Hausärztemangel erreicht die Großstädte

Braunschweig.  Laut Kassenärztlicher Vereinigung kommen auf Salzgitter und Wolfsburg Probleme zu. Dort ist es schon heute schwer, frei werdende Praxen zu besetzen.

Jörg Berling und Thorsten Kleinschmidt von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen sehen Handlungsbedarf.

Jörg Berling und Thorsten Kleinschmidt von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen sehen Handlungsbedarf.

Foto: Oliver Berg / dpa

Der Hausärztemangel auf dem Land ist in aller Munde. Schon heute fehlen viele Praxen, Patienten warten lange auf Termine, die Wartezimmer sind überfüllt. Das könnte in Zukunft auch auf Bewohner von Großstädten zukommen, warnt Jörg Berling, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen.

In Niedersachsen fehlen laut Berling zur Zeit 355 Hausärzte.Gerade wird eine neue Bedarfsplanung erarbeitet: Danach könnte die Zahl auf 445 steigen. Und das Ende ist noch nicht erreicht. Denn in Zukunft könnten laut Kassenärztlicher Vereinigung auch der Ärztenachwuchs in Großstädten ausbleiben. Davon betroffen ist auch unsere Region.

In Braunschweig besteht zur Zeit eine Hausarzt-Auslastung von 110 Prozent. Das heißt: Es gibt so viele Hausärzte, dass sich keine neuen niederlassen können. In Salzgitter und Wolfsburg sieht das ganz anders aus. Während in Wolfsburg die Auslastung nur noch knapp über 100 Prozent liegt, ist sie in Salzgitter schon unter die 100-Prozent-Marke gerutscht.

„Diese Entwicklung ist in den letzten fünf Jahren geschehen“, sagt Thorsten Kleinschmidt, Vorsitzender des Bezirksausschusses Braunschweig der Kassenärztliche Vereinigung. Davor war die Auslastung noch so hoch, dass sich keine neuen Ärzte niederlassen durften. Und der Trend geht nach unten. Und das, obwohl der Bedarf in den nächsten Jahren stark steigen wird.

Denn: 80 Prozent der Ärzte in Salzgitter sind über 50 Jahre alt, 30 Prozent sogar über 60. In wenigen Jahren können die Mediziner in Rente gehen. Und Nachwuchs ist nicht in Sicht. „Schon jetzt ist es schwer, wegfallende Stellen neu zu besetzen“, sagt Kleinschmidt. Das Bild in Wolfsburg ist sehr ähnlich.

Auf Braunschweig scheinen zunächst keine Probleme zuzukommen. Geht dort ein Arzt in Rente, stehen laut Kleinschmidt die Nachfolger schon Schlange. Grund dafür sei die gute Infrastruktur, die Braunschweig bietet. Städten wie Wolfsburg und Salzgitter fehle diese zum Teil.Antworten

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