Mehr Infektionen – weniger schwere Krankheits-Verläufe

Braunschweig.  Weil sich aktuell vor allem jüngere Menschen mit dem Coronavirus infizieren, kommen weniger Covid-19-Patienten in die Krankenhäuser der Region.

Die Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. In den Kliniken müssen derzeit weniger Patienten intensivmedizinisch behandelt werden, als zu Beginn der Pandemie.

Die Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. In den Kliniken müssen derzeit weniger Patienten intensivmedizinisch behandelt werden, als zu Beginn der Pandemie.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Die Zahl positiver Corona-Tests steigt derzeit in Deutschland zwar wieder an. Trotzdem bleibt die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen in unserer Region bislang niedrig. Im Städtischen Klinikum Wolfsburg zum Beispiel musste zuletzt im Juli ein Covid-19-Patient intensivmedizinisch behandelt werden. Diese Entwicklung hat mehrere Gründe: Während zu Beginn der Pandemie im März vor allen Dinge ältere Patienten betroffen waren, sind es jetzt größtenteils jüngere Menschen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts beträgt das Durchschnittsalter der Infizierten aktuell etwa 32 Jahre, während es im April noch bei 50 Jahren lag. Ältere Patienten weisen mehr Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der Erkrankung auf wie etwa Diabetes, Bluthochdruck, Herz-, Lungen- oder Krebserkrankungen, Abwehrschwäche oder Fettleibigkeit.

Anteil der im Krankenhaus Behandelten sinkt von 22 im April auf 6 Prozent

Lag die Hospitalisierungsquote – also der Anteil der Corona-Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten – Mitte April noch bei 22 Prozent, befindet sie sich derzeit bei sechs Prozent. Zusätzlich ist nach Angaben des Städtischen Klinikums Braunschweig der Anteil derer deutlich gesunken, die auf einer Intensivstation behandelt, sogar beatmet oder mit einer „künstlichen Lunge“ (Ecmo) versorgt werden müssen. Starben in der Spitze fast sieben Prozent der Erkrankten, liegt der Anteil nun deutlich unter einem Prozent. Daraus folgt: Um ähnliche Zahlen an Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern zu erreichen wie im März und April müsste die Gesamtzahl an Infektionen mindestens um den Faktor fünf zunehmen, rechnet das Klinikum in Braunschweig vor. „Davon sind wir in Braunschweig sehr weit entfernt“, sagt Sprecherin Thu Trang Tran.

Auch Dr. Udo Rudolf Schwippel, Ärztlicher Direktor des Marienstifts in Braunschweig, geht davon aus, dass die aktuelle Kapazität an Behandlungsplätzen selbst bei einer möglichen zweiten Welle ausreichend ist. „Insgesamt kann man sagen, dass die Zahl der schwer erkrankten Covid-19-Patienten abgenommen hat und wir nicht, wie ursprünglich angenommen, eine entsprechend hohe Anzahl an qualifizierten Beatmungsplätzen benötigen.“

Kliniken in der Region erwarten keine Engpässe wegen Corona

Es gibt Fortschritte bei der Behandlung der Corona-Patienten

Fortschritte gibt es nach Angaben des Städtischen Klinikums Braunschweig zudem bei der Behandlung von Covid-19-Patienten – etwa, weil bestimmte Medikamente zur Verfügung stehen. So kommt aufgrund zwischenzeitlich veröffentlichter Studiendaten nun Dexamethason für alle Patienten mit Sauerstoffbedarf oder Beatmung zum Einsatz. Das Mittel wird verabreicht, um das körpereigene Immunsystem zu unterdrücken und Entzündungen im Körper zu bekämpfen. Auch gibt es das Medikament Remdesivir für schwer Erkrankte. Es hemmt ein Enzym, das an der Vervielfältigung des Erbguts des Coronavirus Sars-CoV-2 beteiligt ist. Damit soll es die Vermehrung der Viren im Körper bremsen. Jedoch können laut Klinikum aufgrund dieser Behandlungsmöglichkeiten nur die Todeszahlen der am schwersten Betroffenen um wenige Prozentpunkte verringert werden. „Vorsicht bleibt also besser als Nachsicht“, so Tran. „Deshalb: Abstand – Hygiene – Alltagsmaske und in den kalten Tagen vor allem regelmäßig Lüften.“

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