände ausreichend Platz für solch eine Anlage", erläuterte Martin Hermann, Geschäftsführer der Liebig GmbH.

Wachstumspotenzial hat der LNG-Markt nach Auffassung des Autohof-Betreibers und der Shell AG auch deshalb, weil die Technik umweltschonender als herkömmliche Diesel-Antriebstechnik sein soll. „Lkw mit LNG-Antriebstechnik stoßen bis zu 20 Prozent weniger Kohlendioxid, bis zu 90 Prozent weniger sonstige Feinstaubpartikel aus und haben deutlich verminderte Motorengeräusche als Diesel-Lkw“, informierte Shell-Mitarbeiterin Katrin Satizabal.

Zudem verspüren nach Beobachtung der Shell AG immer mehr Transportunternehmen Druck von Auftraggebern und auch seitens der Endverbraucher bezüglich der Reduzierung von Treibhausgasemissionen, Luftschadstoffen und Lärmemissionen. „Auch deshalb wird der LNG-Markt wachsen. Außerdem sorgen staatliche Förderungen bei der Anschaffung und die Mautbefreiung von Lkw mit LNG-Technik für die Wirtschaftlichkeit, die die Technik auch für Spediteure interessant macht“, bekräftigte Katrin Satizabal.

In Belgien und den Niederlanden betreibt die Shell AG acht LNG-Tankstellen, in Polen sollen auch entsprechende Anlagen gebaut werden. In Deutschland sind derzeit zwei Anlagen in Nordrhein-Westfalen und eine in Thüringen geplant.

Umweltorganisationen wie der Nabu sehen das Vorantreiben und die staatliche Förderung der LNG-Technik hingegen in Teilen kritisch. Wird das Erdgas mittels der Fracking-Methode gewonnen, sehen Umweltverbände wegen des dabei vorkommenden „Methanschlupfs“, also eines unkontrollierten Austritts von kleineren Teilmengen des als überaus schädlich geltenden Treibhausgases, für die Nutzung von LNG mehr Nach- als Vorteile.

Zur Klarstellung: Bei der von der Shell AG in ihren LNG-Tankstellen eingesetzten Technik gibt es nach Informationen des Konzerns keinerlei Methan-Austritt. Das zuvor beschriebene Problem tritt bei der Erdgasförderung mittels Fracking auf.

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