„Maischberger“: Wagenknecht hat Corona-App nicht installiert

Berlin.  Sahra Wagenknecht erklärte bei „Maischberger“, warum sie der Corona-Warn-App nicht traut. Dafür erntete sie Kritik von Frank Thelen.

Wie funktioniert die neue Corona-Warn-App?

Nach langem Vorlauf steht nun auch in Deutschland eine offizielle Corona-Warn-App zum Herunterladen bereit. Sie soll Smartphone-Nutzer warnen, wenn sie in die Nähe von Corona-Infizierten gekommen sind. Wie funktioniert sie? Und was ist mit dem Datenschutz?

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  • Normalerweise würde man nicht denken, dass Sahra Wagenknecht viel mit Frank Thelen gemeinsam hat
  • Bei „Maischberger“ konnte man dann aber doch sehen, dass sich beide einig sind – bei bestimmten Themen
  • Dass sich beide einer Meinung in vielen Fragen waren, fand auch die Moderatorin bemerkenswert

Wer hätte das gedacht: Sahra Wagenknecht von der Linken und Start-up-Investor Frank Thelen sind sich in Wirtschaftsfragen einig, in Teilen zumindest. Da staunte selbst die Moderatorin von „Maischberger. Die Woche“ am Mittwoch nicht schlecht.

Natürlich war das ungleiche Interview-Paar nicht gleicher Meinung, was die Bewunderung für Jeff Bezos von Amazon betrifft. Oder für Elon Musk von Tesla.

Da bekannte sich Frank Thelen ganz zum Fan von beiden: „Uns fehlen solche Unternehmer“, bedauerte er. Ein so kluger Kopf wie Bezos, der bei einem Elektro-Jet sofort interessiert in die technischen Details einsteige. Oder einer wie Musk, der mit Technologie den Planeten retten wolle.

„Maischberger. Die Woche“ – das waren die Gäste

  • Christine Lambrecht (SPD): Bundesjustizministerin
  • Frank Thelen: Investor
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke): Bundestagsabgeordnete
  • Georg Restle: Moderator der ARD-Sendung „Monitor“
  • Claudia Kade: Innenpolitikchefin der „Welt“
  • Joachim Llambi: Fernsehmoderator

Da konnte Sahra Wagenknecht natürlich nicht anders als abwinken. Der Amazon-Chef als role-model, nein danke: „Wenn ich sehe, wie er seine Angestellten behandelt, wie er sie selbst noch auf der Toilette überwacht“, führte sie aus, „ist das eine gruselige Vorstellung“.

Und zu Elon Musk: „Er baut mit Lithium, Kobalt etc. große, schwere Batterien, die in der Summe mehr CO2 ausstoßen als ein kleiner Dieselwagen. Das ist technisch kein Gewinn.“

Tesla-Chef Elon Musk in Berlin - Gespräche mit Bundesministern
Tesla-Chef Elon Musk in Berlin - Gespräche mit Bundesministern

Sahra Wagenknecht und Frank Thelen – einig in Wirtschaftsfragen

Aber dass die Mehrwertsteuer-Senkung „komplett verpufft“ sei, konnten beide unterschreiben. Und auch, dass Europa „Geld in die Hand nehmen“ solle, um Zukunftstechnologien zu fördern: Quantencomputer? Hyperloops? Oder doch lieber etwas, was die Vermüllung der Meere mit Plastik stoppt?

Das zu diskutieren hätte wohl noch eine zweite „Maischberger. Die Woche“ gebraucht. Zu einer kuriosen Technik gläubigen Episode kam es noch, als Sandra Maischberger eine brandneue Umfrage zitierte: 52 Prozent der Deutschen wollten immer noch nicht die Corona-Warn-App auf ihr Handy laden.

Sahra Wagenknecht: Darum verweigert sie sich der Corona-App

So auch Sahra Wagenknecht nicht – vor allem deshalb, weil sie dann ständig die Bluetooth-Funktion ihres Smartphones eingeschaltet lassen müsste, was einer Einladung zum Hacken gleichkäme.

Statt mit Papperlapp konterte Thelen mit „360-Grad-Blödsinn“, meinte aber dasselbe: „Dann dürften Sie auch keine Kopfhörer benutzen oder ihre Watch abgleichen.“

Frank Thelen: Seine Infektion wurde Kontaktpersonen nicht gemeldet

Trotzdem musste er auf Nachfrage zugeben, dass die von ihm gepriesene Technologie nicht unbedingt hielt, was die Erfinder versprachen. Lesen Sie dazu: Corona-Warn-App: QR-Codes für Tests machen weiter Probleme

Obwohl Thelen Corona-positiv, aber symptomfrei getestet worden war, hatte seine App mögliche Kontaktpersonen nicht gewarnt. „Ich habe das recherchiert“, rechtfertigte er die Fehlleistung: „90 Prozent der testenden Labore sind an die App angeschlossen.“ Nur ausgerechnet seines war es nicht – weshalb die Warnung erst nach Intervention und mit 24-stündigen Verspätung versendet wurde.

„Maischberger“: Diesmal weitgehend frei von Kontroversen

Im Vergleich dazu wirkte der Rest von „Maischberger. Die Woche“ an diesen Mittwoch wie eine einhellige Laberei – ohne Kontroversen und ganz und gar ohne Aufreger. Eine mediale Einschlafhilfe sozusagen, für all jene, die sich die Nacht nicht bis zum Schluss um die Ohren schlagen mussten.

