Adriana Hölszky mit Braunschweiger Spohr-Preis geehrt

Braunschweig.  Im Sinfoniekonzert spielte das Staatsorchester vier „Reflexionen“ der Komponistin.

Adriana Hölszky bekommt den Preis von Bürgermeisterin Annegret Ihbe

Adriana Hölszky bekommt den Preis von Bürgermeisterin Annegret Ihbe

Foto: Rainer Sliepen

Kann man Klänge sehen, Farben hören? Verbinden sich Formen, Gerüche, Gefühle mit bestimmten, von der Musik ausgelösten Sinnesreizen? Dem Musikfreund sind solche Verbindungen, die beim Hören an die Seele greifen können, nicht fremd. Im Mittelpunkt des Konzerts des Staatsorchesters Braunschweig, Leitung Srba Dinić, in der Stadthalle standen solche Beziehungen zwischen Malerei und Musik, zwischen visuellen und akustischen Elementen im Mittelpunkt.

Der Hörer ist bei Peter Maxwell Davies „Five Klee Pictures op.12“ aus dem Jahr 1959 in einer Doppelrolle. Die fünf Gemälde von Klee wurden während der Musik auf die Leinwand über dem Orchester projiziert. Aus dem Vergleich der eigenen Empfindungen mit den musikalischen Transformationen wird der Hörer gleichsam aufgefordert, Stellung zu beziehen. In „A Crusader“ („Ein Kreuzfahrer“), von Klee durchaus freundlich porträtiert, dominiert ein marschartiger Rhythmus, unterbrochen von klapperndem Schlagwerk.

Zum „Oriental Garden“ verschlingt sich eine friedvoll atmende Holzbläserlinie. Und von der „Zwitschermaschine“, bestehend aus geometrischen Linien mit Blümchen und lustigen Vögelchen, entwickelt sich aus übermütigen polyphonen Wendungen ein lebendig chaotisches Durcheinander. Der Zuhörer wägt ab, verwirft, ist autonom in seinem Urteil. Daumen hoch oder runter. Ein interessantes Spiel.

Adriana Hölszky, die Spohr-Preisträgerin 2019, wählt einen anderen Ansatz. Der Hörer wird mit musikalischen „Requisiten“, so auch der Titel ihrer vier Reflexionen, konfrontiert. „Die Ohren denken lassen“, so hat es der Veranstalter im Programmheft anspruchsvoll formuliert. „Maske“, „Scheinwerfer“, „Kulisse“, „Schminke“, das sind die Begriffe, die sie zu einer Mixtur von phantasievoll verschachtelten Facetten von Geräuschen, Klängen, von dynamischen Linien und kunstvoll gesetzten Pausen und Zäsuren verwebt. Der Zuhörer, so er sich denn auf das verwirrende Spiel einlässt, wird zum Lauschenden, Denkenden, Entdeckenden.

Die rumänisch-deutsche Komponistin Adriana Hölszky gehört seit den 1980er Jahren zu den international bekanntesten zeitgenössischen Komponistinnen. Sie seine eine einzigartige Stimme im Kanon der Neuen Musik, sagte Laudatorin Julia Spinola. Bürgermeisterin Annegret Ihbe überreichte ihr den mit 10000 Euro dotierten Preis samt silbernem Taktstock.

Zum Konzertfinale Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“. Das Staatsorchester koloriert ohne jede visuelle Hilfestellung einen grandiosen Bilderbogen, der im monumentalen „Großen Tor von Kiev“ seinen klangsinnlich überwältigenden Abschluss findet. Langer Beifall für ein besonderes Konzert.

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