Schwanger mit 58: So erlebt diese Frau das späte Mutterglück

Berlin.  Dagmar Michalsky wurde mit 58 Mutter. Bei „Lanz“ erzählte sie vom späten Glück – und ließ sich von der Altherrenrunde nicht irritieren.

Dagmar Michalsky bekam im Alter von 58 Jahren eine Tochter. Bei Markus Lanz erzählte sie, wie sich das späte Mutterglück anfühlt.

Dagmar Michalsky bekam im Alter von 58 Jahren eine Tochter. Bei Markus Lanz erzählte sie, wie sich das späte Mutterglück anfühlt.

Foto: via www.imago-images.de / imago images / APress

Eine sehr süße Tochter habe sie, sagt Markus Lanz. Er habe Mutter und Kind und auch den Vater hinter der Bühne gesehen. Sehr süß. Da wiederholt sich der Moderator gern. Dagmar Michalsky ist bei ihm am Mittwoch zu Gast. Eine Frau, die im Alter von 58 Jahren Mutter geworden ist.

Und so „süß“ Lanz das alles findet: Schon im Stirnrunzeln zeigt sich, dass er jetzt mal auf das gesellschaftliche Tabu anspielen wird: So alte Mütter, normal ist das ja nicht.

„Normal“ – was heißt das eigentlich in einer hoch technisierten Kinderwunschmedizin, in der Retortenbabys ja längst „normal“ sind? Das Alter der Frau ist sicher ein Thema. Aber was ist eigentlich mit dem Alter des Mannes? Auch das möchte man als Zuschauer sofort einwerfen. Der alte Vater kennt keine Vaterscham. Ach: Mit 58 wär er ja auch noch gar kein alter Vater. Selbst mit siebzig ist ein Mann doch noch im besten Papa-Alter.

Markus Lanz - das waren die Gäste:

  • Michael Müller, Politiker
  • Rainer Hank, Publizist
  • Dagmar Michalsky, Autorin
  • Dr. Kay Löbbecke, Gynäkologe
  • Rolf Dobelli, Schriftsteller

Markus Lanz: Dagmar Michalsky erzählt von Eizellenspende

Das kann man nicht vergleichen, sagen viele Ärzte. Auch der Kinderwunschspezialist Kay Löbbecke hält eine Schwangerschaft mit 58 Jahren im Grunde für ein „No-go“. Männer seien eben häufig noch bis ins hohe Alter in der Lage, Kinder zu zeugen. Die Fruchtbarkeit der Frau nehme aber massiv ab. Und späte Schwangerschaften würden hohe Risiken für Frau und Kind bergen.

Dagmar Michalsky erzählt, dass sie per Eizellenspende schwanger geworden sei. Das würde man nicht so laut sagen, weil das in Deutschland verboten ist, erklärt sie. Löbbecke räumt ein, dass das Embryonenschutzgesetz die Eizellenspende in Deutschland verbiete. Man aber heute, nach etwa 30 Jahren intensiver Fertilisationsforschung, eigentlich umdenken müsste.

Die technischen Schwierigkeiten habe man stark minimieren können. Aber: Es gebe auch in den Ländern Europas, in denen die Eispende erlaubt ist (außer Deutschland, Schweiz, Norwegen und Luxemburg überall), eine Obergrenze von 50 Jahren.

Ärztin stärkte Dagmar Michalsky in der Schwangerschaft

Dagmar Michalsky sieht nicht älter aus als fünfzig. Ihre Ärztin habe ihr immer gesagt, wie erstaunlich fit sie ist. Fitter als manche deutlich jüngere Frau. Dass sie voller Energie sei und sicher eine tolle Mutter wird, habe ihr die Ärztin immer wieder bestätigt.

Sie hat ihren Partner (51) erst spät kennen gelernt, erzählt sie. Erst mit ihm sei der Wunsch entstanden, wirklich Mutter zu werden. Sie war nicht mehr im fruchtbaren Alter – und – noch ein Problem: Er war sterilisiert. So etwas technisch wieder herzustellen – keine wirkliche Sache, so der Kinderwunsch-Arzt.

Wie er es erklärt, klingt es

  • a) so einfach wie Fahrradreparieren und ist
  • b) frei von jeder Moralinsäure.

„Ach, Herr Lanz“

Warum sie eigentlich in dem hohen Alter noch ein Kind haben wollte, fragt der Moderator. „Ach, Herr Lanz“, antwortet die Frankfurterin, „ich fühlte mich eigentlich erst jetzt reif dafür“. Das war vielleicht ehrlich, aber nicht ganz überzeugend. Vor allem nicht in der Runde der Herren.

Da ist so etwas eher eine Vorlage. Lanz sagt, dass er schon drei Kinder hatte – und noch nicht reif dafür war. Wie in einer Altherrenrunde fallen Sätze wie „Es ist doch nie der richtige Zeitpunkt.“ Was kommt, das kommt. Ein Plädoyer für die Jugend.

Lanz - Die Große PR-Show des gierigen Thomas Middelhoff

Aber Frau Michalsky lässt sich nicht irritieren. Ihre Schwangerschaft sei bestens verlaufen. Und auf die Frage, ob sie keine Angst habe, dass ihr jetzt mal die Kraft fehle, sagt sie nur „null“. Es scheint ihr komplett abwegig. Wie tatkräftig sie ist, will aber gar keiner hören. Schon wieder diese Doppelmoral-Attitüde: Niemals würde jemand einen Mann von 58 Jahren fragen, ob er Angst hätte, dass ihm die Kraft fehlt.

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Mutter mit 58 – jetzt will sie anderen Frauen Mut machen

Wie so eine alte Mutter denn im Umfeld ankomme? Ihre Freundinnen und Bekannten hätten wohl vorab mal ein paar kritische Bemerkungen gemacht, sagt Dagmar Michalsky. Aber seit der Schwangerschaft habe sie nichts Derartiges mehr gehört. „Vielleicht haben sie ja hinter meinem Rücken geredet.“ Es sei ihr nicht so wichtig.

Lanz will wissen, wieviel denn von ihr in dem Kind steckt? Eine ganze Menge, meint sie. „Man hat mir gesagt, die Eizelle ist nur das Rohmaterial. Mein Körper entscheidet, welche DNA von mir aufgenommen wird.“

Älteren Frauen Mut zur Schwangerschaft machen

Michalsky ist ansteckend mit ihrer Art, die Welt zu sehen. „Wenn man sich Creme ins Gesicht schmiert, soll doch auch schon was in die DNA gelangen.“ Da werde sie es doch schaffen, ihrem Kind was von ihrer DNA abzugeben. Sicher habe es auch mal Ängste gegeben. Vor allem eben die Sorge, ob der Embryo sich einnistet. Und dann aber auch der Gedanke: „Oh Gott, es muss ja auch wieder raus.“ Aber es sei doch alles gut gelaufen bei ihr.

Aber jetzt ginge es ihr darum, älteren Frauen Mut zur späten Schwangerschaft zu machen. Man sei reifer, erfahrener und ausgeglichener, sagt sie. Und lässt sich von den Männern nicht die Laune vermiesen.

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