TV-Talk zu Tönnies: Gauck nennt Aussage „zu rassistisch“

Berlin.  Bei „Maischberger“ ging es um Clemens Tönnies und seine Afrika-Aussagen. Eine CDU-Politikerin redete sich dabei um Kopf und Kragen.

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Sandra Maischberger probiert ein neues Format: Statt klassischem Talk zu einem Thema kommen bei „Maischberger“ dieser Tage probeweise die mutmaßlich wichtigsten Themen der vergangenen Wochen auf die Agenda. Am Mittwochabend ging es beispielsweise um die Aussagen von Clemens Tönnies.

Der Schalke-Boss hatte gefordert, in Afrika mehr Kraftwerke zu bauen. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck hatte klare Worte dafür übrig. Und auch, wenn er zuletzt forderte, auch Rechten zuzuhören – Tönnies sei verbal zu weit gegangen.

„Maischberger“: Ex-Schauspieler tritt wegen Tönnies aus CDU aus

Zuerst sprach zum Thema aber jemand anders: Charles M. Huber, der in der Folge der Tönnies-Aussagen aus der CDU ausgetreten war.

„Das ist natürlich rassistisch“, bewertete der frühere Schauspieler („Der Alte“) die Aussage von Tönnies. Der Schalke-Boss zeige, dass er keine Ahnung habe und Vorurteile verbreite. Entscheidend sei dabei, wie Worte bei den Betroffenen ankämen.

Entscheidend war für Huber aber, wie in seiner Partei mit dem Thema umgegangen wurde. „Ich bin in die CDU eingetreten, weil sie ihre Ideologie gewechselt hat“, sagte Huber mit Blick auf die Liberalisierung unter Angela Merkel. Das aber gelte nicht für alle Akteure der Partei.

Simone Baum einzuladen, war ein Fehler

Konkret störte Huber, dass Günter Nooke, CDU-Politiker und streitbarer Afrika-Beauftragter der Bundesregierung, Tönnies beisprang. Die von ihm angesprochenen Probleme seien real, hatte sich Nooke zitieren lassen. Das regte Huber nach eigenem Bekunden auf: Es gehe offensichtlich darum, Wählerstimmen zu holen. „Ich kann mich nicht mehr mit der Partei identifizieren.“

Hubers Ausführungen hätte man gut stehen lassen können. Interessant wäre auch gewesen, was Nooke dazu sagt. Doch der wollte laut Sandra Maischberger nicht in die Sendung kommen. Stattdessen lud die Redaktion Simone Baum von der sogenannten Werteunion ein, dem konservativen Flügel von CDU/CSU. Das war ein Fehler.

Eine Weiße, die Nicht-Weißen Rassismus erklärt – schwierig

Zunächst einmal versuchte sich Baum in einer definitorischen Relativierung. „Nein, das ist keine rassistische Äußerung“, stellte die CDU-Politikerin fest. Obwohl sich Menschen wie Huber, Gerald Asamoah und Hans Sarpei beleidigt fühlen? Egal, denn: Es werde ja niemand aufgrund seiner Ethnie herabgesetzt, auch wenn die Äußerungen unglücklich gewesen seien. Weiße, die Nicht-Weißen erklären, was wann wie rassistisch ist – das ist immer solide.

Und munter ging es weiter. Als nächstes versuchte Baum, das Ganze mit der Verfolgung von Dissidenten in der DDR zu relativieren. Sie selbst sei ja damals... was für ein Glück, dass Huber einschritt: „Ich bin nicht aus dem Senegal angereist, um jetzt über Ostdeutschland zu reden.“

Afrika – Land? Kontinent? Ach, egal

Nun gut, auch inhaltlich versuchte Baum, Tönnies zu unterstützen. Kraftwerke bauen und Bäume schützen, das sei ja löblich, stellte die CDU-Politikerin fest. Und die Sache mit den Kindern, nun ja: „Das Land explodiert – Entschuldigung, der Kontinent.“ Land, Kontinent: „Ich bin nicht als Afrika-Expertin eingeladen“, erklärte Baum kurze Zeit später. Ja, das merkte man!

Die Ausführungen der CDU-Politikerin schienen zu bestätigen, was kurz zuvor Joachim Gauck behauptet hatte: Das „wir alle“ – wer genau blieb leider unklar – latent rassistisch seien. Der frühere Bundespräsident meinte das nicht unbedingt vorwurfsvoll, vielmehr klang ein Hauch von Verständnis mit. Bitte Nachsicht, schien Gauck zu implizieren.

Joachim Gauck: Tönnies’ Aussagen klingen „zu rassistisch“

Das passte jedenfalls zu Gaucks grundsätzlicher Empfehlung, nicht die ganze AfD zum Feind zu erklären. Auch mit sehr rechten Menschen solle man reden und den Streit suchen. „Bevor wir in diese Feindschaft kommen, sollten wir begreifen: Einer kann noch demokratisch sein, auch wenn mir seine Linie nicht gefällt“, sagte Gauck.

Doch wie findet man heraus, ob jemand nicht doch schon rechtsextrem ist? Und wie verhindert man, dass man solche Positionen durch den Streit hofiert, groß macht? „Das ist schwierig“, räumte Gauck ein. Und stellte mit Blick auf Tönnies klar, dass ihm dessen Aussagen „zu rassistisch“ klingen würden.

Das Fazit

Bei allem ungewollten satirischen Eifer, den Simone Baum in die Runde brachte: „Maischberger“ funktioniert im neuen Gewand deutlich besser als im alten. Mehr Themen, mehr Gäste und zwischendurch eine Einordnung von drei Journalisten und Publizisten, das entfaltet deutlich mehr Dynamik.

Das kann gerne so bleiben, nur bei der Gästeauswahl sollte gelten: Lieber eine Person weniger, als eine Fehlbesetzung.

So lief vor der Sommerpause die letzte „Maischberger“-Sendung, bei der Peer Steinbrück gegen Kevin Kühnert polterte.

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