Das Paläon geht zum Juli in Landesregie über

Schöningen.   Das Landesamt für Denkmalpflege soll den Weiterbestand des Paläon sichern. Ein tragfähiges Gesamtkonzept fehlt aber offenbar noch.

Die Schöninger Speere - die ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen der Menschheit - werden im Forschungs- und Erlebniszentrums Paläon ausgestellt. Das Paläon geht in die Regie des Landes über.

Die Schöninger Speere - die ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen der Menschheit - werden im Forschungs- und Erlebniszentrums Paläon ausgestellt. Das Paläon geht in die Regie des Landes über.

Foto: Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Das Schöninger Speere-Museum und Erlebniszentrum Paläon steht offenbar vor einem schwierigen Übergang in die Regie des Landes. Zwar soll das Paläon außerschulischer Lernort bleiben. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion hervor. Der Antrag sei bereits gestellt. „Im NLD (Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege) soll die Gesamtleitung der Aufgabenbereiche Forschung und Vermittlung der Archäologie jägerisch lebender Frühmenschengruppen (...) wahrgenommen werden“, heißt es in der Antwort weiter. Ab dem 1. Juli 2019 werde die Vermittlung unter der Regie des NLD stattfinden.

Auch beim Land hatte es Überlegungen gegeben, die Gesellschafter der GmbH weiter für Aufgaben des lokalen Betriebs einzubinden. „Das über die GmbH abzuwickeln, wäre die günstigste Variante“, hatte die Helmstedter CDU-Abgeordnete Veronika Koch zum Jahresbeginn unserer Zeitung gesagt. Auch hatte der Plan auf dem Tisch gelegen, dass sich das Land um die wissenschaftlich relevanten Aspekte, die Paläon GmbH hingegen um den lokalen Betrieb kümmert. Diese Lösung soll das Wissenschaftsministerium am Ende allerdings abgelehnt haben. Nun soll die GmbH aufgelöst werden. Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hatte im Vorjahr den Übergang des Paläon auf das Landesamt angekündigt. In der Paläon-GmbH war das Land nie vertreten, hatte aber mit Landesgeld entscheidend zur Finanzierung beigetragen. „Wichtig ist, dass wir das Paläon im Bestand sichern, um nicht jedes Jahr wegen eines Defizits in die Lage zu kommen, Geld nachschießen zu müssen“, hatte Thümler erklärt. Die 300.000 Jahre alten Speere gelten als Fund von Weltrang. Das Engagement aus der Region sei auch in der neuen Struktur ganz wichtig, so Thümler.

Gesellschafter der GmbH sind der Landkreis Helmstedt, die Stadt Schöningen, Braunschweigische Stiftung, Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, Allianz für die Region sowie der Förderverein Schöninger Speere. Im März 2019 hatte eine Sprecherin des Ministeriums erklärt, man sei in konstruktiven Gesprächen mit der Paläon GmbH. Aus Kreisen in der Region hieß es dagegen, das Land habe versäumt, sich den Problemen zu stellen. Dazu zählt weiterhin die Finanzierung: 300.000 Euro sollen durch „Synergieeffekte aus der neuen Organisation sowie Einnahmen generiert werden“. „Wir befürchten, dass das Paläon künftig stärker wissenschaftlich ausgerichtet ist und weniger Angebote machen wird“, sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Viehoff. Verdi hatte erklärt, das Paläon werde kaputtgespart. Einschränkungen unter anderem bei den Öffnungszeiten werden erwartet. Das NLD hatte lediglich fünf neue Stellen für den Weiterbetrieb ausgeschrieben. Der Betriebsrat des Paläon hatte immer wieder ein Konzept angemahnt.

Konzentriert sich das Landesamt auf den Betrieb des Forschungs- und Museumsbereichs sowie den Erhalt des außerschulischen Lernortes, stellt sich die Frage, wer sich um Gastronomie, Shop, Außenbereich samt Wildpferden, Tagebau-Infopunkt samt historischer Großmaschinen und weitere nicht-museale Angebote kümmert. Publikumswirksame Veranstaltungen wie Open-Air-Konzerte, Drachenfeste, Oldtimer-Treffen und sogar Beach-Handball-Turniere waren wichtige Bausteine, die das Paläon als wirtschaftlich-touristischen Anziehungspunkt gestärkt haben.

„Wenn dies durch regionale Akteure, in welcher Organisationsform auch immer, fortgeführt werden soll, geht dies nicht ohne Finanzierung“, sagt Schöningens Bürgermeister Henry Bäsecke. Nur mit Einnahmen aus der Pacht für Museum und Bistro könne das nicht geleistet werden. Einen Grundstock könnten die jeweils 100.000 Euro bilden, die Stadt und Landkreis zum Paläon-Betrieb beisteuern.

Doch dieses Geld soll offenbar in den Museumsbetrieb fließen. Darauf besteht laut Bäsecke auch Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). „Dann würden Stadt Schöningen und der Landkreis ein Landesmuseum finanzieren. Wie sollen wir das den Bürgern erklären?“, sagt er. Zudem dürften nach Vorgaben des Innenministeriums weder Kreis noch Stadt mehr als diese 100.000 Euro aus ihren Haushalten für den Zweck Paläon bereitstellen.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Kein Plan fürs Paläon

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