Am Tempo lag das nicht. Denn es ging gewohnt flott, Schlag auf Schlag durch die Themen des Wochendurchblicks: Wie soll der Staat zukünftig bei Demonstrationen vor dem Reichstag reagieren? Sieht Angela Merkel tatsächlich in der russischen Regierung die Verantwortlichen für den chemischen Nervengas-Anschlag auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny? Wie werden sich die Protest-Unruhen in den USA auf die November-Wahlen auswirken? Und wie geht es weiter in Belarus?

Viele wichtige Fragen, noch mehr flinke Antworten – aber insgesamt wenig Erkenntnis.

„Let’s Dance“-Moderator Joachim Llambi als Politik-Kommentator

Für eine Überraschung sorgte Joachim Llambi, der den Kommentatoren-Tisch mit Claudia Kade von der „Welt“ und „Monitor“-Redaktionsleiter Georg Restle ergänzte.

Der „Let’s Dance“-Moderator kann offenbar nicht nur tanzen. Einst war er auch Börsenmakler, was ihn bei „Maischberger. Die Woche“ nun gleich zum Wirtschaftsexperten qualifizierte. Tänzelnd schlug er sich aber auch dabei durch.

Zum Beispiel sollte er einschätzen, wie sich Donald Trumps Wirtschaftspolitik auf dessen mögliche Wiederwahl auswirken würde.

„Er hat den Amerikanern viel versprochen. Er hat auch mit Sanktionen versucht, viele ausländische Mitbewerber auszuschalten, was ihm teilweise gelungen ist“, fasste Joachim Llambi schwadronierend zusammen. Persönlich aber glaubte er nicht, dass die US-Wirtschaft nun besser dastehe als zuvor. Wieso, weshalb, warum – wollte, konnte er nicht ausführen.

„Donald Trump ist ein Künstler im Angstmachen“, erklärte er stattdessen, und dass die Wahlentscheidung sehr schwer vorhersehbar sei. „Für mich ist das so eine 50:50-Nummer.“ Lesen Sie dazu: US-Wahl: Warum Donald Trumps Chancen gestiegen sind

Trump: Krawalle in Kenosha sind "Inlandsterrorismus"
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Joe Biden – der „blutleere“ Kandidat der Demokraten

Von dem gefühlten Stammtisch-Niveau schien auch Innenpolitik-Chefin der „Welt“ nicht weit entfernt, als es um Amerika ging: „Ich bin überrascht, wie sich ein so großes Land nach vier Jahren Trump für einen so blutleeren Präsidentschaftskandidaten wie Biden entscheiden kann“, kommentierte Claudia Kade den bisherigen Wahlkampf. Vor allem vermisse sie Enthusiasmus. Lesen Sie dazu: Demokratischer Kandidat Joe Biden: So wäre er als Präsident

Das ließ sich auch der Diskussion bescheinigen, die alle Themen nur kurz und entsprechend oberflächlich antippte.

Allein Georg Restle wagte eine schärfere Analyse, ohne aber wirklich Neues zu bringen. „Es ist offensichtlich, wie seine Wahlkampf-Strategie aussieht“, erklärte er: Trump präsentiere sich „als Law-and-Order-Mann und nutzt die Unruhen gezielt aus“.

Trump inszeniert sich in Kenosha als Garant für Recht und Ordnung
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Wie reagiert Moskau auf die Proteste in Belarus?

Der „Monitor“-Redaktionsleiter war viele Jahre auch Moskau-Korrespondent, dazu zwischen 2010 und 2011 oft als Beobachter in Belarus. Deshalb konnte er leichter auch die aktuelle Lage in Minsk beurteilen, wo am Wochenende Panzer gegen die friedlichen Demonstranten aufgefahren waren. „Entscheidend ist, wie Russland reagiert.“ Lesen Sie dazu: Belarus: Lukaschenko macht Sohn Nikolai (15) zum Bodyguard

Dass Angela Merkel in ihrem Drei-Minuten-Statement vom gleichen Tag so deutlich wie nie zuvor Wladimir Putin zur Aufklärung des Giftgas-Anschlags auf Alexej Nawalny aufforderte, schrieb er ihrer momentanen Doppelrolle als Kanzlerin und EU-Ratspräsidentin zu.

Merkel verurteilt "versuchten Giftmord" an Kreml-Kritiker Alexej Nawalny
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Christine Lambrecht: Russland muss Nawalny-Attentat aufklären

Das bestätigte auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) im Einzel-Interview, ohne sich weiter einlassen zu wollen, was die EU unternehmen werde, wenn Russland der Aufforderung nicht nachkommt. „Ein russischer Staatsbürger ist auf russischem Gebiet vergiftet worden“, erklärte sie. „Da muss jetzt auch der russische Staat ermitteln.“

Differenziert wollte sie auch die Demonstration vom Wochenende beurteilen. Da hätten sich Menschen aus den verschiedensten Situationen zusammengefunden. Obwohl sie eben auch den Eindruck hätte, dass „die Mehrheit andere Ziele verfolgte, als gegen Corona-Maßnahmen zu protestieren.“

Die mehrere tausend Polizisten hätten einen tollen Job gemacht, lobte sie die Polizei ausdrücklich für ihre deeskalierenden Mittel.

Demonstranten wollen Bundestag stürmen - Politiker bestürzt
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Die Bilder von den Stufen vor dem Reichstag, die letztes Wochenende um die Welt gingen, dürften sich natürlich nicht wiederholen. Aber Demonstrationen verbieten? Nein. „Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut und nicht nach der Gesinnung ausgerichtet.“ Lesen Sie dazu: Corona-Demonstration: Wird die rechte Gefahr unterschätzt?

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