Juden in Niedersachsen fordern mehr Polizeischutz

Braunschweig.  Das LKA prüft die Gefährdungslage. Laut Landesinnenministerium ist die Zahl antisemitischer Straftaten zuletzt nicht gestiegen.

Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht vor der Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hannover.

Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht vor der Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hannover.

Foto: Sina Schuldt / dpa

Nach dem tödlichen Anschlag in Halle beklagen einige jüdische Gemeinden in Niedersachsen mangelnden Polizeischutz. „Leider ist es üblich, dass Synagogen auch an Feiertagen nicht geschützt werden“, sagte die Vorsitzende des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden, Katarina Seidler. „Das ist ein Skandal.“ Zuvor hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben.

„So etwas wie in Halle kann jeden Tag überall passieren. Niedersachsen ist keine Insel“, betonte Katarina Seidler. Die Vorsitzende des liberalen Landesverbands will sich mit dem Zentralrat beraten. Vorsichtiger äußert sich im Gespräch mit unserer Zeitung Renate Wagner-Redding, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Braunschweig. „Wir haben ja schon Sicherheitsvorkehrungen“, sagt sie. Zum Beispiel müsse sich jeder Besucher der Veranstaltungen anmelden. „Doch natürlich müssen die Vorkehrungen jetzt strenger werden.“ Eigentlich ist Wagner-Redding der Ansicht, dass die Anwesenheit der Polizei auf manche „bedrückend“ wirken könne. „Aber nun? Wir werden uns wohl daran gewöhnen, dass immer Polizei vor der Tür stehen muss.“

Landesvorsitzender Fürst: Sie können rechte Straftäter nicht belehren, Juden sind ihre Feinde

Der Landesvorsitzende der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, forderte eine klare Haltung des Staates und auch der Justiz gegenüber antisemitischen Tätern. „Sie können rechte Straftäter nicht belehren, Juden sind ihre Feinde.“ Fürst warnte am Donnerstag aber vor Angstmacherei. „Ich will eine offene jüdische Gemeinde“, sagte er.

Das Landeskriminalamt wurde indes mit einer fortlaufenden Gefährdungsbewertung der jüdischen Einrichtungen beauftragt. Dazu zählen Synagogen, Bethäuser und Gemeindehäuser. Die Zahl der antisemitischen Straftaten war 2018 laut Landesinnenministerium auf 99 zurückgegangen, gegenüber 128 im Jahr 2017. Zahlen fürs erste Halbjahr 2019 teilte das Ministerium noch nicht mit.

Hier lesen Sie die Reaktion auf den Terror von Halle aus Niedersachsen und der Region.

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