Soziales Gift

„Man muss aufpassen, dass der Kampf gegen die Corona-Pandemie unser Zusammenleben nicht nachhaltig untergräbt.“

Man muss aufpassen, dass der Kampf gegen die Corona-Pandemie unser Zusammenleben nicht nachhaltig untergräbt. „Social Distancing“ ist das Gebot der Stunde – aber grundsätzlich natürlich eine komplett gruselige Maßgabe. Wenn die Impfkampagne in einigen Monaten hoffentlich dazu führt, dass die Corona-Ansteckungsgefahr weitgehend gebannt ist, sollten wir derlei Verhaltensnormen ganz schnell wieder ad acta legen. Überempfindlichkeit ist ein soziales Gift. Menschen sind natürliche Geschöpfe voller Bakterien, und gerade der ständige Kontakt mit und die Nähe zu anderen stärkt unsere Körper darin, mit Keimen, Viren, Erregern und anderen Zumutungen fertig zu werden.

Das gilt nicht nur für unsere Körper, sondern auch für die Seele. Wer sich nicht auf andere Menschen einlässt, wer Nähe und auch mal kleine Verletzungen scheut, wird übersensibel, kompliziert und einsam. Daher ist die viel gepriesene Digitalisierung auch kein Allheilmittel. Wenn sie dazu führt, dass die Leute ihre vier Wände nicht mehr verlassen, nur noch im Internet shoppen und streamen, Innenstädte, Kinos, Clubs veröden und reale Kontakte wegbrechen, ist das kein Fortschritt, sondern eine Katastrophe. „Social Distancing“ macht in der aktuellen Notlage Sinn, ansonsten ist es Bockmist. Sobald diese Pandemie besiegt ist, sollten wir uns wieder ganz nahekommen, wo immer das geht.

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