Gastwirten droht Bußgeld für Falschangaben auf Corona-Listen

Osterode.  Derartige Verstöße sollen künftig mit 50 Euro bestraft werden. Kontrollieren sollen die Angaben der Gäste im Zweifelsfall die Gastwirte selbst.

Ein Bogen zur Kontaktverfolgung in Gaststätten nach der Corona-Verordnung. Viele Gäste sind vernünftig und füllen diesen aus – manche erlauben sich aber einen Spaß oder weigern sich. Ausbaden müssen das am Ende die Gastwirte. Sie fühlen sich teilweise allein gelassen.

Ein Bogen zur Kontaktverfolgung in Gaststätten nach der Corona-Verordnung. Viele Gäste sind vernünftig und füllen diesen aus – manche erlauben sich aber einen Spaß oder weigern sich. Ausbaden müssen das am Ende die Gastwirte. Sie fühlen sich teilweise allein gelassen.

Foto: Marijan Murat / dpa

Das Land Niedersachsen sagt „Donald Duck“ und „Mickey Maus“ den Kampf an: 50 Euro Bußgeld soll es künftig kosten, wenn sich Gäste mit falschen Namen in die Corona-Kontaktlisten in Restaurants, Cafés und Kneipen eintragen – und so gegen die Corona-Regeln in Niedersachsen verstoßen. Gastwirte sollen die Einträge kontrollieren. Aber wie soll das funktionieren? Gaststätten-Betreiber aus Osterode, Göttingen und der Region berichten.

Unterschiedliche Erfahrungen mit falschen Namensangaben haben Gastwirte in Osterode, Scharzfeld und Bad Lauterberg gemacht. Im Café Hölmen in Osterode habe es noch keine Einträge von Spaßnamen in den Namenslisten gegeben. „Wir haben darauf gewartet, aber es kam noch nichts”, scherzt Dennis Sossna von der Personalführung. In dem Café könnten die Mitarbeiter das aber auch schnell überprüfen, sobald sie die Zettel von den Tischen einsammeln, sagt Sossna. Auch wenn er selbst noch keine Erfahrungen mit Fake-Einträgen gemacht hat, glaubt Sossna, dass das neu beschlossene Bußgeld in Höhe von 50 Euro die Vorfälle insgesamt verringern wird.

„Unsere Gäste sind vernünftig“

Auch in der Osteroder Kneipe Gotenschieter haben die Angestellten noch keine Falschangaben auf den Listen erkennen können, sagt Mitarbeiterin Jennifer Luthin. Das liege vor allem daran, dass viele Besucher der Kneipe zur Stammkundschaft zählen. Weil die Mitarbeiter viele Kunden ohnehin kennen, könnten sie die Einträge auch leichter überprüfen. „Unsere Gäste verhalten sich vernünftig”, so Luthin.

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Dieter Menzel vom Harzer Hof in Scharzfeld findet es nicht richtig, dass die Gastronomen jetzt die Kontrolle der korrekten Angaben übernehmen sollen. „Wir sind eh schon gebeutelt.“ Jetzt werde den Betrieben neben den Hygieneauflagen noch eine weitere Verantwortung aufgebürdet. Es gab im Harzer Hof auch schon einen Fall, wo ein Gast, den Menzel persönlich kennt, sich mit einem falschen Namen eingetragen hatte. Dafür habe er kein Verständnis und habe den Gast aufgefordert, das zu korrigieren. „Das war aber ein Ausnahmefall“, betont Menzel. „Wir achten da schon sehr drauf. Und wenn jemand sich weigert, seinen Namen einzutragen, muss er gehen.“ Die Gäste zeigten Verständnis für die Regelung. Aber wie er die Personalien im Zweifelsfall überprüfen soll, sei fraglich: „Ich kann ja nicht verlangen, den Ausweis zu sehen“, sagt Menzel. Er gehe aber grundsätzlich von der Vernunft seiner Gäste aus. Im Restaurant liegt auf jedem Tisch ein Zettel zum Ausfüllen. „Wir vertrauen darauf, dass die Angaben stimmen.“ Eine Strafe für falsche Angaben eines Gastes wäre für den Betrieb auf jeden Fall ärgerlich.

„Eine ganze Menge Spaßnamen” in Bad Lauterberg

„Wir weisen immer darauf hin, dass das Ordnungsamt uns kontrolliert”, sagt Jürgen Schnibbe, Inhaber des Café Schnibbe in Bad Lauterberg. Dennoch beklagt Schnibbe sich über „eine ganze Menge Spaßnamen”. Seine Mitarbeiter könnten diese falschen Eintragungen jedoch nicht immer kontrollieren. „Wenn der Laden voll ist, kann man das schon mal übersehen”, so Schnibbe. Dem Cafébesitzer fällt bei den falschen Namen allerdings eine Sache auf: Häufig tragen sich an einem Tisch gleich mehrere Personen mit falschen Namen ein, die als Freundeskreis in einer Gruppe unterwegs sind. Schnibbe kann es nicht verstehen, dass er dafür zuständig sein soll, wenn Gäste einen Fake-Namen in die Liste eintragen: „Wenn da Feuerteufel auf dem Zettel steht, bin nicht ich dafür zuständig”.

