Tote in der Weser – Prozess beginnt noch vor Weihnachten

Braunschweig.  Im Fall der getöteten Andrea K. aus Schöningen müssen sich noch 2020 zwei Männer und eine Frau wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Auf einem Friedhof in Helmstedt hat Andrea K. ihre letzte Ruhe gefunden.

Auf einem Friedhof in Helmstedt hat Andrea K. ihre letzte Ruhe gefunden.

Foto: Archivfoto: Katrin Schiebold

Andrea K. starb einen qualvollen Tod. Sie wurde in der Weser ertränkt, ihre Arme waren auf dem Rücken gefesselt, die Füße mit einer schweren Betonplatte beschwert. Ende April fand ein Binnenschiffer ihre Leiche in einem Schleusenkanal bei Balge im Kreis Nienburg. Nun müssen sich die mutmaßlichen Mörder der jungen Frau aus Schöningen noch in diesem Jahr vor Gericht verantworten. Nachdem die Staatsanwaltschaft in Verden am Dienstag Anklage gegen zwei Männer und eine Frau erhoben hatte, soll bereits in der Woche vor Weihnachten der Prozess beginnen. Das bestätigte ein Sprecher des Landgerichts in Verden am Mittwoch auf Anfrage.

Die Vorwürfe gegen die Angeklagten wiegen schwer: Sie sollen die 19-jährige Andrea K. unter anderem zur Prostitution gezwungen, sie eingesperrt und dann – um ihre Taten zu vertuschen – in der Nacht vom 8. auf den 9. April getötet haben. Die zweifache Mutter galt laut Staatsanwaltschaft als psychisch instabil. Recherchen unserer Zeitung ergaben, dass sie eine schwierige Kindheit hatte. Ihre Mutter verließ sie, der Vater starb an Krebs. Am Ende soll Andrea K. auch Drogen genommen haben.

Zunächst war auch gegen zwei weitere Männer, den 21-jährigem Ex-Freund von Andrea K. und einen 26-jährigen mutmaßlichen Komplizen, wegen des Verdachts der Beteiligung an dem Mord ermittelt worden. Doch inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass sie an der Tötung nicht beteiligt waren. Dennoch scheinen sie eine gewichtige Rolle in dem Fall zu spielen: Auch sie sollen Andrea K. zur Prostitution gezwungen beziehungsweise Beihilfe zur Zwangsprostitution geleistet haben. Offensichtlich haben sie die junge Frau anschließend an ihre mutmaßlichen Mörder „weitergereicht“. Sie müssen sich in einem gesonderten Verfahren vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Verden verantworten. Der Prozess soll am 5. Januar beginnen. Der Gerichtssprecher erklärte den kurzen Zeitraum zwischen Anklageerhebung und Prozessauftakt damit, dass in Deutschland in der Regel die Untersuchungshaft nur sechs Monate dauern darf. Drei der Angeklagten sitzen seit Juli in U-Haft.

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