Angst vorm Richtigtun

„Das Plastiktütenverbot ist mehr ein Kompromiss als eine echte Lösung.“

Guter Vorschlag, der da aus den Reihen der SPD kommt. Nach dem 365-Euro-Jahresticket für den Nahverkehr gleich der zweite innerhalb von wenigen Tagen: Plastiktüten sollen aus dem Einzelhandel verschwinden – das ist nicht länger Mantra, sondern ab sofort tatsächlich schwarz auf weiß zu lesen.

Und doch ist es wieder mehr Alibi, mehr ein Kompromiss, als eine echte Lösung, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze da in den Ring wirft. Ganz verschwinden werden die Kunststofftaschen aus den Supermärkten nämlich nicht; Mehrwegtaschen und kleine Plastikbeutel für Obst und Gemüse sollen bleiben, sonst bestehe laut Schulze das Risiko, dass noch mehr Lebensmittel eingeschweißt in die Regale gelangen. Schwache Begründung. Und ein weiterer Beweis dafür, wie viel Ehrfurcht die Politik vor der Wirtschaft hat. Frei nach dem Motto: bloß nichts komplett verbieten, Industrie und Handel könnten sich ja dafür rächen. Doch warum sollte auf einmal mehr eingeschweißt werden, nur weil Plastiktüten verschwinden? Gammelt das Obst in den Regalen ab jetzt auf einmal schneller als in den Jahren zuvor? Die kleine Plastiktüte jedenfalls dient weniger der Konservierung als dem Transport. Ist das Obst erst daheim in der Schale, landet der Beutel bei den meisten Menschen im Müll. Diesen Zweck kann ebenfalls gut und gerne eine Papiertüte erfüllen. Wo im Alltag Alternativen zum Plastik möglich sind, sollte man sie auch nutzen. Mit halben Lösungen, wie der von Schulze, wird sich in Sachen Klimaschutz jedenfalls kaum etwas bewegen...

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder