Der Geist von Leonard Cohen tanzt bei Movimentos in Wolfsburg

Wolfsburg.  Das Les Ballets Jazz de Montréal tanzten bei Movimentos in der Autostadt in Wolfsburg eine Hommage an den Folk-Sänger Leonard Cohen.

Eine Szene des Ballets Jazz de Montréal bei Movimentos in Wolfsburg

Eine Szene des Ballets Jazz de Montréal bei Movimentos in Wolfsburg

Foto: Matthias Leitzke

Der Mann im dunklen Mantel mit dem schwarzen Hut, der die Bühne quert, muss Leonard Cohen sein. Während die Tänzer, gleichfalls in dunkler Jacke wie die Ausfaltungen seiner lyrischen Ichs, seiner Geschichten und Emotionen vor und zurück zur Rampe schreiten, ihre Hände ausstrecken und zurückziehen, die Hände pumpen wie schlagende Herzen. Einmal taucht er noch im Scheinwerferlicht inmitten von ihnen auf, dann geht die Show weiter, aber man spürt schon: Er ist mitten unter uns, wenn seine charakteristische tiefe Stimme mit den kratzigen Höhen vom Band erklingt. Les Ballets Jazz de Montréal tanzen „Dance me“, eine Hommage an den berühmtesten Sohn der Stadt, den 2016 gestorbenen Folk-Sänger und Dichter Leonard Cohen.

Leonard Cohen, der Damenmann

Es ist ein traumschöner Start mit dem bekenntnishaften „Lover, Lover, Lover“, so melodisch leicht und doch so gedankenschwer, zu dem die Jungs mit offenem Hemd in Drehungen und weit ausgreifenden Armen ihre Körper auskosten so wie das lyrische Ich ihn akzeptieren lernt. Dann fallen Laurentiustränen von der Videowand, Regen, der auf dem Boden Lichtlachen bildet. Und eine Frau im langen weißen Hemd, das sie aus Verlegenheit einer heißen Nacht als Pyjama genutzt haben mag, erscheint zu einem wunderbaren Duo, das genau zu jenem „Dance me to your beauty, dance me to the end oft the night“ passt, das auch dem Abend den Titel gab. Aber es tauchen immer neue solcher Frauen auf, Cohen war ein Damenmann mit mehr als einer Muse und Partnerin. Der Tänzer rollt sie wie beim Radschlag über seinen Rücken, sie liegen aufeinander und entrollen sich wieder. All das geschieht angenehm selbstverständlich, gefühlvoll, doch unpathetisch.

Choreographen ignorieren Cohens Zerrissenheit

Trotz drei Choreographen, die sich die Liebe entlang von Cohens Lebensphasen geteilt haben, wiederholt sich dann doch manches, zuweilen driften die ästhetischen Umsetzungen der Songs mit Pirouetten und Streckbeinen doch sehr Richtung „Rock the Ballet“ ab. Man vermisst Brüche, wie sie inhaltlich bei dieser auch von Depressionen und Ängsten heimgesuchten Persönlichkeit geradezu notwendig gewesen wären. Am Ende tanzt der Schemen des Mannes mit dem Hut allein auf der Leinwand, der Geist seiner Lieder, dem sich die Tänzer nach dem berühmten „Hallelujah“ kniend und im buddistischen Schneidersitz gebeugt haben. Der Multispiritualist und sein Requiem „Between your love and mine“ verpflichtet seine Jünger. Davon waren fühlbar viele im Zuschauerraum des Movimentos-Festivals der Autostadt. Unbändiger Applaus im Stehen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder