Grenzkontrollen – was sonst?

„Grenzabfertigung ist eine Mickymaus-Veranstaltung. Manche Rückkehrer füllen ihre Einreiseauskunft mit Falschauskünften und Fantasienamen aus.“

Am 1. Januar erhielt die Weltgesundheitsorganisation eine Mitteilung, in der ein Cluster von Lungenentzündungen unbekannter Ursache in der Stadt Wuhan gemeldet wurde. So fing es an, so vage, so fern, irgendwo in China. Hellhörig wurden nur Fachleute.

Wir haben die Unschuld verloren. Die Nachrichten aus Großbritannien und Südafrika über eine neue Variante von Sars-CoV-2 lösen europaweit Ängste aus. Nicht etwa, weil Mutationen bei Viren ungewöhnlich wären, sondern weil die Variante deutlich ansteckender als die bisherige Form sein könnte.

Real ist die Gefahr, dass sich mehr Menschen infizieren und sich die Corona-Krise verschärft. Nur eine Befürchtung ist, dass die Mutation eine Impfaktion unwirksam macht. Daneben wirft die Mutation eine Frage auf, die zuletzt verdrängt wurde: Wie schneidet man dem Virus den Weg ab?

Die Einstellung des Flugverkehrs nach Großbritannien ist nur eine Notlösung mit Kurzzeitwirkung. Man muss die Grenzen nicht schließen, sehr wohl aber im Sinne des Infektionsschutzes strenger kontrollieren. Das heißt: Genauer nachverfolgen, ob Einreisende Quarantäne einhalten oder einen Test vorweisen können.

In Wahrheit ist die Grenzabfertigung eine Mickymaus-Veranstaltung. Manche Rückkehrer füllen ihre digitale Einreiseauskunft mit falschen Auskünften und Fantasienamen wie Donald Duck aus. Verantwortlich für das für Missbrauch anfällige Registrierungssystem ist Gesundheitsminister Spahn und mittelbar sein Kabinettskollege Seehofer, weil er dazu schweigt.

Im Falle Großbritanniens hat es keine negativen Folgen, weil bei Einreisenden aus Drittstaaten die Identität überprüft wird. Aber das Virus kann auch in Frankreich, Österreich oder woanders im Schengenraum mutieren. Höchste Zeit, die Kontrollfrage europaweit auf den Prüfstand zu stellen.

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