„Pistorius fliegt Laden um die Ohren“

Boris Pistorius (SPD), Innenminister von Niedersachsen, spricht bei einer Pressekonferenz über einen Fall von Aktendiebstahl bei einem Mitarbeiter des LKA. Der Fall wird ein politisches Nachspiel haben.

Boris Pistorius (SPD), Innenminister von Niedersachsen, spricht bei einer Pressekonferenz über einen Fall von Aktendiebstahl bei einem Mitarbeiter des LKA. Der Fall wird ein politisches Nachspiel haben.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Zu „Brief weg – neue Aktenpanne beim LKA“ vom 3. August:

Es verwundert mich schon seit Jahren nicht mehr, dass Herr Pistorius von einem internen und damit hausgemachten Desaster unserer Landespolizei ins andere gerät. Noch zu meiner „aktiven“ Zeit habe ich sowohl als leitender Kriminalbeamter, als auch als Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Niedersachsen auf diverse Unzulänglichkeiten in Planung und Organisation sowie der Ausbildung und verworrener interner Abläufe hingewiesen. In einem offenen Brief über diese Zeitung habe ich sogar dazu im vergangenen Jahr Stellung bezogen. Leider ist die Zeitung dann auf die Beschwichtigungen und Abwiegeleien des Innenministeriums nicht „tiefer eingestiegen“und stellte Herrn Pistorius damit einen Persilschein aus. Sukzessive kommt jetzt eine Ungereimtheit in Führung und Organisation nach der anderen heraus. Ich habe die Besetzung von Schlüsselpositionen in der niedersächsischen Polizei durch stramme Parteisoldaten, die aber fachlich mitunter vollkommen ungeeignete Amateure sind, schon immer für ein Unding gehalten. Nun fliegt ihm sein Laden um die Ohren. Freude kommt bei mir da nicht auf!

Ulf Küch, Kriminaldirektor a. D.,
Sauingen

Umweltfreundlichen Sprit gibt es schon

Zu „Flugbranche setzt auf
klimaneutralen Treibstoff“ vom
3. August:

Es entsteht der Eindruck, dass synthetisches Flugbenzin erst entwickelt werden muss. Das gibt es schon und es kann auch im Auto eingesetzt werden. Wenn man diesen synthetischen Kraftstoff mit Strom aus Windenergie herstellt, dann ist er nicht nur klimaneutral, sondern umweltverträglicher als herkömmlicher Kraftstoff, da er viele Schadstoffe gar nicht enthält. Er kann ohne größere Umbaumaßnahmen in Flugzeugen und Fahrzeugen eingesetzt werden, erlaubt ähnliche Reichweiten und Leistungen und lässt sich auch dem Kraftstoff aus Erdöl beimischen. Problematisch beim synthetischen Kraftstoff sind lediglich die Herstellungskosten, denn er ist deutlich teurer als Kraftstoff aus Erdöl. Darum gibt es auch noch keine Massenproduktion. Im Zielkonflikt zwischen Kosten und Umweltverträglichkeit haben sich die Verbraucher bisher stets für niedrige Kosten entschieden. Wenn die Lufthansa mit dem Einsatz von synthetischem Kraftstoff deutlich höhere Preise verlangte, als Emirates mit billigem auf Öl basierendem Kerosin, noch dazu steuerlich subventioniert, dann wäre das Buchungsverhalten der Fluggäste vorhersehbar und Lufthansa stünde bald vor dem Ruin.

Und das Geschrei der Autofahrer, die für synthetisches Benzin zum Beispiel mit vierfachen Herstellungskosten rechnen müssten, würde Berlin erschüttern. Da redet Volkswagen doch lieber vom Elektroauto, wohl wissend, dass man für die Herstellung der Batterien vielen Menschen in Südamerika das Wasser abgraben muss.

Dr. Heinz Mankau, Rothemühle

Eine neue Ausbildung löst die Probleme nicht

Zu „Hebammen verzweifelt
gesucht“ vom 5. August:

Und wieder einmal wurde die Zeit verschlafen. Das Problem, das es zu wenig Hebammen gibt, ist ja bereits seit Jahren bekannt. Jetzt soll diese Misere also mit einem Studium behoben werden. Ich möchte doch stark bezweifeln, dass dadurch die Zahl der Hebammen ansteigen wird. Dieser Beruf – man kann es auch Berufung nennen – wird von Menschen ausgeübt, denen genau bewusst ist, das sie für zwei Menschenleben Verantwortung tragen. Sie müssen in sekundenschnelle Entscheidungen treffen. Es spielt keine Rolle, ob diesem Beruf ein Studium vorausgeht. Hebammen stehen unter enormen Stress, betreuen in Hochzeiten mehrere Frauen gleichzeitig. Hebammen sollten, wie andere Pflegeberufe auch, wesentlich mehr Unterstützung erhalten. So werden freiberuflichen Hebammen durch hohe Versicherungsbeiträge Steine in den Weg gelegt. Ob Ausbildung oder Studium – es wird wieder erst dann reagiert, wenn es schon fast zu spät ist.
Waltraud Zelm, Braunschweig

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