Studie: Jeder zweite Patient versteht seinen Arzt nicht

Braunschweig  Eine neue Serie unserer Zeitung beleuchtet Gesundheitsthemen und gibt Tipps für den Alltag.

Ein Arzt zeigt einen Tuberkulose-Fall anhand eines Röntgenbildes.

Foto: Gregor Fischer/dpa

Ein Arzt zeigt einen Tuberkulose-Fall anhand eines Röntgenbildes. Foto: Gregor Fischer/dpa

Mehr als die Hälfte der Patienten versteht nicht, was der Arzt ihnen erklärt. Viele haben aber auch Probleme, die Packungsbeilage eines Medikaments zu durchdringen oder wissen nicht, an wen sie sich im Gesundheitssystem wenden müssen, wenn sie ein Problem haben. Gabriele Seidel, Geschäftsführerin der Patientenuniversität in Hannover, fordert deshalb, das Thema Gesundheitskompetenz fest in den Schulen aufzugreifen und in den Lehrplänen zu verankern. „Eigentlich sollte man mit der Vermittlung von Gesundheitsthemen schon im Kindergarten anfangen.“

Seidel beruft sich dabei auf eine Studie der Universität Bielefeld vom vorigen Jahr, wonach jeder Zweite eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz hat – er kann sich im Gesundheitssystem nicht orientieren oder dem Arzt nicht erklären, unter welchen Symptomen er leidet. Auch ist er nicht in der Lage, seine Interessen durchzusetzen – also dem Arzt etwa zu sagen, dass man bestimmte Medikamente nicht verträgt. Oder er weiß nicht, wie sich Erkrankungen vermeiden lassen. Vor allem Menschen mit niedrigem Sozialstatus (78 Prozent), mit chronischer Krankheit (73 Prozent), mit Migrationshintergrund (71 Prozent) und in höherem Alter (66 Prozent) weisen eine vergleichsweise eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf.

„Wenn Menschen Mühe haben, sich in der ständig anwachsenden Fülle an Gesundheitsinformationen zurechtzufinden und Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen, hat das nicht nur für sie selbst Auswirkungen, sondern auch wirtschaftliche Folgen“, warnt Seidel.

Tatsächlich gehen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) die Menschen immer häufiger zum Arzt – im Schnitt 18 Mal im Jahr. Vor fünf Jahren waren es noch 13 Mal gewesen. Grund ist vor allem der demografische Wandel. „Wir beobachten aber auch einen gesellschaftlichen Wandel: Die Menschen reagieren schneller auf Befindlichkeitsstörungen“, sagt KVN-Sprecher Detlef Haffke.

Eine Gruppe von Experten erarbeitet derzeit unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) einen Nationalen Aktionsplan zur Förderung der Gesundheitskompetenz. Unter anderem soll ein nationales Portal entwickelt werden, auf dem man fokussiert nach Themen suchen kann. Auch die Patientenuniversität an der Medizinischen Hochschule Hannover bietet Vorlesungen für Jedermann an.

Menschen für Gesundheitsthemen sensibilisieren, sie informieren und zur Prävention anregen – das ist auch Ziel einer neuen Serie: Fünf Wochen lang wird unsere Zeitung verstärkt über Gesundheitsthemen berichten. Es geht etwa um Erste Hilfe, Diäten, Heilfasten oder Trendsport, aber auch um Fragen, wie wirkungsvoll Knie-Operationen sind oder was Laseroperationen am Auge bringen. Außerdem gibt es viele Mitmachaktionen vor Ort.

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