Umfrage zu OB-Wahl in Hannover: CDU vor Grün - SPD droht Fiasko

Hannover.  Ein Dreikampf zeichnet sich ab: Zum ersten Mal in der Nachkriegszeit droht der SPD eine Niederlage bei der Oberbürgermeisterwahl in Hannover.

Das am Maschteich gelegene Neue Rathaus im Zentrum Hannovers. Es wird spannend, wer hier künftig als Oberbürgermeister die Amtsgeschäfte führt.

Das am Maschteich gelegene Neue Rathaus im Zentrum Hannovers. Es wird spannend, wer hier künftig als Oberbürgermeister die Amtsgeschäfte führt.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Der SPD droht bei der Oberbürgermeisterwahl in Hannover laut einer Umfrage eine historische Niederlage. Der CDU-Kandidat Eckhard Scholz liegt in der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (Samstag) mit 28 Prozent vorn, gefolgt vom Grünen-Politiker Belit Onay mit 26 Prozent.

Der SPD-Bewerber Marc Hansmann kommt in der repräsentativen Umfrage demnach mit 23 Prozent nur auf Platz drei - damit würde er sogar die Stichwahl verpassen. Der AfD-Kandidat Joachim Wundrak, ein früherer Luftwaffengeneral, kommt auf 7 Prozent.

SPD würde erstmals in Nachkriegszeit nicht den OB stellen

Für die SPD wäre es das erste Mal in der Nachkriegsgeschichte, dass sie nicht den Oberbürgermeister in der Landeshauptstadt stellt. Die Wahl am 27. Oktober folgt auf die sogenannte Rathausaffäre, im Zuge derer der bisherige Amtsinhaber Stefan Schostok (SPD) wegen einer Untreueanklage zurücktrat. Zehn Kandidaten bewerben sich um seine Nachfolge. Falls wie erwartet keiner der Bewerber im ersten Anlauf mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, gibt es eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten am 10. November.

Besonders die Grünen reagierten optimistisch auf die Zahlen. „Die Umfrage ist schon jetzt ein sensationeller Erfolg für alle, die zusammen für einen echten Aufbruch kämpfen“, schrieb der Zweitplatzierte Onay, bisher Landtagsabgeordneter, auf Twitter. Zuspruch bekam er vom früheren Bundesumweltminister Jürgen Trittin: „Da geht was bei der OB-Wahl in Hannover.“

Jeder dritte Hannoveraner unentschlossen oder Nichtwähler

Forsa befragte insgesamt 1002 wahlberechtigte Bürger Hannovers per Telefon. Für einen Kandidaten entschieden haben sich demnach allerdings erst 61 Prozent der Teilnehmer. Somit ist mehr als jeder Dritte noch unentschlossen oder will nicht zur Wahl gehen.

Die Rathausaffäre hat den Zahlen zufolge bei 30 Prozent der Teilnehmer Einfluss auf die Wahlentscheidung. Als drängendstes Thema in der Stadt wurde am häufigsten allerdings die Wohnungsnot (23 Prozent) genannt, gefolgt von Baustellen (19 Prozent) und Verkehrsproblemen allgemein (18 Prozent).

Anklage wegen schwerer Untreue gegen Schostock

Die Staatsanwaltschaft hatte Ende April Anklage wegen schwerer Untreue gegen Schostok, seinen damaligen Bürochef und den suspendierten Kultur- und früheren Personaldezernenten erhoben. Es geht um rund 64 000 Euro an Zuschlägen für den Bürochef und den früheren Feuerwehrchef.

Schostok soll laut Anklage von der Unzulässigkeit der Zulagen erfahren haben, ohne deren Zahlung zu stoppen. Er hält sich für unschuldig, trat aber im Frühjahr zurück. Ob und wann es zu einem Prozess kommt, hat das Landgericht noch nicht entschieden. dpa

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