Gipsdecke in Braunschweiger Staatstheater-Werkstätten stürzt ab

Braunschweig.  Der Unfall im Staatstheater geht ohne Verletzte ab, macht aber den Sanierungsbedarf dramatisch offenbar. Gute Signale aus Hannover.

Vor der abgestürzten Decke (von links): Technischer Direktor Thomas Pasternak, Tischlerei-Leiter Peter Kranzmann, Werkstattleiter Patrick Pohl und der Leiter des Gebäudemanagements Heiner Heumann.

Vor der abgestürzten Decke (von links): Technischer Direktor Thomas Pasternak, Tischlerei-Leiter Peter Kranzmann, Werkstattleiter Patrick Pohl und der Leiter des Gebäudemanagements Heiner Heumann.

Foto: Andreas Berger

Bei Deckenarbeiten in der Tischlerei des Staatstheaters Braunschweig im Theaterpark kam es am 3. September zu einem großflächigen Abgang der Gipsdecke. Zu Schaden kam niemand. Das teilte das Staatstheater nach Abstimmung mit dem niedersächsischen Kulturministerium erst gestern mit. „Wir wollten zunächst klären, wie mit dem Schaden weiter verfahren wird“, erklärt Pressesprecherin Susanne Schäfer.

Nach dem Deckenschaden hat das Staatliche Baumanagement Sicherungsmaßnahmen für das übrige Gebäude geprüft und ein Sicherungs- und Rüstkonzept erstellt, denn die Staatstheater-Gebäude gehören dem Land. Neben dem beschädigten Saal der Tischlerei wurden auch drei weitere Räume mit der gleichen Deckenkonstruktion gesperrt. Verwaltungsdirektor Stefan Mehrens hat inzwischen grünes Licht aus Hannover: Binnen zwölf Wochen sollen in den nicht zerstörten Sälen Gerüste eingebaut werden, die die Decke stützen und etwaige Abgänge auffangen. Dann kann dort wieder gearbeitet werden. Parallel werden die Trümmer im Saal mit der eingestürzten Decke beseitigt und das Loch repariert. „Da ist noch nicht abzusehen, wie lange das dauern wird.“ In der Sommerpause sollen dann alle betroffenen Säle neue Decken erhalten.

„Wir hatten eine Delle bemerkt und befürchteten Wasserschäden, deshalb hatten wir am 3. September eine Spezialfirma engagiert, die die Decke untersuche sollte“, erläutert Heiner Heumann, Leiter des Gebäudemanagements und zuständig für Arbeitsschutz am Staatstheater. „Die Kollegen haben nur etwas geklopft, da merkten sie, dass sich was löst, und sind schnell vom Gerüst geklettert. Und dann kam plötzlich die ganze Decke runter.“ Gut, dass sie da schon in Sicherheit waren.

Die Tischler sind nun mit ihren Holzarbeiten in den benachbarten Schlossersaal gezogen, die mussten zusammenrücken. Die Maschinen konnten sie natürlich nicht mitnehmen. „Es wird jetzt wieder von Hand gesägt, gefräst und gehobelt“, sagt Peter Kranzmann, Leiter der Tischlerei. „Wir sind unheimlich froh, dass die Kollegen das so unaufgeregt und motiviert mitmachen“, betont der Technische Direktor Thomas Pasternak. Lärm, Staub, Späne, das entstünde nun alles auf engstem Raum und belästige auch die anderen Kollegen. Zum Übergang würde wohl auch noch ein Zelt auf dem Hof aufgestellt, erklärte Mehrens.

Werkstättenleiter Patrick Pohl, gerade neu, musste sein Büro im gefährdeten Trakt räumen, sitzt nun überm Malersaal, woraus die Näherinnen ins Große Haus vertrieben wurden. Gerade arbeitet man an den Bühnenbildern zur Opernpremiere „Faust“, zum Weihnachtsmärchen und zum „Kirschgarten“. „Die Bilder für das Musical ,Chicago’ können wir unter den eingeschränkten Bedingungen nun nicht produzieren, da sind einfach räumlich größere Aufbauten nötig“, erläutert Pohl. Hier laufen nun europäische Ausschreibungen.

Was Zusatzkosten verursacht. Das dürfte auch noch für weitere Produktionen so kommen. Auf 250.000 Euro schätzt Verwaltungschef Mehrens diese Kosten bis zum Sommer. Dafür ist im ohnehin engen Staatstheaterhaushalt keine Rücklage da. „Ich habe das Angebot gern angenommen, dass ich das Geld auf der technischen Liste beim Land ansetzen darf“, so Mehrens, es also vom Land übernommen werde. Die Reparatur durch das Staatliche Baumanagement trage sowieso das Land.

Sowohl Mehrens wie auch Generalintendantin Dagmar Schlingmann sind froh, dass sich das Kulturministerium bereit zeige zum Engagement. Stadt und Land teilen sich die Kosten für den Betrieb des Staatstheaters im Verhältnis ein Drittel zu zwei Dritteln. Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler hat am 9. September an der Sitzung des Verwaltungsschusses des Staatstheaters teilgenommen und wurde umfassend über die aktuelle Situation informiert. Die Werkstätten kannte er von seinem Antrittsbesuch vor zwei Jahren. „Da war er auch schon ziemlich beeindruckt von dem ungenügenden Zustand“, sagt Schlingmann. Mehrens glaubt, dass der Deckenabsturz nun auch vom Land als klares Signal verstanden wurde: „Es sind ja ihre Gebäude, die da kaputtgehen.“

Tatsächlich ist der Sanierungsbedarf in den Werkstattgebäuden des Staatstheaters, die teils noch von 1945 stammen, seit langem bekannt und dokumentiert. Mehrens informierte auch den Kulturausschuss der Stadt Braunschweig mit eindringlichen Dias. Nun bekommt die Diskussion über den Zeitplan einer Sanierung oder alternative Standorte erneute Dringlichkeit.

Denn vieles anderes ist unzumutbar an den maroden Bauten: Da müssen Kulissen über Treppen per Hand rauf in den Malersaal getragen werden. Größere Konstrukte etwa für den Burgplatz zimmert man draußen im Hof. Die Bühnenbilder für die rund 38 Produktionen pro Spielzeit entstehen unter altmodischsten und gesundheitsunfreundlichen Bedingungen.

Mehrens hat aber den Eindruck, dass nun verstärkt an einer Lösung gearbeitet wird. „Vertreter von Stadt, Land, Staatstheater, Baumanagement, Liegenschaftsfonds, Finanz- und Kulturministerium wollen sich sehr bald in Hannover treffen.“

Die technischen Vorstände wären für Abriss und Neubau am jetzigen Ort. „Klar wäre es am besten, ein Werkstatt- und Probenzentrum in direkter Nähe des Theaters zu haben“, sagt Schlingmann. Mehrens betont, dass sich so auch Geld sparen ließe: „Modernere Maschinen, kurze Transportwege – da produzieren wir günstiger.“

Die Gebäude des Staatstheaters Oldenburg wurden derweil für 14,4 Millionen Euro modernisiert, die Staatstheater Hannover bekommen ab 2020 ein neues Werkstattgebäude für 26 Millionen Euro.

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