Bei Helmstedt wacht Harbkes Turmruine über die Wilde Baumzucht

Harbke.  Das frisch sanierte Wahrzeichen Harbkes bietet Infos über die ersten Ideen zur nachhaltigen Forstwirtschaft aus dem 18. Jahrhundert.

Besitzer Andreas Binroth (rechts am Hang) und die Kuratoren Julia Franke und Clemens Niedenthal (daneben) präsentieren die sanierte Turmruine Harbke.

Besitzer Andreas Binroth (rechts am Hang) und die Kuratoren Julia Franke und Clemens Niedenthal (daneben) präsentieren die sanierte Turmruine Harbke.

Foto: Andreas Berger

Auch Goethe war da und bewunderte das Miteinander von Forstwirtschaft und romantischer Naturerfahrung. Den jetzt sanierten Turm gab es damals noch nicht, aber bereits die einstmals berühmte „Harbkesche Wilde Baumzucht“, mit der seit 1745 intensive Aufforstung betrieben und ortsfremde Baumarten auf ihre Tauglichkeit geprüft wurden.

„Nichts anderes, als was man heute tun muss, um den Wald an die veränderten Klimabedingungen anzupassen“, sagt Harald Binroth, der nach der Wende den einstigen „Nutz- und Lustwald“ nahe Helmstedt kaufte. Einen verfallenden Turm kaufte er dabei mit. Sohn Andreas Binroth als neuer Eigner hat sich nun um die Sanierung verdient gemacht und will mit einer Ausstellung zur historischen Harbker Wilden Baumzucht Anregungen zum Nachdenken für heute geben. Sie haben Julia Franke und Clemens Niedenthal entworfen und auf sechs Lesetafeln im Erdgeschoss und im Balkonzimmer des Turms gut verständlich ausgebreitet. Natürlich wird auch die Geschichte des Turms und des Gartens erzählt, denn alles ist hier historisches Gelände. Seit 1308 wohnten die von Veltheims am Ort, seit 1571 gab es ein Renaissanceschloss, das nun schon völlig zerfallen ist. Vielleicht lässt sich die Hauptfassade noch sichern, erklärte Landeskonservatorin Ulrike Wendland. Die Orangerie wurde vom örtlichen Denkmalsverein gerettet.

Um den Turm haben sich nun Binroths verdient gemacht. 70.000 Euro steckten sie selbst in das Projekt, rund 180.000 Euro gaben Bund, Land und Stiftung Denkmalschutz. Das zeige, wie sehr die neuen Besitzer aus dem Westen entgegen dem ursprünglichen Argwohn der Harbker für die Allgemeinheit investieren, würdigte Bürgermeister Werner Müller. Binroth habe sich sofort mit den Harbkern verbündet. Börde-Landrat Martin Stichnoth bekräftigte denn auch: Dies sei das Gesicht unserer Gesellschaft, nicht der Wirrkopf von Halle. Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch hatte wegen der Ereignisse ihren Besuch abgesagt.

Klänge von Staatsorchestermusikern aus Braunschweig stellten die Verbindung her zu Helmstedt und dem Braunschweiger Land, die mit Harbke künftig auch touristisch gemeinsam planen wollen.

„Früh den neuen antiquen Thurm gesehen, der sehr schön ist und schön liegt“, schrieb einer der Veltheims kurz nach der Vollendung 1852. Der Turm war absichtlich als Ruine gebaut, ein Mahnmal der Vergänglichkeit. Und ein Aussichtsturm, womit sich die sentimentalische Ruinenarchitektur der Aristokratie mit dem bürgerlichen Bewusstsein des aufgeklärten Blicks verband und so recht erhabene Gefühle erzeugt werden konnten. Architekt Friedrich Maria Krahe war es um eine „malerische“ Auffassung zu tun, Menschenhand gestaltete den Landschaftsgarten, der Turm setzt die Blickachse.

Die ist heute wieder frei. Die Aussicht allerdings endet auf dem Balkon. „Der Ausguck auf dem Dach darf aus Brandschutz nicht mehr genutzt werden“, erläutert Andreas Binroth. Nutz- und Lustwald verbinden sich aber wieder so schön wie bei Goethens Besuch.

Turm und Ausstellung sind an diesem Wochenende 11 bis 15 Uhr geöffnet. Weitere Öffnungen und Kontakt unter www.turmruine.de

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