Meyer muss Dinge ändern, die Kritiker auch

„Nach dem 0:4-Debakel in Darmstadt schrien auch Teile der Fans lautstark nach der Entlassung von Daniel Meyer.“

Ein enttäuschter Danilo Wiebe und Trainer Daniel Meyer aus Braunschweig nach dem Debakel gegen Darmstadt.

Ein enttäuschter Danilo Wiebe und Trainer Daniel Meyer aus Braunschweig nach dem Debakel gegen Darmstadt.

Foto: Hasan Bratic / dpa

Es wäre töricht und verfrüht, bei Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig einen Trainerwechsel zu fordern. Doch nach dem 0:4-Debakel in Darmstadt schrien auch Teile der Fans lautstark nach der Entlassung von Daniel Meyer, der mit der Mannschaft aus neun Spielen bislang acht Punkte geholt hat. Damit liegt er aktuell nur einen Zähler unter seinem Ziel, das da lautet, einen Schnitt von 1,0 Punkten bis Weihnachten zu erreichen. Die Chancen, alles zum Guten zu wenden, sind noch da – und sie sind angesichts einzelner Lichtblicke in dieser frühen Phase der Saison durchaus auch greifbar.

Dennoch muss sich die sportliche Führung um Meyer und Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann nun hinterfragen, ob ein stärkeres Abrücken vom ausgegeben Weg nicht zielführender wäre. Klar ist: Der Zufallsaufsteiger Braunschweig, dessen üppiger Kaderumbau im Sommer einer Operation am offenen Herzen gleichkam, hat noch nicht dauerhaft bewiesen, dass er in der 2. Liga konkurrenzfähig ist. Einige als Führungsfiguren eingeplante Akteure sind noch nicht in der Lage, ihre Rollen konstant auszufüllen.

Perspektivspieler mussten aufgrund von Verletzungen anderer früher in die Bresche springen als gedacht – und wurden von der Verantwortung im Abstiegskampf schlicht überfahren. Individuelle Fehler häufen sich und brachten die Eintracht nur allzu oft früh auf die Verliererstraße. Die Unsicherheit ist nach den vergangenen zwei Niederlagen gewachsen. Und einer der günstigsten Kader im Unterhaus benötigt im neuen Jahr dringend sofortige Verstärkung: im Sturm, in der Innen- und Außenverteidigung.

Anpassungen sind notwendig

Auch die fußballerische Idee, die zuletzt aufgrund der vielen Abwehrpatzer oft schon nach wenigen Minuten über den Haufen geworfen war, bedarf einer Anpassung. Die Eintracht benötigt mehr Kompaktheit, mehr Absicherung. Meyers Festhalten an seinem Plan mit dem Ballbesitzfußball mag für die Geradlinigkeit sprechen, die die Löwen nach zwei turbulenten Jahren bitter benötigen. Sie kann ihm bei ausbleibendem Erfolg andererseits als Sturheit ausgelegt werden.

Gemeinsam mit seinem Trainerteam, gemeinsam mit Vollmann – also mit Fachleuten aus dem Profifußball – sollte Meyer in die Analyse gehen, welche Spielweise mit dem vorhandenen Spielermaterial in der derzeitigen Gemengelage dazu führt, dass die Eintracht wieder punktet – auch wenn es nicht schön anzusehen wäre. Die Polemik anonymer Internet-Kommentatoren lässt sich nur mit sportlichen Erfolgen im Keim ersticken. Dies zu meistern, ist Meyer durchaus zuzutrauen.

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