Weniger Corona-Infektionen in Niedersachsens Pflegeheimen

Hannover.  Sie waren die gefährlichsten Infektionsherde, die Menschen in ihnen die verletzlichsten. Langsam entspannt sich die Situation in Pflegeheimen.

Die Lage in den Pflegeheimen Niedersachsens hat sich entspannt. Nur noch in einem Heim gibt es einen Infektionsherd mit über 20 Infizierten.

Die Lage in den Pflegeheimen Niedersachsens hat sich entspannt. Nur noch in einem Heim gibt es einen Infektionsherd mit über 20 Infizierten.

Foto: Oliver Berg / dpa

Die Corona-Lage in niedersächsischen Alters- und Pflegeheimen hat sich entspannt. Nach einer Auswertung des Gesundheitsministeriums sind derzeit rund 60 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 21 Pflegeheimen infiziert. Die Zahlen seien im Vergleich zu den Vormonaten deutlich gesunken, sagte eine Ministeriumssprecherin. Dennoch ist das Virus für Menschen in Pflegeeinrichtungen eine besondere Gefahr, wie die Statistik zeigt. Fast die Hälfte der rund 630 bislang mit dem Virus in Niedersachsen gestorbenen Menschen lebte in einem Pflegeheim.

Besserer Zugang zu Schutzausrüstung verbessert die Infektionssituation in Niedersachsen

Aus Sicht der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege ist die Situation in den niedersächsischen Heimen derzeit sehr stabil. „Es gab einzelne Situationen, die aber lokal begrenzt blieben und auch in den Einrichtungen gut kontrolliert waren“, sagte Jens Starkebaum. Inzwischen sei es einfacher, an Schutzmaterialien zu kommen. „Das hat sich deutlich entspannt. Notwendig bleibt aber eine garantierte Verfügbarkeit von ausreichend Schutzausrüstung in Deutschland.“ Außerdem sei ein umfassendes Testprogramm wichtig.

Pflegekräfte müssten regelmäßig und unabhängig von Verdachtsgründen getestet werden. „Die Testkapazitäten dafür sind da und sollten kostenfrei zur Verfügung gestellt werden“, so Starkebaum, der Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist. Der Verband hat derzeit den Vorsitz der Landesarbeitsgemeinschaft, zu dem auch Bezirksverbände der Arbeiterwohlfahrt, Verbände der Caritas, des Deutschen Roten Kreuzes, Einrichtungen des Diakonischen Werkes und der Landesverband der Jüdischen Gemeinde von Niedersachsen gehören.

In Oyten liegt der letzte Infektionsherd Niedersachsens

Einen Ausbruch mit mehr als 20 Infizierten gibt es den Daten der Landesregierung zufolge derzeit nur in einer Einrichtung im Landkreis Verden. In dem Altersheim in Oyten wurden bis Dienstag 33 Bewohner sowie 17 Beschäftigte positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet. Fünf infizierte Menschen aus dem Heim sind gestorben. Um weitere Infektionen früh zu erkennen, wurden die Beschäftigten von allen neun Pflegeheimen in Oyten getestet.

Wie gefährlich das Virus für Heimbewohner sein kann, zeigte sich im April in einer Einrichtung für Menschen mit demenziellen Erkrankungen in Wolfsburg. Dort breitete sich das Virus aus, nach Angaben der Stadt starben bislang 45 Bewohner mit einer Coronavirus-Infektion. Seit Anfang Mai gab es keine Todesfälle mehr. „Im Hanns-Lilje-Heim sowie in allen anderen Pflegeeinrichtungen im Stadtgebiet sind bereits seit mehreren Wochen keine neuen Infektionsfälle aufgetreten“, sagte die Sprecherin der Stadt.

In Niedersachsen gibt es über 100.000 Pflegeplätze

In Niedersachsen gibt es nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes rund 1980 Pflegeheime. Davon sind etwa 1230 in privater Trägerschaft, 700 in freigemeinnütziger Trägerschaft und 50 in der öffentlichen Hand. Demnach bieten alle Träger zusammen etwa 114 000 Pflegeheimplätze an und haben insgesamt rund 90 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, ambulante Pflegedienste und Einrichtungen für betreutes Wohnen stehen der Landesarbeitsgemeinschaft zufolge vor den gleichen Herausforderungen wie Alters- und Pflegeheime.

4717 Infizierte in Niedersachsen – 23 Corona-Tote in Wolfsburg

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