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„Franzmann aus Paris“

Die Betreiber des P-Cafés in Göttingen haben bereits mehrfach Erfahrungen mit Falschangaben auf den Kontaktlisten gemacht: „Wir hatten einen echten Ernstfall“, erzählt Inhaberin Nathalie Piskorz. Ein älterer Gast habe sich mehrfach als „Franzmann aus Paris“ vorgestellt und als Telefonnummer „012345“ eingetragen. „Dass er keinen Cappuccino mehr bekommt, wenn er sich weiter falsch einträgt, hat er dann aber irgendwann verstanden“, so Piskorz weiter. Insgesamt seien die Gäste des Cafés aber sehr gewissenhaft. Seit der Wiedereröffnung habe es nur eine Handvoll offensichtlicher Falschangaben gegeben. Wobei es oft schwierig sei, zwischen Kunstnamen und echten Namen zu unterscheiden. Daher könne man die Listen selbst auch nur schwer kontrollieren. „Wenn man ganz genau sein möchte, müsste man jedes Mal den Personalausweis kontrollieren, und das ist zeitlich und kapazitär gar nicht machbar“, sagt Piskorz.

„Ob sich die Leute falsch eintragen, kann ich gar nicht kontrollieren“, sagt Gerald Hemer, Inhaber der Göttinger Holzofen-Bäckerei am Leinekanal. „Ich würde sagen, dass sich 90 Prozent unserer Gäste korrekt eintragen, zehn Prozent füllen die Zettel gar nicht aus“, erzählt er. In der Holzofenbäckerei habe er aus Datenschutzgründen ein Briefkasten-System etabliert. Das führe aber auch dazu, dass die nicht ausgefüllten Zettel erst bei der Leerung der Briefkästen auffielen. Hemer meint, Gäste zu kontrollieren sei schwer möglich: „Wir können keine Personalausweise kontrollieren, die Gäste tragen sich freiwillig ein. Vielleicht haben die 50 Euro eine Abschreck-Funktion, aber an unserem System verändert das Bußgeld nichts.“

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Angst, Gäste zu verlieren

Manch ein Gaststätten-Betreiber steht wegen der neuen Regelungen vor einem ernsthaften Dilemma. So zum Beispiel Bahman Ayegh, Besitzer des Café Bistro Shirin in Göttingen. Das Bußgeld hält er für zwecklos. Der Grund: Es sei nicht durchsetzbar. Denn als Betreiber den Gast einer Personenkontrolle zu unterziehen, geschweige denn ihn zur Kontaktangabe zu drängen, sei „unmöglich“. Ayegh gesteht: „Wir haben Angst, unsere Gäste dadurch zu verlieren.“ Zum Glück seien in seinem Bistro noch keine Falschangaben auf den Listen vorgekommen. Im Café + Bar Esprit in Göttingen seien auf den Gästelisten bislang keine falschen Angaben aufgefallen, berichtet Inhaber Robert Vogel. Für solche Fälle ein Bußgeld zu verhängen, hält er jedoch für „zwingend notwendig“. Das Problem: Um festzustellen, ob sich jemand mit einem falschen Namen eingetragen hat, müssten die Personalien überprüft werden. Dazu sei er als Wirt nicht befugt, erläutert Vogel. Das Ordnungsamt solle daher „stichprobenartige“ Kontrollen durchführen, um die Auflage durchzusetzen, fordert er.

So sieht es auch der Geschäftsführer der Göttinger Kneipe Thanners und der Diva Lounge, Wolfgang Engelhardt: Seiner Erfahrung nach kommen die erfundenen Namen auf den Listen zwar „so gut wie nie vor“. Dennoch bewertet Engelhardt das Bußgeld als wichtige Maßnahme. Allerdings fragt auch er sich, wie dies ohne regelmäßige Kontrollen durch das Ordnungsamt durchsetzbar sein soll. „Die gibt es nämlich nicht.“ Dabei seien sie eine wichtige Voraussetzung, um sowohl die korrekten Kontaktangaben als auch beispielsweise das Einhalten der Abstandsregelung zu gewährleisten. Im Falle eindeutiger Scherznamen fährt Engelhardt eine klare Linie: „Rauswerfen und Hausverbot.“ Falls er sich nicht sicher sei, bitte er den Gast, den Personalausweis zu zeigen. Das könne aber kompliziert werden.

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Nach Angaben von Antonio Pizzano hat es im Restaurant Ratskeller in Duderstadt noch keine gravierenden Vorfälle bei der Eintragung in die Gästelisten gegeben. „Wir haben viele Stammgäste, die sich sogar sehr gut kümmern“, erzählt Pizzano. Dass Wirte künftig auch selbst genauer darauf achten sollen, dass sich Gäste korrekt eintragen, betrachtet er allerdings mit Skepsis: „Bei fremden Gästen sind falsche Angaben sehr schwer nachzuvollziehen. Wir achten darauf, dass alle nötigen Daten ausgefüllt werden. Scherznamen wurden bei uns bislang noch nicht aufgeschrieben, aber es könnte natürlich sein, dass Gäste beispielsweise falsche Adressen angeben.“ Es sei schwierig für Wirte, zwischen richtigen und falschen Angaben zu unterscheiden. „Die Ausweise lassen wir uns von den Gästen noch nicht zeigen“, berichtet Pizzano.

Andere Erfahrungen musste Tamer Tokaci in seinem Restaurant Alte Backstube in Duderstadt machen. „Bei uns gab es zwar keine Fake-Namen, aber dafür leider andere unschöne Fälle. Es gab Gäste, die teilweise nicht dazu bereit waren, sich in die Listen einzutragen, oder absichtlich unleserlich geschrieben haben. Wenn wir die Gäste dann darauf hingewiesen haben, dass wir sie unter diesen Umständen nicht bedienen dürfen, haben sie das Verlassen des Restaurants in Kauf genommen“, erzählt Tokaci. Der Inhaber schätzt die Kontrolle durch den Wirt selbst als schwierig ein: „Wir können Gäste bitten, leserlich zu schreiben, oder bei Verdacht auch nach den Ausweisen fragen. Allerdings liegen die Entscheidungen zu den Ausführungen dann bei den Gästen. Wir dürfen niemanden dazu zwingen, sich auszuweisen.“

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