Tausende streiken am Freitag fürs Klima – auch in der Region

Hannover.  In Niedersachsen und in unserer Region gibt es zahlreiche Aktionen. Kultusminister Tonne sagt: Die Schulpflicht gilt.

Im Mai gingen Schüler in Gifhorn für das Klima auf die Straße.

Im Mai gingen Schüler in Gifhorn für das Klima auf die Straße.

Foto: Reiner Silberstein / Archiv

Dem Aufruf der Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) zu einem globalen Klimastreik an diesem Freitag, 20. September, wollen in Niedersachsen Tausende Menschen folgen – auch in unserer Region. Kirchen, städtische Einrichtungen und Organisationen unterstützen den Protest der gut 70 FFF-Ortsgruppen. „Fridays for Future“ erwartet weltweite Demonstrationen. Die Aktivisten fordern die Politik auf, alles zu tun, um die Emission von Treibhausgasen so schnell wie möglich erheblich zu reduzieren.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sieht für die Schulen in Niedersachsen viele Möglichkeiten, den Klimastreik an diesem Freitag zu thematisieren. Für einzelne Schüler gelte zwar unverändert die Schulpflicht, stellte Tonne am Mittwoch klar. „Wenn Schüler in eigener Entscheidung demonstrieren, ist das ein Statement.“ Außerdem hätten Schulen die Möglichkeit, die Klimaproblematik zu thematisieren, betonte Tonne. Neben der Auseinandersetzung im Fachunterricht bestehe die Möglichkeit von Projektarbeit oder Aktionstagen. Ebenfalls können die Schulen eine Teilnahme an den Demonstrationen am Freitag ermöglichen. Die Regelung der Aufsichtspflicht müssten die Schulen in dem Fall klären und den Eltern mitteilen.

Schüler sollten aus Sicht des niedersächsischen Philologenverbandes außerhalb der Schulzeit demonstrieren. „Die Schulpflicht gilt, da darf nicht mit mehrerlei Maß gemessen werden“, sagte der Vorsitzende Horst Audritz. Klimaschutz über regelwidriges Verhalten wie das Schulschwänzen erreichen zu wollen, sei der Sache nicht dienlich. „Das Ziel, eine globale Aufmerksamkeit durch Freitagsproteste während der Schulzeit zu erlangen, ist erreicht. Nun muss es darum gehen, die Bewegung weiterzutreiben, und dies ist in der schulfreien Zeit ebenso gut möglich.“

Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers warb bei Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen für den Streik. „Am 20. September setzt die Welt ein Zeichen und jede und jeder ist aufgerufen, dabei zu sein“, sagte Landesbischof Ralf Meister. «Wenn wir als Christen an den Demonstrationen in unseren Städten und Dörfern teilnehmen, zeigen wir, dass für uns die Zukunft dieser Schöpfung, unserer Erde, ein entscheidendes Anliegen ist.“ Auch die evangelisch-lutherische Kirche in Oldenburg rief zu Aktionen, Gottesdiensten und Andachten anlässlich des globalen Klimastreiks auf. In Göttingen forderte die Organisation Parents-for-Future alle Erwachsenen, Organisationen und Unternehmen auf, auf die Straße zu gehen. „Der beste Zeitpunkt, für Klimaneutralität zu kämpfen, war vor 30 Jahren. Der letztmögliche Zeitpunkt, einen gefährlichen Klimakollaps hinauszuzögern, ist jetzt“, schrieb die Gruppe.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen schlug den Schulen im Land vor, dienstkonforme Möglichkeiten zur Teilnahme am Streik zu prüfen. „Dies kann zum Beispiel ein Projekttag oder eine Klassen-Exkursion sein“, sagte die Landesvorsitzende Laura Pooth. Auch die Gewerkschaft Verdi unterstützt Aktionen für mehr Klimaschutz. Sie rief dazu auf, sich am 20. September zu beteiligen – außerhalb der Arbeitszeit. Die Industriegewerkschaft Bau forderte die Beschäftigten in den Betrieben auf, mit einer längeren Mittagspause ein Zeichen zu setzen. Arbeitgeber bat sie, Beschäftigten die Teilnahme an Klima-Demos zu ermöglichen.

Klimaschutz ist aus Sicht der Unternehmerverbände Niedersachsen ein wichtiges Anliegen. Das Mittel des Streiks sieht die Dachorganisation für Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände allerdings kritisch. „Ein Streik ist ein legitimes Mittel des Arbeitskampfes zwischen tarifgebundenen Arbeitgebern und Gewerkschaften“, sagte die Sprecherin. Eine Teilnahme am Klimastreik während der Arbeitszeit sei eine arbeitsrechtliche Pflichtverletzung und könne Folgen bis zu einer Kündigung haben.

Der weltweite Klima-Aktionstag in unserer Region am Freitag, 20. September

Braunschweig: Der FFF-Generalstreik beginnt 10 Uhr mit Musik und Reden auf dem Schlossplatz, ab 12.15 Uhr ist eine Zwischenkundgebung auf dem Kohlmarkt geplant. Die Demo bildet den Auftakt für die Klima-Woche in Braunschweig: Bis 27. September gibt es einige Dutzend Veranstaltungen mit vielen Partnern.

Gifhorn: Fridays for Future (FFF) Gifhorn demonstriert von 10.30 Uhr an in der Gifhorner Innenstadt. Der Demonstrationszug führt über gesperrte Straßen vom Schillerplatz zum Rathaus. Dort gibt es eine Kundgebung und fünf Stände örtlicher Aktivgruppen wie Parents for Future oder Food Saver Gifhorn. Kirchengemeinden läuten mittags zehn Minuten lang die Glocken.

Helmstedt: Wie eine Umfrage unserer Zeitung an den weiterführen Schulen des Landkreises ergab, sind für Freitag keine Aktionen oder Demonstrationen von Schülerseite geplant.

Peine: Die FFF-Ortsgruppe Peine demonstriert ab 12 Uhr vor dem Rathaus (Eingang Werderpark). Es gibt einen Umzug durch die Innenstadt bis zum Kreishaus mit Aktionen wie „Hüpfen für den Kohleausstieg“. Vorm Kreishaus ist ein Abschluss-Redebeitrag geplant.

Salzgitter: Die FFF-AG am Gymnasium Salzgitter-Bad veranstaltet eine Podiumsdiskussion in der Schulaula. Ab 11.30 Uhr diskutieren die Schüler mit Vertretern aller Fraktionen aus dem Salzgitteraner Stadtrat über den Klimawandel.

Wolfenbüttel: Am dritten globalen Klimastreiktag gibt es erstmals eine Veranstaltung in Wolfenbüttel von 10 bis 13 Uhr auf dem Stadtmarkt. Bis 11 Uhr gibt es Redebeiträge, dann folgen ein Demozug durch Wolfenbüttel mit kurzen Zwischenstopps und gegen 12 Uhr eine Abschlusskundgebung. Veranstalter sind die FFF-Ortsgruppe mit Umweltverbänden und den örtlichen Gewerkschaften, die auch Infostände aufbauen.

Wolfsburg: Die Demonstration in Wolfsburg beginnt um 12 Uhr am Hauptbahnhof. Neben der FFF-Ortsgruppe sind der BUND und Verdi dabei. Die Gewerkschaft ruft dazu auf, sich an der Kundgebung zumindest zeitweise zu beteiligen, auszustempeln und gegebenenfalls die Mittagspause dafür zu nutzen.

Weitere Informationen gibt es auf einer interaktiven Karte im Internet: https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/

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