Staatsorchester Braunschweig betört Helmstedt

Braunschweig.  Das Orchester beginnt unter dem Titel „Grenzenlos Klassik“ mit Beethoven eine neue Konzertreihe in historischen Bauten..

„Grenzenlos“ heißt die neue Konzertreihe des Staatsorchesters in Helmstedt. Denn seit 30 Jahren ist diese Kleinstadt im Osten Niedersachsens ja befreit von der monströsen innerdeutschen Grenze. Einerseits ist das natürlich ein Glück. Andererseits verlor der Grenzübergangsort dadurch quasi auch sein welthistorisches Alleinstellungsmerkmal.

Das Staatsorchester will nun das Augenmerk zumindest in unserer Region auf die architektonischen Perlen von Stadt und Kreis lenken. Als Orchesterdirektor Martin Weller bei der Präsentation des Programms Bilder zeigte etwa vom Juleum, Brunnentheater oder Kloster Marienberg, da merkte Staatstheater-Sprecherin Susanne Schäfer spontan an, als Neu-Braunschweigerin sei sie sehr erstaunt über solch eindrucksvolle Kulturbauten.

Die Reihe „Grenzenlos Klassik“ umfasst vier Konzerte im Juleum, der ehemaligen Universität, ebenfalls vier Konzerte unter dem Motto „Klassik für alle“ mit moderaten Preisen von etwa einstündiger Länge, zwei regionale Werkstattkonzerte mit Verknüpfung von Musik und Raum. In der Klosterkirche St. Marienberg gibt es das traditionelle Pfingstkonzert, im Brunnentheater ein Neujahrskonzert. Außerdem bietet das Orchester mobile Schulkonzerte und „Kunstpausen“ am Markt. Partner und Förderer sind unter anderem Stadt und Landkreis Helmstedt, die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die Stiftung Niedersachsen und regionale Unternehmen.

Alle Konzerte sollen mit Einführungen und Erläuterungen vermittelt werden. Den Auftakt der Reihe (und zugleich zum Beethovenjahr 2020) macht Beethovens 5. Sinfonie, gepaart mit Charlie Chaplins Stummfilm „The Kid“ und der dazu komponierten Musik am 8. Dezember um 11 Uhr im Brunnentheater.

Dass die Helmstedter Aktivitäten Besucher von den ja durchaus nicht immer ausverkauften „Heimspielen“ des Orchesters in Braunschweig abziehen könnten, glauben die Beteiligten nicht. Die Zahlen der Besucher aus Helmstedt bei den Braunschweiger Sinfoniekonzerten seien gering, erklärte Weller. „Wer nicht zu uns kommt, zu dem kommen wir.“ So würde das Publikum erweitert. Helmstedts Landrat Gerhard Radeck und Bürgermeister Wittich Schobert ergänzten, nach Braunschweig führen die Helmstedter zum Einkaufen, weniger wegen kultureller Ereignisse.

Stiftungsdirektor Tobias Henkel beharrte auf der Idee, dass sich durch solche Aktivitäten im ländlichen Raum generell die Neugier fürs Orchester und für klassische Musik steigern ließe. Generalintendantin Dagmar Schlingmann nannte die Besucherzahlen der Sinfoniekonzerte auf hohem Niveau stabil.

Geht’s also bald weiter mit Konzerten in anderen Orten der Region? Weller: „Die Musiker sind dienstlich komplett ausgelastet. Wir sind das wohl ausgelastetste Orchester der Republik. Aber ich will nichts ausschließen.“

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