Fahri Yardim: So viel Realität steckt wirklich in „jerks.“

München.   Fahri Yardim spricht im Interview über seine Rolle in „jerks.“, seinen Comedy-Kollegen Christian Ulmen und wahre Freundschaften.

Fahri Yardim ist ab Dienstag in der dritten Staffel von „jerks.“ zu sehen.

Fahri Yardim ist ab Dienstag in der dritten Staffel von „jerks.“ zu sehen.

Foto: Maurizio Gambarini

Zurzeit können Fernsehzuschauer Fahri Yardim nicht entkommen, den Telekom-Werbespots mit Freund und Partner Christian Ulmen sei Dank. Am Dienstag startet die dritte Staffel der hinreißend komischen Improvisationsserie „jerks.“ mit den beiden Dauernervern beim Streamingdienst Joyn.

Yardim kam 1980 als Kind türkischer Eltern in Hamburg zur Welt und wurde 2005 mit der TV-Serie „König von Kreuzberg“ bekannt. So schön wie Elyas M’Barek, aber auch verletzlicher und brutaler wie ein Schimanski, doch gesegnet mit einem stets aus seinen Augen blitzendem Schalk machte er Karriere, war etwa an der Seite von Til Schweigers als „Tatort“-Ermittler oder in Netflix’ „Four Blocks“-Abklatsch „Dogs of Berlin“. In der Hauptstadt lebt der Vater einer Tochter auch.

Herr Yardim, stimmt es denn, dass Ihr Name Fahri Yardim übersetzt so in etwa „Ehrenamtliche Hilfe“ bedeutet?

Fahri Yardim: Stimmt, was natürlich eine unfassbare Mogelpackung ist, eine große, unverschämte Lüge, was mich betrifft.

Sie sind nicht so der ehrenamtliche Typ?

Yardim: Im Innersten schon, aber ich komm’ nicht dazu. Mein schlechtes Gewissen prügelt mich jeden Tag, aber es reicht nicht für die edle Tat (lacht).

In „jerks.“ spielen Sie und Ihr langjähriger Freund Christian Ulmen zwei Vollpfosten, die in jedes Fettnäpfchen tappen. Wie kamen Sie denn dazu?

Yardim: Die Produktionsfirma hatte sich zuerst Christian Ulmen gekrallt und danach gab es ein stinknormales Casting, bei dem auch ich dabei war. Ich hatte also keinerlei freundschaftlichen Vorteil, es gab keine Vetternwirtschaft, nichts. Ich hab’ mich gegen die ganze hübsche Konkurrenz durchgebissen und mir den Job fair erkämpft (lacht). Dabei hatte ich erschwerte Bedingungen, weil Ulmen mir ständig Stöcke zwischen die Beine geworfen hat. Er wollte sich unbedingt beweisen, dass ich nicht bevorteilt werde.

Sie stammen beide aus Hamburg. Wie lange kennen Sie sich denn schon?

Yardim: Seit der Kindheit, erste Berührungspunkte gab es beim Judotraining. Er war damals schon älter als ich und hat mich mies auf die harten Matten geworfen. Das sieht man ihm heute ja leider nicht mehr an, dass er mal ein großer Athlet war. Ich mochte, wie er mich anpackte, er hat damals auch noch besser ausgesehen, er hat mit dem Alter ja doch schwer eingebüßt. Schöne Augen hat er immer noch, leider ist alles andere birnenförmig aufgequollen mit den Jahren. Seine inneren Landschaften sind dafür umso geschmeidiger.

Sind Sie privat auch so eng miteinander wie in der Serie?

Yardim: Wer Leid teilt, wie wir in „jerks.“, baut Vertrauen zueinander auf. Man lernt sich von seinen hässlichsten Seiten kennen und befreit damit alles, was der echten Verbindung im Weg stünde. Wir lieben uns, hängen aber nicht ständig miteinander rum. Er hat für mich aber immer eine Schulter, an die ich mich lehnen kann – auch weil sie so wabernd speckig und haarig gepolstert daherkommt.

Wie viel vom echten Fahri Yardim steckt in der Figur Fahri Yardim, die es in „jerks.“ zu sehen gibt?

Yardim: Alles. Es ist die reine Wahrheit über meine Person, die den Zuschauern entblößt wird, leider. Ich kann mich hinter mir selbst nicht verstecken. Ich bin in der Serie und im wahren Leben ein Abbild des männlichen Niedergangs, der Abgesang des Patriarchats, wie jemand treffend schrieb. Ich bin die Vergangenheit, auf die man hoffentlich bald entsetzt lächelnd zurückblicken wird.

Ist wirklich alles improvisiert in der Serie?

Yardim: Wirklich alles. Das Drehbuch gibt zwar vor, wo es in einer Szene hingehen soll, natürlich bedarf es eines roten Fadens. Aber wie wir den Rahmen füllen, bleibt unserer Allzumenschlichkeit überlassen.

Dann sind Sie quasi auf Knopfdruck unglaublich witzig, Kompliment…

Yardim: Wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ein Großteil des Gelingens auf den Nacken des Schneideraums geht. Wir drehen teilweise bis zu 20 Minuten lange Takes, da laufen zwei Kameras, die wirklich jeden Schwachsinn einfangen, von dem 95 Prozent im Schnitt rausfallen und der Rest blüht zur Perle. Christian siebt die Essenz, wie Sand durch ein Sieb. Und am Ende bleibt Gold hängen. Wir machen aus Gold Scheiße. Aber eben schöne Scheiße (lacht).

Es geht in der Serie ganz wesentlich um eine Männerfreundschaft. Haben Sie neben Christian Ulmen noch andere Freunde?

Yardim: Gott sei Dank ja, sonst könnte ich das Leben nicht ertragen. Ich habe ein paar sehr alte und sehr gute Hamburger Freunde, die mir die Stange halten. Die kannten mich alle schon, bevor ich zu meinen Höhenflügen angesetzt habe. Und die prügeln mich auch immer wieder rechtzeitig mit roher Gewalt auf den Boden zurück, wenn ich Anstalten mache, abzuheben.

Haben Sie ein Talent für Freundschaft?

Yardim: Weiß ich nicht, in erster Linie habe ich diese Freundschaften meinen Freunden zu verdanken. Die haben mich damals in die weite Welt ziehen lassen, aber ich krieche immer wieder demütig zu ihnen zurück und werde stets mit offenen Armen empfangen.

Zählt Til Schweiger, mit dem Sie im „Tatort“ zusammen spielen, auch zu Ihren Freunden?

Yardim: Unbedingt, wir haben uns vor vielen Jahren bei den Dreharbeiten zu der Komödie „Wo ist Fred?“ kennengelernt und ein bisschen ineinander verguckt. Seitdem sind wir uns freundschaftlich verbunden. Er ist im Gegensatz zu mir auch ohne Schnitt lustig.

Würde man gar nicht denken.

Yardim: Ja gut, man lernt nie aus, nä?

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