TU-Experte: Produktion von Papiertüten auch klimaschädlich

Braunschweig.  In der Entsorgung ist Plastik problematisch, in der Herstellung hat jedoch Papier auch seine Tücken, sagt Klaus Fricke von der TU.

Papiertüten haben in der Herstellung keine gute Öko-Bilanz, sagt ein Abfall- und Entsorgungsexperte der TU Braunschweig.

Papiertüten haben in der Herstellung keine gute Öko-Bilanz, sagt ein Abfall- und Entsorgungsexperte der TU Braunschweig.

Foto: Archivfoto: Jonscher, Norbert

Es ist gut, dass Umweltministerin Svenja Schulze jetzt auch den Gebrauch von Obstbeuteln aus Plastik eindämmen will. Ich weiß nicht, ob wiederverwendbare Netze überall die Alternative sind. Wieso greift man nicht auf die früher so bewährten Spitztüten aus Papier zurück?

Das fragt unser Leser Klaus Römer.

Die Antwort recherchierte David Krebs.

Papiertüten wirken auf den ersten Blick zwar deutlich umweltfreundlicher als Plastiktüten, das gilt aber nicht für ihre Herstellung. „Wenn es um die Auswirkung auf das Klima geht, gibt es zwischen Plastik und Papier keinen Unterschied“, erklärt Klaus Fricke, Professor an der Technischen Universität (TU) Braunschweig, im Gespräch mit unserer Zeitung. Fricke arbeitet im Leichtweiß-Institut für Wasserbau in der Abteilung Abfall und Ressourcenwirtschaft.

Die Tüten aus Papier seien bei der Herstellung nicht umweltschonender als die aus Plastik , bei der Entsorgung aber schon, erklärt er. Plastiktüten seien sie deshalb vorzuziehen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte sich am Wochenende für ein Verbot von Plastiktüten ausgesprochen. Stephan Gabriel Haufe, Sprecher des Ministeriums, sagt unserer Zeitung: „Das Ziel ist, Produkte mit kurzer Nutzungszeit und langer Haltbarkeit zu vermeiden.“ Papiertüten seien wichtig für Kurzbenutzung. Sie landen außerdem eher nicht im Meer und verursachen wenn doch weniger Schaden, sagt der Sprecher.

„Wenn schon Plastik, dann die Tüte wenigstens mehrmals benutzen!“

Das sieht auch TU-Professor Fricke so: „Ich bin ein Freund davon, Plastiktüten ganz zu verbieten.“ Obwohl es in der Herstellung keinen Unterschied bei der Klimabelastung gebe, seien Plastiktüten in der Entsorgung sehr viel problematischer. Landen diese im Meer, lösen sie sich in sogenannte Mikrokunststoffe auf. Die Partikel landeten wiederum im Fisch und schließlich im menschlichen Körper.

Obwohl bei der Produktion der Papiertüten Chemikalien benutzt würden, seien in dem fertigen Papier nahezu keine mehr vorhanden. „Papier hat keinen nennenswerten Einfluss, wenn es in die Umwelt entsorgt wird“, sagt Fricke.

Allerdings hat Papier natürlich nur eine begrenzte Lebensdauer. Die vom Leser erwähnten Netze haben den Vorteil, lange Zeit wiederverwendbar zu sein. „Eigene Behältnisse sind schon am besten“, meint Fricke. Er empfehle, eigene Beutel zu nutzen und am besten, soweit es gehe, sogar lose Ware zu kaufen und in eigenen Dosen zu transportieren.

An der Supermarktkasse zum Stoffbeutel zu greifen, sei auch nicht immer die beste Idee. Die Produktion von Stofftüten belaste die Umwelt deutlich stärker als die Herstellung von Plastiktüten, erklärt Fricke. „Textiltüten müssen 20 bis 40 Mal benutzt werden, um das wieder auszugleichen“, erläutert er. Es ist also nicht sinnvoll, bei vergessener Tasche jedes Mal zum Stoffbeutel zu greifen.

Der Tipp des Wissenschaftlers Fricke: „Wenn man schon Plastiktüten kauft, sollte man sie wenigstens mehrfach benutzen.“

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