Bisher keine Engpässe in Helmstedter Krankenhaus durch Corona

Helmstedt.  Pflegedirektorin Aline Prasse berichtet von der aktuellen Situation auf den Covid-Stationen. Behandelt werden müssen immer mehr jüngere Patienten.

Intensiv-Behandlung eines Corona-Patienten in einem Krankenhaus des Helios-Konzerns.

Intensiv-Behandlung eines Corona-Patienten in einem Krankenhaus des Helios-Konzerns.

Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken

Keine Treffen mit Freunden oder Familie, von Feiern ganz abgesehen. Keine Reisen, Maskenpflicht auch auf öffentlichen Plätzen – ohne Frage, die Auswirkungen auf uns durch die Corona-Pandemie sind groß. Doch angesichts der auch im Landkreis Helmstedt hohen Infektionszahlen steigt auch die Zahl der Erkrankten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Wie sieht die Situation dort zur Zeit aus?

Aline Prasse ist Pflegedirektorin an der Helios Klinik in Helmstedt und zeichnet im Video-Gespräch mit unserer Zeitung am Freitag zunächst ein gutes Bild. „Für unseren Landkreis sind wir ganz gut aufgestellt “, betont sie hinsichtlich der vorhandenen Kapazitäten. Zwei Covid-19-Stationen hat das Krankenhaus eingerichtet. Eine mit 14 Betten, wo Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen behandelt werden, und eine Intensivstation für maximal zwölf Patienten.

Anfang der Woche wurde es eng

Die gute Nachricht: Derzeit gebe es keine Patienten, die beatmet werden müssten. „Wir haben nur einen Patienten am High-Flow-Gerät “, führte sie aus. Das bedeutet, zur Atemunterstützung bekommt er über die Nase ein hochkonzentriertes Sauerstoff-Gasgemisch. Beide Stationen sind derzeit nicht ausgelastet, obwohl es anfangs der Woche kurzzeitig anders aussah.

Auf der Covid-19-Station waren auf einmal zwölf bis dreizehn Betten belegt . „Das war so eine Situation, wo ich dachte, es wird eng “, berichtet Aline Prasse. Doch die Situation habe sich wieder entspannt, weil Patienten auch wieder entlassen werden konnten. Das geschehe erst nach dem dritten corona-negativen Abstrich , machte sie weiter deutlich. Die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen seien insgesamt sehr streng, das gelte natürlich vor allem für die Covid-Stationen.

Bisher ein Todesfall im Krankenhaus

Diese seien gut abgeschottet, so dass keine Vermischung mit den anderen Stationen stattfinden kann. Auch dafür ist die Bettenzahl des Akutkrankenhauses mit Beginn der Pandemie von eigentlich 300 auf etwa 240 heruntergesetzt worden. Außerdem greife das für das Haus entwickelte Hygienekonzept gut. „Wir sind gut vorbereitet, wir haben genug Ausrüstung, genug Personal , aber Respekt vor dem, was möglicherweise noch kommen kann“, stellt die Pflegedirektorin heraus.

Einen von bisher insgesamt zwei Todesfällen im Landkreis während der ersten Welle im Frühjahr hatte das Helmstedter Krankenhaus zu verzeichnen. Eine schwere Situation. Prasse wertet es als großen Erfolg für die Covid-Stationen, dass sonst alle Patienten in die Reha oder wieder nach Hause entlassen werden konnten. Auch wenn sich die Lage seit dem Frühjahr verändert habe.

Keine personellen Engpässe

Die Altersgrenze der behandlungsbedürftigen Patienten habe sich nach unten verschoben. Während der ersten Welle seien vorwiegend ältere Menschen ins Krankenhaus gekommen, jetzt würden sie immer jünger . Das habe auch emotionale Auswirkungen auf das Personal , denn die Pflegekräfte bekämen durch die Altersnähe auf einmal das Gefühl, dass schwerere Verläufe auch sie selbst treffen könnten.

Natürlich seien die Pandemie und ihre Folgen Gesprächsthema, und mit den hohen Zahlen sei die Situation auch angespannt , es herrsche ein „ gehöriger Respekt “. Doch Aline Prasse betonte, dass das Personal von Anfang an gut vorbereitet war. Personelle Engpässe , wie sie andere Krankenhäuser in Hotspot-Gebieten schon zu verzeichnen haben, gebe es in Helmstedt nicht. „Ich bin stolz auf die Mitarbeiter, die machen einen tollen Job, das muss man auch mal sagen“, lobt sie. Zumal sie durch das Besuchsverbot vor zusätzliche Herausforderungen gestellt werden.

So bald wie möglich Schnelltests

Bis auf die Palliativ- sowie die Geburtsstation, wo die Väter die werdenden Mütter begleiten dürfen, herrscht strenges Zugangsverbot . „Das ist emotional ganz hart für alle“, macht die Pflegedirektorin deutlich. Für Schwestern und Pfleger auch, weil sie versuchten, das aufzufangen.

Wer im Krankenhaus aufgenommen wird, muss einen Corona-Test machen. Die Ergebnisse kämen relativ schnell. „Wir sind sehr gut mit unserem Labor in Hannover verknüpft“, betont Prasse. Dennoch hoffe sie auf adäquate Schnelltests , das wäre eine mentale Entlastung für die Mitarbeiter, weil die Ergebnisse sofort feststünden. Zu den Aussichten sagte sie: „Wir hoffen, dass wir Ende November welche bekommen.“ Zwei Wünsche äußerten Aline Prasse und Krankenhaus-Sprecherin Lisa Iffland noch zum Abschluss des Gesprächs.

„An die Regeln halten“

Iffland war es wichtig zu betonen, dass Menschen in Notfallsituationen , beispielsweise bei Verdacht auf Schlaganfall oder Herzinfarkt, nicht zögern sollten, in die Notaufnahme zu kommen. Die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus dürfe nicht dazu führen, sich nicht behandeln zu lassen. „Das Krankenhaus ist sicher, alle Maßnahmen greifen“, appellierte sie, Beschwerden nicht zu verschleppen. Und die Pflegedirektorin?

Wenn sich Aline Prasse etwas wünschen könnte, dann wäre es, „dass sich alle einfach nur an die Regeln halten , um Infektionen zu vermeiden: Abstand – Händewaschen – Alltagsmasken . Wer man einmal gesehen hat, welchen Schaden das Coronavirus in der Lunge anrichten kann , würde das nicht in Frage stellen.“

Das Coronavirus in Helmstedt und in der Region

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