Zu viele Schiffe, zu wenig Fracht

Braunschweig  Die Schiffskrise kostet die Nord-LB Millionen. Nun werden Finanzierungsverträge verkauft.

Ein Containerschiff im Hamburger Hafen.

Ein Containerschiff im Hamburger Hafen.

Foto: Christian Charisius/dpa

Unser Leser Dr. Wolfgang Mücke aus Vechelde schreibt:

Falsche Investitionen können Probleme bereiten. Wie wichtig Streuung ist, sollten gerade Banken wissen.

Dazu recherchierte Andreas Schweiger

Als öffentlich-rechtliches Institut ist die Norddeutsche Landesbank kein Unternehmen wie jedes andere. Zwar muss sie nach streng wirtschaftlichen Kriterien arbeiten. Zugleich übernimmt sie aber auch wirtschaftspolitische Funktionen. Ihr politischer Auftrag ist, die heimische Wirtschaft zu fördern.

Deshalb finanzieren die Norddeutsche Landesbank und auch die Bremer Landesbank, an der die Nord-LB mit knapp 55 Prozent beteiligt ist, unter anderem Schiffe. Zu den klassischen Kunden zählen nach Auskunft des Instituts Reeder aus Norddeutschland. Um das Risiko zu streuen, werden zudem Schiffe im Ausland finanziert, vor allem in Asien.

Die Schiffskrise

begann 2009

Bis einschließlich 2008 lief dieses Geschäft gut – seit 2009 wird es schwieriger. In diesem Jahr hat sich die Situation offenbar noch einmal verschärft. Als Grund nannte ein Bank-Sprecher Überkapazitäten vor allem bei Container- und Schüttgut-Schiffen. Soll heißen: Es werden mehr Schiffe gebaut als benötigt. Dadurch verschärfe sich die wirtschaftliche Lage der Reeder. Sie bekämen zunehmend Probleme, Zins und Tilgung zu bedienen.

Damit steigt für Finanzierer wie Nord-LB und Bremer Landesbank das Risiko von Kreditausfällen. Deshalb hat die Nord-LB im ersten Halbjahr noch einmal rund eine Milliarde Euro als Vorsorge zurückgestellt. Insgesamt beläuft sich die Risikovorsorge damit schon auf 3,3 Milliarden Euro. Wegen der erneuten Rückstellungen musste die Nord-LB in ihrer gestern veröffentlichten Halbjahresbilanz einen Nachsteuerverlust von 406 Millionen Euro ausweisen.

Dass die Landesbank im ersten Halbjahr ein Minus eingefahren hat, ist für Markus Spiwoks, Wirtschafts-Professor an der Ostfalia-Hochschule in Wolfsburg, zunächst nichts Ungewöhnliches. „Es gibt kein absolut sicheres Geschäft. Ein Risiko bleibt immer“, sagt er. Allerdings müssten sich die Verantwortlichen der Nord-LB den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nicht vorausschauend genug gehandelt hätten.

Spiwoks: „Weil das Geschäft über Jahre sehr gut lief, wurde das Risiko aus den Augen verloren. Dabei müsste doch klar sein, dass ein Erfolg nicht unbefristet ist.“ Dass das Land die Nord-LB mit wirtschaftspolitischen Vorgaben gegängelt haben könnte, befürchtet er nicht. „Das ist in keiner Weise zu erkennen.“

Grundsätzlich stellt Spiwoks den öffentlich-rechtlichen Banken ein gutes Zeugnis aus. „Sie sind für die deutsche Wirtschaft ein wichtiger Stabilitätsfaktor, weil sie nicht alle Hypes und Trends mitmachen, sondern konservativ arbeiten.“

Die schlechte Entwicklung bei den Schiffsfinanzierungen macht die vollständige Übernahme der Bremer Landesbank durch die Nord-LB nicht unwahrscheinlicher. Denn die Bremer sind noch stärker als die Nord-LB von der Schiffskrise betroffen und befinden sich in Schieflage. Von den Finanzierungsverträgen über 18 Milliarden Euro, die die Nord- LB derzeit in ihrem Bestand hat, entfallen nach Informationen unserer Zeitung 7 Milliarden Euro auf die Bremer Landesbank. Schon länger wird in Politik und in den Landesbanken über die Übernahme diskutiert. Allerdings halten sich alle Seiten bedeckt.

Finanzierungsverträge sollen verringert werden

Um das Risiko der Schiffsfinanzierungen zu verringern, will die Nord-LB das finanzielle Volumen der Finanzierungen auf 14 Milliarden bis 12 Milliarden Euro verkleinern. Gerade erst hat sie vereinbart, Verträge über 1,3 Milliarden Euro an einen Staatsfonds und die US-Investment-Gesellschaft KKR zu veräußern. Dieselbe Gesellschaft ist übrigens vor zwei Jahren beim Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC eingestiegen.

Nicht ausgeschlossen ist, dass die Investoren weitere Schiffsfinanzierungen von der Nord-LB übernehmen. Für die Landesbank ist dies ein Verlustgeschäft. Das Institut hat eigens eine Abteilung gegründet, um den Verkauf der Schiffe und Finanzierungen zu steuern. „Die damit verbundenen Maßnahmen werden zwar kurzfristig zu Ergebnisbelastungen führen, stärken aber mittelfristig die Substanz der Bank“, sagte Nord-LB-Vorstandschef Gunter Dunkel und fügte hinzu: „Im Gesamtjahr 2016 erwarten wir folglich einen deutlichen Verlust, den die Nord-LB vollständig aus eigener Kraft verarbeiten kann.“

Sprecher sowohl der Nord-LB als auch ihrer Tochter Braunschweigische Landessparkasse betonten, dass der aktuelle Verlust weder zu neuen Sparrunden führe noch das Sponsoring beeinträchtige.

„Die Nord-LB bleibt auch bei den Förderungen ein verlässlicher Partner“, sagte der Sprecher. Aus Braunschweig hieß es: „Die von der Nord-LB heute vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal 2016 geben der Braunschweigischen Landessparkasse keinen Anlass, die Geschäftsstrategie zu verändern. Bei den Sponsoringaktivitäten sind Veränderungen nicht vorgesehen.“

Dass sich die Nord-LB vom Gestüt in Bad Harzburg trennen will, steht nach Auskunft der Bank nicht in Zusammenhang mit dem aktuellen Verlust. Die Nord-LB beende bereits seit geraumer Zeit Engagements, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Dazu zähle auch das Gestüt.

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