Niedersachsens Schweinezüchter fürchten Afrikanische Schweinepest

Hannover.  Im Kadaver eines in Brandenburg verendeten Wildschweins haben Behörden die Afrikanische Schweinepest festgestellt. Bauern sorgen sich um den Export.

Ein Fall der Afrikanischen Schweinepest kostet Deutschland den Status als „seuchenfrei“. Bereits kurz darauf sinken die Preise, die Halter sorgen sich um den Export. An der deutsch-polnischen Grenze trug ein verendetes Wildschwein das Virus in sich. (Archivbild)

Ein Fall der Afrikanischen Schweinepest kostet Deutschland den Status als „seuchenfrei“. Bereits kurz darauf sinken die Preise, die Halter sorgen sich um den Export. An der deutsch-polnischen Grenze trug ein verendetes Wildschwein das Virus in sich. (Archivbild)

Foto: Jens Büttner / dpa-tmn

Das Eindringen der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland macht den niedersächsischen Schweinehaltern wirtschaftlich große Sorge. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften von Vieh und Fleisch (VEZG) setzte am Freitag außer der Reihe den Erzeugerpreis für Schweinefleisch neu fest und senkte ihn von 1,47 Euro um 20 Cent auf 1,27 Euro je Kilogramm. „Das ist ein erheblicher Effekt“, sagte Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Mastschwein mache der Wertverlust etwa 20 Euro aus.

Wegen einem Fall der Afrikanischen Schweinepest gilt Deutschland nicht mehr als „seuchenfrei“

„Es ist aktuell nur ein Fall eines einzigen Wildschweins“, sagte Ehlers. Die Tierseuche sei nicht in einen Bestand von Hausschweinen eingedrungen, und Deutschland sei dagegen gut gerüstet.

Die für Menschen ungefährliche Tierseuche wurde bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nachgewiesen. Der Kadaver des Wildschweins war wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt gefunden worden. Damit verliert Deutschland den Status als „seuchenfrei“. Nun können Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen, vor allem nach China.

Der größte Abnehmer für deutsches Schweinefleisch ist China

Nirgendwo in Deutschland ist die Schweinebranche größer als in Niedersachsen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Hannover gibt es 5200 Betriebe mit 8,3 Millionen Tieren. Etwas weniger zählte die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn. Sie ging für Anfang Mai von 5100 Schweinehalterbetrieben mit 8,08 Millionen Schweinen aus. Den Umsatz in Niedersachsen beziffert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands in Damme (Kreis Vechta) auf etwa 3,5 Milliarden Euro in guten Jahren.

Als Empfänger deutscher Schweinefleischexporte liegt China an der Spitze. 380.000 Tonnen wurden in der ersten Jahreshälfte nach dort geliefert. China nehme auch Schnauzen, Ohren und Pfoten ab, die in Deutschland nicht gefragt seien, sagte Wolfgang Ehrecke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg. „Alles was wir in Deutschland nicht so gerne essen, wird nach Asien exportiert. Das war ein gutes Geschäft.“

Niedersachsen hat vorgesorgt: Es gibt Seuchenschutzpläne

Zwar hat Südkorea Importe aus Deutschland schon gesperrt. Die Hoffnung der Schweinehalter ruht darauf, dass China trotz des einen Schweinepestfalls weiter importiert. „China braucht massiv Schweinefleisch“, sagte Landvolk-Vize Ehlers. Die deutschen Lieferungen seien nicht so leicht zu ersetzen, sagte auch Marktanalyst Matthias Quaing von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter. „Ein Schwein hat nun mal nur vier Pfoten.“

Auf den Ernstfall der Schweinepest in Niedersachsen haben sich die Betriebe nach Angaben von Landvolk und Kammer seit langem mit Seuchenschutzplänen vorbereitet. Als Behörde sind die Landkreise zuständig. Die Koordinierung in Niedersachsen liegt beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves).

Risikofaktor „Mensch“ – er transportiert das Virus über Ländergrenzen

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) beriet am Freitag in einer Telefonkonferenz mit den Landwirtschaftsverbänden. Es gebe eine rege Kommunikation, sagte eine Sprecherin. Der größte Risikofaktor bei der Abwehr des Schweinepest-Erregers sei der Mensch.

Der Mensch transportiere das Virus über Ländergrenzen hinweg, erläuterte der Präsident der niedersächsischen Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke, im Bremer „Weser-Kurier“. Das geschehe etwa „in Form von Wurstresten, die von einem infizierten Tier stammen und dann unachtsam an einer Raststätte entsorgt und von einem anderen Wildschwein gefressen werden“.

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