Hugh Grant und McConaughey: Dieses Laster haben beide

London.  Hugh Grant und Matthew McConaughey über ihren neuen Film „The Gentlemen“. Im Interview sprechen sie über eigene Laster und Detektive.

Die Schauspieler Matthew McConaughey (l.) und Hugh Grant spielen zusammen in einer neuen Krimi-Komödie von Guy Ritchie.

Die Schauspieler Matthew McConaughey (l.) und Hugh Grant spielen zusammen in einer neuen Krimi-Komödie von Guy Ritchie.

Foto: dpa Picture-Alliance / Evan Agostini / picture alliance/AP Images

Der Brite Hugh Grant (59) und der Amerikaner Matthew McConaughey (50) sind die Stars in Guy Ritchies Krimi-Komödie „The Gentlemen“ (ab 27.2. im Kino). Während Grant jahrelang als Leading Man in romantischen Komödien („Notting Hill“, die „Bridget Jones“-Filme) gefeiert wurde, machte sich McConaughey mit so unterschiedlichen Filmen wie „Die Jury“, „Der Mandant“, „Dallas Buyers Club“ und „Magic Mike“ einen Namen.

Mr. Grant, Sie spielen in „The Gentlemen“ einen schmierigen, skrupellosen Privatdetektiv. Waren Sie überrascht, dass ausgerechnet Sie für diese Rolle ausgewählt wurden?

Hugh Grant: (Lacht) Nein, ich habe die Ironie natürlich sofort gesehen. Immerhin habe ich sieben lange Jahre einige Blätter der englischen Boulevard-Presse verklagt – wegen übler Nachrede, Falschmeldungen und Lügen. Und dafür, dass sie meine Telefonanschlüsse angezapft und meine Krankenakten gestohlen haben. Einmal wurde sogar bei mir eingebrochen.

Gab es eine reales Vorbild für die Rolle?

Grant: Nein. Ich habe mich zur Vorbereitung auf den Film sogar mit ein paar dieser Schmierfinken getroffen. Einige von denen, die ich damals verklagte, hatten sich überraschenderweise sogar schon vor einiger Zeit meiner Kampagne „Hacked Off“ für sauberen Journalismus angeschlossen. Wir sind dann gemeinsam gegen die Zeitungsbosse vorgegangen. Denn genau die wollte ich ja zur Rechenschaft ziehen – nicht deren Laufburschen.

Guy Ritchies Filme wirken immer sehr stilisiert. Gefällt Ihnen das?

Matthew McConaughey: Ja, sehr. Guy kreiert für jeden seiner Filme immer eine ganz eigene Sprache. Die Dialoge sind ganz bewusst sehr stilisiert. Normalerweise redet so doch kein Mensch. Aber das ist für mich als Schauspieler ja gerade auch der Spaß an der Sache.
Grant: Ja, das ist schon sehr besonders. Sehr oft hatte ich das Gefühl, dass es nicht so sehr darauf ankommt, was die einzelnen Personen sagen, sondern wie sie es sagen. Und hat man endlich in den ganz speziellen Sprechrhythmus hineingefunden, macht es einem große Freude, so zu reden. Allerdings gab es da auch ein großes Problem: Guy liebt es nämlich, seine Texte noch während der Dreharbeiten ständig zu überarbeiten oder gar neu zu schreiben. Und da ich sehr lange Textpassagen hatte, waren diese Änderungen in letzter Minute oft extrem schwierig für mich zu meistern.

Warum genau?

Grant: Machen wir uns nichts vor: Ich bin 59 Jahre alt und trinke zu viel. Da lässt die Merkfähigkeit schon oft zu wünschen übrig. Deshalb habe ich auch schon vier Wochen vor Drehbeginn damit begonnen, diese Wahnsinns-Textmengen auswendig zu lernen. Das war im Ski-Urlaub mit meiner Familie. Während meine Frau und die Söhne beim Skifahren viel Spaß hatten, bin ich stundenlang mutterseelenallein durch den Schnee gestapft und habe mir den Text eingehämmert.

