Preis der Freiheit

„Wir würden potenziellen Tätern zu viel Macht geben, wenn wir uns einmauern.“

Nur langsam löst sich Trier aus dem Schock der Amokfahrt vom Dienstag. Die Tat löste Entsetzen in ganz Deutschland aus. Einerseits natürlich, weil fünf Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby. 14 weitere Menschen wurden verletzt. Andererseits zeigt diese Tat auf grausame Art und Weise, wie verletzlich eine freiheitsliebende Gesellschaft wie unsere ist. Die Wahl der Opfer war willkürlich. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort.

Die Rufe nach einem härteren Durchgreifen werden mal wieder lauter. Das war schon nach dem Attentat am Berliner Breitscheidplatz Ende 2016 und nach der Amokfahrt von Münster anderthalb Jahre später so. Das Attentat in Berlin war das Werk eines Islamisten. Die Amokfahrten in Münster und nun in Trier wurden von verwirrten Einzeltätern verübt. Sie verfolgten keinen terroristischen Zweck. Eines eint die Taten aber: In allen drei Fällen waren Fahrzeuge die Mordwaffe.

Muss man deshalb jetzt Deutschlands Innenstädte abriegeln? Im Falle Triers würde das bedeuten, eine kilometerlange Fußgängerzone abzusperren. Und selbst dann würde es bei den vielen Zufahrten einer historisch gewachsenen Innenstadt keine absolute Sicherheit geben. Das ist der Preis unserer Freiheit. Wir würden potenziellen Tätern zu viel Macht geben, wenn wir uns einmauern – gerade jetzt, wo uns Corona so viel abverlangt.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder