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Ethikerin bei Lanz: Wir kriegen nicht mehr alle zur Impfung

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Markus Lanz.

Markus Lanz.

Foto: Markus Hertrich

Berlin  Wir steuern wieder in einen Corona-Winter – trotz der Impfungen. Die Vorsitzende des Ethikrats sagt bei Lanz: Wir müssen ehrlich sein.

Bevor es an diesem Abend um die Corona-Pandemie geht, macht Lanz einen Ausflug in die aktuelle Politik. Denn am Dienstag hat der CDU-Vorstand einstimmig beschlossen, die 400.000 Mitglieder zu befragen, wer ihr Parteichef werden soll – ein Novum.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Rainer Haseloff (CDU), Politiker, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt)
  • Robin Alexander, Journalist "Welt"
  • Dirk Brockmann, Physiker
  • Alena Buyx, Ethikerin
  • Svenja Flaßpöhler, Philosophin

Von Reiner Haseloff (CDU), dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, will Markus Lanz deshalb wissen, wen er künftig an der Spitze sehe. Dieser spricht sich klar für Friedrich Merz aus und lässt auch durchblicken, dass er sich einen Kanzlerkandidaten Markus Söder (CSU) gewünscht hätte. "Damit hätten wir die Wahl klar gewonnen", sagt er.

Über die Frage von Lanz, weshalb wahrscheinlich nur mittelalte Herren, keine Frau und kein Mensch aus dem Osten zur Wahl stehen werden, entbrennt in der Runde eine hitzige Debatte. Haseloff besinnt sich mehrfach darauf, dass die CDU mit Angela Merkel "16 Jahre lang eine Frau gehabt hat".

"Das darf kein Alibi werden", meint die Philosophin Svenja Flaßpöhler. Man wünsche sich einfach ein "bisschen mehr Vielfalt" sagt die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats Alena Buyx. Dabei gehe es vor allem darum, dass es zu viele Ähnlichkeiten in der Kandidatenwahl gebe, auch geografisch.

"Markus Lanz" im ZDF: Philosophin spricht von "Impfdruck"

Geografische Unterschiede jedenfalls gebe es derzeit bei den Corona-Zahlen, so die Überleitung des Moderators zum zweiten Themenblock an diesem Abend. Deutschlandweit steigen die Infektionszahlen, die Krankenhäuser sind überlastet und in Pflegeheimen gehen die Todeszahlen in die Höhe. "Die Delta-Variante hat übernommen", sagt der Physiker Dirk Brockmann. Zwar seien im Vergleich zum Vorjahr mehr Menschen geimpft, doch die Variante habe eine ganz andere Dynamik.

"Ich habe es nie für möglich gehalten, dass sich so wenige Menschen impfen lassen", sagt Buyx. Lanz will deshalb von seinen Gästen wissen, wie man an die Ungeimpften herantreten könne? Philosophin Flaßpöhler spricht von einem "Impfdruck" und findet es falsch, "alle Wut auf Ungeimpfte zu wenden".

Stattdessen appelliert sie an die Politik, die Pflegekräfte besser zu bezahlen, um so den Standard überhaupt erst zu halten. "Das hat die Politik nicht geschafft. 4.000 Intensivbetten sind abgebaut worden", sagt Flaßpöhler. Journalist Robin Alexander sieht noch einen weiteren Punkt: "Viele Leute verstehen es nicht, diesen Job jetzt noch für Ungeimpfte zu machen."

Bei einer möglichen Impfpflicht für Pflegepersonal kommt es zum Streit in der Runde. Flaßpöhler ist sich sicher, dass "die Leute auf die Barrikaden gehen" und dann gar nicht mehr zur Arbeit erscheinen würden, was am Ende für die Gesellschaft schädlicher wäre. Doch Alexander wirft ein: "Solidarität geht auch in zwei Richtungen."

CDU-Politiker bei "Lanz": "Kein Patentrezept" für die Pandemie-Bekämpfung

Um Menschen jetzt noch von der Corona-Impfung überzeugen zu können, müsse man die Komplexität reduzieren und dann die Ursachen angehen, plädiert der Physiker Dirk Brockmann. Moderator Lanz wirft ein, dass man diese Chance verpasst habe. Dem stimmt auch Ethikerin Alena Buyx zu. "Es ist besser, ehrlich zu sein. Wir kriegen nicht mehr alle", sagt sie.

Doch wie sollen wir mit denen umgehen, die sich nicht impfen lassen wollen, will Markus Lanz wissen. Haseloff ist der Meinung, dass jetzt die Älteren dran seien. Doch er gibt auch zu: "Da gibt es kein Patentrezept". "Wenn wir Freiheiten wollen, müssen wir uns auch wie freie Erwachsene verhalten", sagt Robin Alexander. Und Alena Buyx zitiert den Titel eines Papiers der österreichischen Bioethikkommission: "Eine Pandemie ist keine Privatsache".

Einzig Svenja Flaßpöhler ist der Meinung, dass es sich bei der Frage nach der Impfung zwar um ein gesellschaftliches Problem, aber auch um eine Privatsache handle. "Man fühlt sich bevormundet, gelenkt und gelockt", sagt sie. Robin Alexander sieht das anders, die "Impfung ist nicht das Gegenteil von Freiheit. Impfen steht auf der Seite der Freiheit. Der Lockdown ist ein Verbot", so sein Schlussfazit.

"Markus Lanz" – So liefen die vergangenen Sendungen

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