Endlich konnte ich ihn auswendig, und kam also total motiviert und super textsicher zu den Dreharbeiten. Da kam Guy und sagte zu meinem großen Entsetzen: „Wir haben alles geändert. Hier sind zwei Seiten mit neuen Dialogen!“ Ich sagte: „Das kannst du nicht machen! Das kann ich mir unmöglich in fünf Minuten reinziehen!“ Er: „Kein Problem. Du kannst den Text ja vom Teleprompter ablesen.“ Ich: „Darling, ich bin Schauspieler – kein Nachrichtensprecher!“ Ich war stinksauer und richtig wütend! Schließlich haben wir dann doch den Originaltext genommen und alles war wieder gut.

Unterscheidet sich der britische Film eigentlich noch vom Hollywoodfilm?

McConaughey: Britische und amerikanische Filme unterscheiden sich tatsächlich immer weniger. Der große Unterschied ist, dass Hollywoodfilme in der Regel ein viel höheres Budget haben.
Grant: Die traditionellen Stärken des britischen Kinos sind doch – wenn überhaupt – die Schauspiel-Kunst und die Drehbuch-Inhalte. Aber nie der visuelle Aspekt. Guys Filme sind da anders. Seine Filme leben auch immer von der hochoriginellen Bildsprache. Guy kommt ja aus der Werbung und weiß deshalb sehr genau, wie man visuelle Effekte erzielen kann. Er kann Szenen wirklich sexier machen! Und er hat Stilbewusstsein, was mir sehr gefällt. Denn Stil vermisse ich in England schon lange und sehr schmerzlich auch im täglichen Leben.

In „The Gentlemen“ spricht man ganz offen über Laster, wie zum Beispiel Heroin. Was ist denn Ihr ganz persönliches Lieblingslaster?

McConaughey: Ganz sicher nicht Heroin. Oder andere Drogen. Lassen Sie mich überlegen… Ich habe schon ein paar Laster… Hugh, kannst Du mir helfen?
Grant: Gerne. Meine Laster? Gier, Eitelkeit…
McConaughey: … ja, eitel bin ich auch…

Was zeichnet denn in Ihren Augen einen echten Gentleman aus?

McConaughey: Ein echter Gentleman ist diskret. Er respektiert die Privatheit von anderen Leuten. Er respektiert sein Gegenüber und würde sich nie zu Klatsch und Tratsch über eine Person hinreißen lassen. Gelegentlich passiert es mir, dass Leute zu mir kommen und mich über einen Kollegen oder eine Kollegin aushorchen wollen. Die weise ich jedesmal eiskalt in ihre Schranken.
Grant: Das ist sehr nobel von dir. Ich muss gestehen, ich liebe ein bisschen Klatsch. Ich halte mich auch nicht unbedingt für einen Gentleman. Und im Film spiele ich ja einen Typen, der das totale Gegenteil von einem Gentleman ist. Er denkt nur an sich und seinen Vorteil. Er ist ein lupenreiner Narzisst.
McConaughey: Den spielst du wirklich sehr überzeugend.
Grant: Ich habe zwar keine Ahnung, warum man mich so oft diese selbstbezogene Narzissten spielen lässt… Wahrscheinlich kommt da mein eigentlicher Charakter zum Vorschein. Ja, je länger ich jetzt darüber nachdenke: So bin ich!

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Welche Qualität schätzen Sie denn an Ihrem Filmpartner am meisten?

McConaughey: Da gibt es einige. Was ich an Hugh besonders schätze, ist sein makelloses Timing. Keiner spielt so genau auf den Punkt wie er. Faszinierend.
Grant: Matthew ist ein brillanter Schauspieler – und ein echter Filmstar. Für mich gibt es da einen großen Unterschied. Matthew ist beides. Und er hat mir erzählt, dass er seit über 20 Jahren einen Schauspiellehrer hat. Ich meine: Der Mann hat einen Oscar gewonnen und hat immer noch einen Schauspiellehrer!

Hugh Grant – Mehr über den Schauspieler:

Mitte 2018 hatte Hugh Grant seine langjährige Freundin geheiratet. Ende 2019 hatte der Schauspieler mit seinen Twitter-Nachrichten für Schlagzeilen gesorgt. Darin hatte er Premierminister Boris Johnson wüst beschimpft.

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